Bauroth-Büro teurer als geplant: In Ratssitzung kommt's zum Eklat

So einen Tumult hatten die Elsterberger Bürgervertreter seit Jahren nicht erlebt. Zwei Stadträte verließen die Sitzung. Das corpus delicti: das Dienstzimmer des neuen Bürgermeisters.

Elsterberg.

Ein Wunder, dass kein Putz von der Decke des Sitzungssaals im Elsterberger Rathaus fiel. Bei der Sitzung des Stadtrats am Mittwochabend war teilweise kein klares Wort mehr zu verstehen. Grund des Zoffs sind erhöhte Kosten für das neue Amtszimmer von Bürgermeister Sandro Bauroth (FDP), seit knapp vier Monaten im Amt.

Möbel-Budget überschritten


Sein Vorgänger Volker Jenennchen (AHL) hinterließ darin einen betagten Wandschrank und ein ebensolches Sofa. Im Elsterberger Haushalt waren 8000 Euro für eine neue Ausstattung eingestellt. Doch Bauroths Möbel kosteten 6700 Euro mehr. Dieses Geld habe er aber nicht einfach ausgeben dürfen, so die einstimmige Meinung einiger Ratsmitglieder. Wolfgang Haupt (AHL) erklärte "Freie Presse" gegenüber: "Die Summe ist sehr weit überschritten, ohne dass dafür die Zustimmung vom Finanzausschuss vorlag. Dies wäre aber Voraussetzung für die Bestellungen der Möbel und Einrichtungsgegenstände gewesen."

Nach Bauroths Einschätzung war von vornherein zu wenig Geld für neue und haltbare Möbel eingeplant worden. Zudem habe er Vergleichsangebote eingeholt, bevor er die Aufträge ausgelöst habe, so der Bürgermeister. Bis auf die Bestuhlung habe er alles von Elsterberger Anbietern bezogen und mit einem Büroausstatter gearbeitet, den das Rathaus schon mehrmals beauftragt hat. Diskussionen über die höheren Kosten seien für ihn daher nicht nachvollziehbar. Es sei aber gut, bemerkte Bauroth, Universalgenies im Stadtrat zu haben, die sich mit Büroausstattung auskennen würden.

Radau im Sitzungssaal

Daraufhin kam es zu einem Tumult. Die Stadtratsmitglieder Jürgen Brückner, Matthias Wachter und Wolfgang Haupt (alle AHL) fassten seine Bemerkung als Beleidigung auf. Brückner und Wachter verließen im Verlauf der weiteren Sitzung den Saal. Haupt sprach von einem "schwarzen Tag" für den Stadtrat und warf Bauroth Lügen vor. Ratsmitglied Joachim Baierl (CDU) zeigte sich fassungslos. "Ich bin 26 Jahre dabei, aber so etwas habe ich in einer Stadtratssitzung noch nicht erlebt."

Der Bürgermeister räumte gegenüber "Freie Presse" ein: "Ja, es gab ein Defizit mit der Information." Bei außerplanmäßigen Ausgaben über 5000 Euro müsse der Finanzausschuss in der Tat zustimmen. Ende Oktober habe Bauroth den Bauausschuss informiert, dass die Kosten für seine Möbel auf etwa 13.000 Euro angestiegen seien. Danach habe er die Zustimmung vom Finanzausschuss eingeholt. Insgesamt habe sein Zimmer inklusive Renovierung, Möbeln und technischer Ausstattung 19.400 Euro gekostet.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    DRMZIMME
    28.11.2015

    Man kann wirklich nur den Hut vor Herrn Bauroth ziehen. 4 Monate nach seinem kostenintensiven Wahlkampf (von wem auch immer finanziert) plündert er jetzt halt die Stadtkasse. Vereidigung im Burgkeller mit 450! geladenen Gästen aus Nah und Fern auf Stadtkosten, jetzt die Bürorenovierung inkl. Mobiliar für knapp 20000€ aus der Stadtkasse. What´s next? Wenn er so fleißig weiter macht, sollte man mal bei Mario Barth anfragen, was er und seine "Aufdeckerfreunde" davon halten. Das traurige an der Geschichte ist, dass 54% der Elsterberger es so wollten....Das, wie "Teo" es so schön formuliert hat...."Musterbeispiel des Provinzpolitikers auf den Thron gehoben". Bitte liebe Elsterberger, ihr habt so gewählt.

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    Tauchsieder
    27.11.2015

    Na wo ist denn da das Problem. Der Rat verpflichtet den Bürgermeister zur Zahlung der Mehrkosten aus eigener Tasche und schon wird Bauroth sich in Zukunft überlegen, ob er noch einmal die gewählten Vertreter außen vor lässt. Ansonsten gibt es nur den Weg einer Dienstaufsichtsbeschwerde.
    Dies ist ein Einstieg ins Amt, wie man es sich sicherlich nicht träumen lassen hat. Vielleicht sollte er sich weniger ums Angeln und statt dessen sich mehr um die finanzielle Lage von Elsterberg kümmern.

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    Teo
    27.11.2015

    Vier Monate im Amt, noch keinen PC und kein Telefon, aber neue Büromöbel für 14.000 Euro und über geltendes Recht hinweggesetzt. Wenn die Prioritätensetzung dieses Bürgermeisters so weitergeht, können sich die Elsterberger wirklich freuen. Da hat man ein Musterbeispiel des deutschen Provinzpolitikers auf den Thron gehoben.



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