Baustellen und Grünpflege: Selten freie Fahrt auf der A 72

Die wichtigste Straße des Vogtlands ist 80 Jahre alt. Viele Menschen leben von und mit ihr. Heute: Warum man das Gefühl hat, dass ständig gebaut wird.

Plauen.

Da müssen die Autofahrer stark sein. Am Montag wird die A 72 wieder aufgerissen, dieses Mal auf dem Abschnitt zwischen Treuen und Plauen-Ost. Fahrtrichtung Hof. Das macht 7,4 Baustellen-Kilometer. Rot-weiße Baken, die für einen gewissen Frust sorgen. Bis Oktober bekommt die Autobahn dort neuen Asphalt aufgezogen. Das Ganze soll 4,6 Millionen Euro kosten.

Am Stammtisch schwappt da schon mal der Verdacht hoch, dass der Bund zuviel Steuergeld in die Autobahnen pumpt und zu wenig übrig bleibt für die Buckelpisten, die zum Bäcker um die Ecke führen. Ständig Baustellen auf der Autobahn. Ständig rot-weiße Baken und neue Tempolimits. Täuscht das Gefühl oder ist was dran an der Wahrnehmung?

Isabel Siebert, Sprecherin des sächsischen Landesamtes für Verkehr, bestätigt, dass Autobahnen Dauerbaustellen sind. "Gibt immer zu tun. Schutzplanken ausbeulen, zugewachsene Verkehrszeichen freischneiden, Müll wegräumen", sagt sie. Täglich sind Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Plauen auf der A 72 unterwegs und suchen nach Schäden an der Fahrbahn. Darüber führen sie Buch. Siebert beschreibt die Autobahnen wie ein wissenschaftliches Projekt: Es gibt Messfahrzeuge, die alle vier Jahre jeden Kilometer abfahren und den Allgemeinzustand erfassen. Wie tief sind Spurrinnen und Risse? Halten die Flicken? Wie griffig ist der Belag noch? Außerdem gibt es Brückenprüfer, die die Brücken und Lärmschutzwände untersuchen. Das läuft bundesweit, und das Ergebnis der Tests soll helfen, das Geld effizienter einzusetzen.

Ewig hält eine Asphalt-Autobahn nicht, sagt Isabel Siebert und referiert über Baumaterial. Am sensibelsten sei offenporiger Asphalt. Der ist anfangs leise. Zwei Jahre lang frisst er den Autolärm, und dann bröckelt er und zerfällt. Doch der liegt erst in Chemnitz-Glösa und nicht im Vogtland.

Bis zu 15 Jahre halte der Asphalt, der in der Region verbaut wurde. Wird er nicht ausgetauscht, geht die Schicht darunter kaputt. Deshalb nun die Baustelle zwischen Plauen und Treuen. Die Bauarbeiter ziehen die oberen zwölf Zentimeter ab, tragen eine neue Schicht auf und neue Markierungen. Das Landesamt für Verkehr hofft auf wenig Stau in diesen drei Monaten. "Für uns ist nichts schlimmer als Stau", sagt Siebert.

Denn auf Stau folgen verärgerte Autofahrer, die sich am Telefon beim Landesamt beschweren. Zum Beispiel darüber, dass sie keine Arbeiter sehen auf der Baustelle. Das liegt an der Technik, sagt die Behördensprecherin. Die meiste Arbeit übernehmen Maschinen, sodass eine Minimalbesetzung ausreiche. Grund zwei: Die bis zu zehn Kilometer langen Baustellen führten zu dem Trugschluss, dass an mehreren Stellen gearbeitet werden müsse. Der Straßenbau sei aber so technologisiert, dass das nicht möglich sei.

Zweites Ärgernis für Deutsche, deren liebstes Kind das Auto ist, sind die Tempolimits. Von denen gibt es einige auf der Autobahn 72. Über diese Schilder bestimmt die Polizei zusammen mit der Verkehrsbehörde und der Autobahnmeisterei.

Die A 72 im Vogtland gilt als schwierig. Häufige Gefällewechsel, viele Kurven. Siebert zufolge nimmt nicht nur der Verkehr zu, sondern auch die Zahl der Unfälle. Darauf habe die Unfallkommission reagiert und neue Tempolimits verordnet.

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