Besucher sorgen sich um Erhalt der Plauener "Röste"

Die Betreiber der "Alten Kaffeerösterei" kämpfen mit Finanznot. Ein Benefizkonzert sollte helfen - zumindest etwas.

Plauen.

Die "Röste" wackelt. Nicht wegen tobender Partys und krachender Rockkonzerte. Diesmal ist es brisanter. Im 23. Jahr des Bestehens ist die Arbeit des Betreiber-Vereins gefährdet. Finanzielle und strukturelle Sorgen plagen ihn. Darum fand am Freitagabend ein Benefizkonzert mit der Band Shimshon zum Erhalt des Kulturzentrums statt. Dazu wurden auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) und Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) eingeladen. Die Betreiber wollten den politischen Entscheidern bei entspannter Atmosphäre die "Rösterei" als Teil des Plauener Kulturlebens etwas näher bringen. Jedoch: Die Einladungen ergingen zu kurzfristig - Bürgermeister Zenner musste wegen eines anderweitigen Termins absagen.

Letztlich war das Konzert mit etwa 130 Besuchern dennoch gut besucht, die Musiker um Sänger und Röste-Vereinsvorstand Jens Bühring waren mit ihrem anspruchsvollen Repertoire aus Rock, Jazz und Folk von allerfeinster Güte gut drauf - und die Gäste entsprechend auch.

Bei alledem schwang jedoch auch immer Sorge um den Erhalt der "Röste" mit. Linken-Stadträtin Petra Rank signalisierte: "Die Kaffeerösterei ist wichtig für Plauen, darum wollen wir helfen, wo wir können." Die "Röste" gilt als einer der letzten Orte alternativer Jugendkultur in Plauen. Viele Gäste waren sich deshalb einig: Ginge die "Röste" verloren, verschwände mit ihr ein Impulsgeber in Sachen freigeistigen Kulturschaffens, derer die Stadt dringend bedarf.

Hauptgrund für die Probleme des Vereins ist die vereinseigene Immobilie. Besonders das Dach der altehrwürdigen Kaffeerösterei sei dringend sanierungsbedürftig, wie die Vorstandsmitglieder bereits gegenüber der Stadtverwaltung äußerten. Durch Vereinsmittel seien die erforderlichen Baumaßnahmen nicht zu finanzieren.

Da es sich bei dem alten Gewerbebau im Stadtteil Haselbrunn um einen mehr als 100 Jahre alten Bau handelt, der ein wichtiges Stück Plauener Industriekultur dokumentiert, fand im Sommer eine Begehung mit dem sächsischen Landesamt für Denkmalpflege statt. Wird das Gebäude als schutzwürdig eingestuft, könnten Fördermittel fließen, um die bauliche Substanz zu retten. Den Betreiberverein würde das entlasten. Doch ohne Eigenmittel und vor allem persönlichen Einsatz der Vereinsmitglieder wird es nicht gehen.

Um frischen Wind herein zu lassen, setzt sich der Verein neue Ziele. Er möchte im Bereich Soziokultur aktiver werden und im Gemeinwesen als sozialer Akteur wahrgenommen werden, hieß es. Erste Kontakte zur Mobilen Jugendarbeit Plauens habe es gegeben, berichtete Christian Roscher, der Vereinstechniker. Doch eine klare Definition für Soziokultur in der "Röste" gibt es offenbar noch nicht. Im Verein sind zwar Kulturschaffende aktiv - aber eben keine Sozialarbeiter. Das mache es schwierig, Struktur in die soziokulturellen Zukunftspläne der Betreiber zu bringen.

Wille zum Erhalt der "Röste" waren am Freitagabend bei Mitgliedern und Gästen auf jeden Fall gegeben.


Was die Besucher sagten:

Katrin Limmer, Plauen, 35 Jahre: "Der Erhalt der Röste ist total wichtig, es ist der letzte Anlaufpunkt für eine alternative Jugendszene."

Charlotte Thomas, Plauen, 16 Jahre: "Die Rösterei ist einer der wenigen Orte in Plauen, an dem man sich frei fühlen und interessante neue Leute kennenlernen kann."

Lana Streubel, Plauen, 16 Jahre: "Wenn die Kaffeerösterei schließt, gibt es eigentlich für junge Leute nichts mehr in Plauen."

Christian Roscher, Plauen, 34 Jahre: "Für mich bedeutet die Röste vor allem Erinnerung an schöne Konzerte, darüber hinaus muss man aber auch sehen, wieviel Kunst und Kulturarbeit hier passiert, das macht für viele Jugendliche die Stadt lebenswert."

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