Bezahlung: Künstler halten Brandrede

Mindestens einen akademischen Abschluss haben viele Ensemble-Mitglieder des Theaters Plauen- Zwickau. Entlohnt werden sie oft wie Ungelernte.

Emotionale Performance: Dramaturgin Karima Wolter sowie die Schauspieler Anna Striesow, Nadine Aßmann und Björn-Ole Blunck (von links) informierten den Kulturausschusses über ihre finanzielle Situation.
Bezahlung: Künstler halten Brandrede

Von Sabine Schott

So farbenfroh wie am Donnerstagabend ging es im Kulturausschuss des Stadtrates wohl noch nie zu - und auch nicht so emotional: Teils kostümierte Mitglieder des Theaterensembles hielten im Zuschauerraum der Kleinen Bühne vor den Bürgervertretern eine Brandrede. Sie machten auf ihre finan- zielle Situation und strapaziöse Arbeitsbedingungen aufmerksam.

Für die Vertreter des Netzwerks der Bühnenschaffenden sprachen Dramaturgin Karima Wolter sowie die Schauspieler Anna Striesow, Nadine Aßmann und Björn-Ole Blunck unter einem Plakat: "The Show must go on - aber unter fairen Bedingungen", stand darauf. "Wir sind nicht Künstler geworden, um reich zu werden", sagte Wolter, die wie ihre Kollegen einen sogenannten Normalvertrag Solo hat. Demnach muss 48 Stunden pro Woche gearbeitet werden an bis zu sieben Tagen.

Kurzfristiger Dienstplantausch, Proben vormittags und abends sowie Vorstellungen an Feiertagen, Erreichbarkeitspflicht und die Gefahr der Nichtverlängerung des Engagements - für all dies werde lediglich Mindestgage gezahlt: 2000 Euro brutto. "Einen festen freien Tag haben wir nicht", so Aßmann. Und bei einem Intendantenwechsel drohe die Kündigung, weil jeder sein Team in der Regel mitbringe.

"Wir sind in Sorge, dass es erneut zu einem Stellenabbau kommt", sagte Blunck und bezog sich auf das anstehende Ende des Haustarifvertrags ab Jahresbeginn. Was sich zuerst gut anhöre, weil es ja mehr Geld gibt, berge Risiken, zum Beispiel wegen des wegfallenden Kündigungsschutzes.

Betroffene müssten selbstbewusster auftreten, um sich gegen die "hanebüchene Bezahlung" zu wehren, appellierte Lutz Behrens, beratender Bürger der SPD. "Gutes Geld für gute Arbeit", will Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) gern zahlen.

Nach betroffenem Schweigen gab es am Ende Applaus und, als Hoffnungsschimmer, einen Konfetti-Regen.

Haustarifvertrag wird beendet: Ab Januar gibt's Tarif

Sandra Kaiser, Geschäftsführerin des Theater Plauen-Zwickau (Foto), sprach jetzt im städtischen Kulturausschuss zur wirtschaftlichen Struktur am Musentempel.

Sieben Millionen Euro mehr werden vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst ab dem Jahr 2019 zur Verfügung gestellt - Geld, das auch in die Entlohnung der Künstler investiert werden soll. Statt des Haustarifvertrags, bei dem auf neun Prozent verzichtet wird, könnte es demnach eine Bezahlung laut Tarif geben. "Jahrelang haben wir darum gekämpft", so die Geschäftsführerin.

Entfallen werde der sogenannte Freizeitausgleich, was mehr Theaterbetrieb bedeute. "Ebenso gibt es die schützende Glocke des Kündigungsschutzes nicht mehr", sagte Kaiser. Und: "Das Theater ist ausgezehrt, wir können keinen Stellenabbau mehr verantworten, wenn wir ein Mehrspartenhaus bleiben wollen."

Wie hoch die Differenz zwischen den Kosten für die derzeitigen Gagen und einer tariflichen Bezahlung sei, wollten Ausschussmitglieder wissen. "Es handelt sich um einen siebenstelligen Betrag", so Kaiser. (sasch)

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