Bildung ist Thema Nummer 1

Wahlen 2019 Wer soll die Region im Landtag vertreten? Direktkandidaten im Wahlkreis Vogtland 3 haben sich am Dienstag in Auerbach vorgestellt und diskutiert.

Auerbach.

Acht Kandidaten bewerben sich am 1. September um das Landtags-Direktmandat im Wahlkreis Vogtland 3, der sich von Klingenthal übers obere Göltzschtal bis Neuensalz erstreckt. Sechs von ihnen stellte die Landeszentrale für politische Bildung in einem Forum gemeinsam mit der "Freien Presse" vor. Das Format fand viel Zuspruch: Die etwas mehr als 100 Sitzplätze waren fast komplett belegt, etliche Besucher nahmen Stehplätze in Kauf. In einer lebendigen Diskussion, die Roland Löffler von der Landeszentrale und Susanne Kiwitter für die "Freie Presse" moderierten, wurden die Positionen der Kandidaten ebenso erkennbar wie deren unterschiedliche Temperamente.

Die Gäste gaben dem Komplex Bildung mit 36 die meisten Punkte, gefolgt von Umwelt/Infrastruktur (33) und Soziales/Pflege (32) sowie Arbeit/Wirtschaft und Innere Sicherheit/Asyl (jeweils 27). Die beiden favorisierten Themenkomplexe wurden in der mehr als zweistündigen Veranstaltung diskutiert.


Bildung: Gemeinschaftsschule und Lehrerverbeamtung standen im Fokus. Bei letzterer leistet sich Linken-Kandidat Kai Grünler eine eigene Meinung, abweichend vom Programm seiner Partei: Er ist für die Verbeamtung, seine Partei lehnt sie ab. Trotz einheitlicher Positionierung in dieser Frage - die Kandidaten blieben unterscheidbar: Den Verfechtern der Gemeinschaftsschule hielt Sören Voigt (CDU) entgegen, damit drohten neue Schulschließungen, denn der Ausbau dieser Schulform gefährde vor allem Grundschulen auf dem Land. Silvia Wenzel (SPD) warb für dieses Schulmodell - aber als freiwilliges Angebot neben Oberschule und Gymnasium, "wenn sich Schule, Eltern und Kommune dafür entscheiden". Volkmar Ihle (Grüne) schlug vor, das längere gemeinsame Lernen mit einem jährlichen Bildungsplan für jeden Schüler zu verbinden - so sei Individualität auch in dieser Schulform gesichert. Denn die hatte Jeremy Ziron (FDP) diesem Schulmodell zuvor abgesprochen. "Gemeinschaftsschule bedeutet Überforderung für die einen und Unterforderung der anderen." Lutz Hauswald (AfD) regte an, die Eltern mehr in die Pflicht zu nehmen und in der Schule mehr Strenge walten zu lassen: "Die Bereitschaft zum Lernen muss gestärkt werden." Von Bürgern wurde die Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Lehrerzimmern infolge der unterschiedlichen Bezahlung als Konsequenz aus der Verbeamtung von Lehrern angesprochen. "Verbeamtung ist teuer, deswegen haben wir sie lange abgelehnt. Aber im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern haben wir das repariert", sagte Voigt. Zugleich eröffne sie Steuerungsmöglichkeiten in Bezug auf Einsatzort und Beschäftigungsumfang der Pädagogen.

Umwelt/Energie/Infrastruktur: Widerspruch - nicht nur aus dem Publikum - erntete Lutz Hauswald, als er die Rolle des Menschen beim Klimawandel für vernachlässigbar erklärte. Das Spektrum der Positionen zum Braunkohleausstieg reichte von "Die Energiewende beginnt mit Einsparungen" (Ihle) über "Energie muss für Bürger und Wirtschaft bezahlbar bleiben" (Voigt) bis zu "Jede neue Technologie verlangt eine entsprechende Infrastruktur. Da müssen wir ansetzen." (Ziron)

Um sich nicht in ideologischen Positionen zu verbeißen, riefen die Moderatoren das Thema Öffentlicher Personennahverkehr auf. Für dessen Ausbau sprachen sich alle Kandidaten aus, wenngleich mit Nuancen. "Der Ausbau des ÖPNV funktioniert nur, wenn der Bus für die Leute bezahlbar bleibt", warnte Silvia Wenzel. Sören Voigt mahnte, ein besseres Netz dürfe sich nicht aufs Vogtland beschränken, sondern müsse den ländlichen Raum mit den Großstädten verbinden. Für Kai Grünler sind viele Verkehrsprobleme hausgemacht, etwa der viele Schülerverkehr als Folge der Schulschließungen. Bürgerbusse mit ehrenamtlichen Fahrern hält er für eine Fehlentwicklung. "Wenn es Bedarf dafür gibt, dann muss auch Geld dafür da sein", forderte er.

Auf die Publikumsfrage, wer all die Jobs als Busfahrer oder Altenpflegerin ausüben solle, wo doch die Vogtländer immer weniger würden, schlug Voigt den Bogen zu Migration: "Dann müssen wir ehrlich sein und über qualifizierte Zuwanderung reden. Die ist wichtig für die Bevölkerungsentwicklung."

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