Biller-Geschäftsführer: "Wir schonten uns nicht"

70 Jahre Möbel Biller: Seit 1990 verkauft der heutige Geschäftsführer Rainer Biller auch in der Spitzenstadt Möbel

Mit 18 Lkw voller Möbel und einer extrem staubigen Halle in der früheren VEB Damenkonfektion Plauen Dako fing alles an. Rainer Biller sprach mit Elsa Middeke über Herzblut, das Kaufverhalten von Wessis und Ossis und eine Besonderheit, die er nur bei Plauener Kunden festgestellt hat.

Freie Presse: Herr Biller, entspannen Sie abends auf einem Biller-Sofa?

Rainer Biller: Wenn ich kein Biller-Sofa zu Hause hätte, könnte ich abends nicht entspannen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag freue ich mich auf meine Familie.

Die Geschichte des Möbelhauses Biller ist eine Familiengeschichte. Was haben Sie von Ihrem Vater und Großvater gelernt?

Ohne das Lebenswerk meines Großvaters und das meiner Eltern würde ich dieses Interview nicht geben können. Als Sohn einer Unternehmerfamilie bin ich mit dem Metier des Möbelhandels verwachsen. Meine Eltern wurden im Jahr 1972 fast ein bisschen verrückt erklärt, als sie sich entschieden, auf einer "grünen Wiese" ein Möbelhaus zu bauen. Die Worte meines Vaters sind: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit". "Stillstand bedeutet Rückschritt" - auch diese Aussage meines Vaters habe ich verinnerlicht.

Direkt nach der Wende haben Sie Biller nach Plauen gebracht. Warum ausgerechnet hierher, und wie war der Start?

Im Mai 1990 kamen wir mit 18 Lkw voller Möbel nach Plauen und verkauften Matratzen zunächst vom Lkw aus. Begleitet wurden wir von einigen Mitarbeitern und guten Freunden. Es war die nächstgrößere Stadt nach der Grenze. Wir mieteten eine Halle der ehemaligen Damenkonfektion in Plauen-Neundorf. Sie hatte eine Lüftung mit Gebläse und integrierter Heizung. Dementsprechend waren wir gefordert, die Möbel und die Halle jeden Tag vom Staub zu befreien. Später zogen wir um und vergrößerten uns. In einer Baracke auf dem gleichen Grundstück verkauften wir Küchen, und in einer Halle oberhalb dieser Schlafzimmer und Kleinmöbel. Eine Zelthalle mit Standort im heutigen Gewerbegebiet Zadera nutzten wir zum Verkauf von Polstermöbeln. Meine Frau und ich schonten uns nicht und packten mit an. Das ist es auch, was unser Herzblut an unserem Plauener Haus ausmacht. Im Juni 1990 waren wir offiziell als Plauener bei der Einwohnermeldebehörde eingetragen.

Die drei Filialen in Hof, Plauen und Eching sind unterschiedlich groß. Was ist sonst noch anders in der Spitzenstadt?

So wie jedes Haus für sich speziell ist, haben wir das Sortiment auch unseren Kundenwünschen angepasst. Es gibt regionale Unterschiede, die berücksichtigt werden müssen. Unsere Einkäufer stimmen sich mit den Verkäufern, die nah am Kunden sind, ab. Aber auch die Mentalität unserer Kunden ist in den drei Regionen unterschiedlich.

Was gehört in Plauen zu den beliebtesten Waren - und was ging bisher gar nicht?

In Plauen gibt es eine Besonderheit: Bei dem Großteil unserer Plauener Kunden ist die Stellfläche für Möbel in der Wohnung wesentlich kleiner als bei Kunden in unseren anderen zwei Regionen. Das ist für unsere Einkäufer eine besondere Herausforderung. Denn selbstverständlich möchten wir dem gerecht werden.

Ganz flapsig gefragt: Kaufen Wessis anders ein als Ossis?

"Wessis und Ossis" - diese Bezeichnungen werden wahrscheinlich erst aus unseren Wortschätzen verbannt sein, wenn eine Generation herangewachsen ist, die die "Wende" nur noch aus den Geschichtsbüchern kennt. Bis auf die räumliche Begrenzung bei den Plauenern gibt es keinen Unterschied im Kaufverhalten.

Einmal im Jahr wird die große Halle beim Europäischen Bauernmarkt zum Mekka für allerlei Köstlichkeiten. Was haben Sie dort zuletzt verspeist?

Wir sind sehr stolz darauf, den Europäischen Bauernmarkt in unserer Veranstaltungshalle ausrichten zu können, und das seit nunmehr 23 Jahren! Etwa ein Jahr nach der Eröffnung unseres Plauener Möbelhauses unterbreitete mir der damalige Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Herr Armin Döhler, seine Idee des Europäischen Bauernmarktes. Damals hätte wohl keiner damit gerechnet, welch Großereignis sich aus dieser Idee entwickelt. Am Tag der Eröffnung des Marktes koste ich natürlich hier und da mal was. Und meine Frau freut sich immer, wenn ich mit Taschen voller besonderer Gaumenfreuden wieder nach Hause komme.

Jedes Jahr nimmt Biller 20 Azubis an. Gibt's in Plauen noch freie Plätze?

Für den Eintritt im August 2018 haben wir die Verträge mit unseren neuen Auszubildenden bereits abgeschlossen. Wir nehmen jedoch sehr gerne Bewerbungen für das nächste Ausbildungsjahr an.

Wer wird nach Ihnen das Ruder übernehmen und die Familientradition fortführen?

Unser Sohn Maximilian zeigt - neben seinem Studium für Betriebswirtschaft - Interesse, sich bereits jetzt in Themen wie Social-Media-Marketing einzubringen. Besonders freuen würde es meine Frau und mich, wenn unser jüngerer Sohn Michael mit seinem Bruder gemeinsam das Familienunternehmen weiterführen würde.


Möbelhaus Biller: Eine Familiengeschichte

Mit einer kleinen Schreinerei im bayrischen Landshut fing alles an. Josef Biller eröffnete sie 1948, sein Sohn Josef machte dort eine Schreinerlehre. Von einer Kanadareise brachte der Junior eine Vision mit: ein Möbelhaus auf der grünen Wiese. 1972 bauten Billers genau das in Eching tatsächlich: die erste Biller-Filiale.

Nach Plauen kamen Biller-Möbel im Jahr 1990: Rainer Biller startete in der Spitzenstadt mit Ehefrau Kirsten, einer Handvoll Mitarbeiter und einer angemieteten Lagerhalle in Neundorf. Verkauft wurde noch mit der Ostmark. Vier Jahre später wurde die Neueröffnung des 76.000 Quadratmeter großen, fünfstöckigen Neubaus gefeiert. In Plauen arbeiten zurzeit 171 Angestellte.

Das Jubiläum feiert Biller mit mehreren Aktionen. Eine Auswahl: Fassanstich im Panorama-Restaurant am 28. Juli; Late-Night-Shoppings am 31. August, 5./ 6. Oktober, 2./3. November, 28./29. Dezember; Streetfood-Markt am 6./7. Oktober. (em)


Der Lager-Profi

Lars Hanf (43) fing 1997 in der Plauener Filiale an und ist fast schon ein Tausendsassa: vom Zentrallager über Kundendienst und Disposition bis zur Warenannahme fürs Möbelhaus. Hier nimmt der gelernte Reiseverkehrskaufmann heute Möbel für die Ausstellung an, Deko, Heimtextilien - und findet: "Bissl Büro, bissl Rampe - passt für mich perfekt. Mit meinen Kollegen verstehe ich mich sehr gut."


Der Erleuchtungs-Fachmann

Uwe Schmidt (62) startete 1994 auf einer Baustelle. "Ein paar Säulen, Platten, und der Schnee pfiff rein", erinnert er sich. Von der Baustelle wechselte er später ins Möbelhaus und ist seitdem der Hauselektriker. Ob Steckdosen, Lampen, Dekoration oder die Warenstände für den Europäischen Bauernmarkt: "Ich sorge dafür, dass den Leuten ein Licht aufgeht", schmunzelt Schmidt.


Die Deko-Fee

Isabell Liebers (19) ist fast fertig mit ihrer Ausbildung zur Gestalterin für visuelles Marketing. "Das ist ein schönes großes Möbelhaus", freut sie sich auf ihre geplante Übernahme. "Viel Handwerkliches ist dabei und viel Abwechslung." Ob großer Weihnachtsmarkt oder kleiner Verkaufstisch: Liebers feilt gern bis ins letzte Detail aus, was dem Kunden gefallen soll. "Gerade Jugendzimmer gestalte ich gern", verrät sie.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...