Bisse und Tritte gegen Polizisten

Plauen.

Der bekannteste Fall ging vergangenes Jahr als Video durchs Internet. Der Film zeigt eine Sequenz auf dem Postplatz. Zu sehen ist ein Streit zwischen drei Männern und zwei Polizisten. Die Polizisten werden geschlagen, in den Schwitzkasten genommen und beschimpft, "Scheiß Bullen". Am Dienstag müssen sich diese drei Männer wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt vor dem Amtsgericht Zwickau verantworten.

Während sich der Fokus der Öffentlichkeit wieder darauf richten dürfte, ermittelt die Staatsanwaltschaft allein in Plauen im Wochentakt zu Angriffen auf Vollstreckungsbeamte.

Diese Woche saßen zwei Plauener deswegen vor Gericht, ein Mann und eine Frau. Die 37-Jährige hatte auf dem Plauener Frühlingsfest betrunken um sich gebissen. Der 32-jährige Mann bekam wegen Ruhestörung Besuch von der Polizei. Er wollte einem Beamten die Pistole aus dem Holster klauen und drohte ihnen mit einem Knüppel, hieß es in der Anklage der Staatsanwaltschaft. Die beiden Plauener wurden verurteilt. Ihre Prozesse im Amtsgericht Plauen dauerten jeweils weniger als eine halbe Stunde.

"Der Respekt gegen Polizisten und Ermittlungsbeamte lässt nach. Das gipfelt in solchen Verhaltensweisen", sagt Michael Rüsing, Sprecher des Amtsgerichts Plauen. Seit Januar hat die Staatsanwaltschaft Zwickau, die auch für Plauen zuständig ist, 117 Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen oder tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte geführt. Davon stammen 46 Verfahren aus Plauen, sagt Antje Dietsch, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Strafen hängen davon ab, wie aggressiv die Täter vorgingen und was in ihrem Strafregister steht. Die Frau, die eine Polizistin gebissen hat, muss 3250 Euro Strafe zahlen. Kurz vor ihrem 37. Geburtstag saß sie vor Richter und Staatsanwalt und knetete aufgeregt ihre Hände. Sie gehört nicht zu den Stammkunden des Gerichts, hat keine Vorstrafen. Vergangenes Jahr auf dem Plauener Frühling war sie betrunken ausgerastet. Erst schlug sie einer 28-Jährigen die rechte Faust ins Gesicht, dann biss sie einer Polizistin in den linken Ringfinger. Die Polizeimeisterin trug Lederhandschuhe, die das Gröbste abschirmten: "Ich hatte danach eine Blutblase am Finger", sagte die Beamtin der Bereitschaftspolizei im Prozess. Damals war sie wegen der Frauen-Keilerei hinzugerufen worden und wollte den Ausweis der Schlägerin sehen. Daraufhin sei diese ausgerastet. Als die Plauenerin die Polizistin im Gerichtssaal wiedertraf, lief sie rot an und sagte: "Mein Verhalten war total daneben. Es tut mir sehr leid." Die Strafe hätte höher ausfallen können, hätte der Richter ihr keine Bewusstseinstrübung anerkannt. Sie hatte 1,7 Promille Alkohol im Blut bei ihrer Beißattacke.

Nur ein Teil der Angriffe auf Vollstreckungsbeamte enden in einem rechtskräftigen Urteil. Von den 117 Verfahren aus diesem Jahr sind 13 abgeschlossen, so Staatsanwältin Antje Dietsch. Bei einigen läuft die Berufung, weil Staatsanwalt oder Angeklagter die Urteile nicht akzeptieren wollten. Manche wurden eingestellt - wegen fehlender Beweise, wegen Geringfügigkeit oder weil der Beschuldigte untergetaucht ist.

Zehn Monate Haft auf Bewährung bekam der 32-Jährige, der einem Polizisten die Dienstwaffe klauen wollte. An einem Samstagmorgen im Mai riefen seine Nachbarn im Revier an und sagten, er schreie im Haus herum. Als die Streife klingelte, hielt er einen Knüppel in der Hand und schlug den Beamten die Tür vor der Nase zu. Später öffnete die Mutter und es kam zu einer Rangelei zwischen ihrem Sohn und den Beamten, wobei der Knüppel zerbrach. "Er hat an meine Waffe gegriffen", sagte einer der Polizisten vor Gericht. Sein Kollege fordert Schmerzensgeld, denn ein Tritt des arbeitslosen Kochs habe ihn am Knie erwischt. Am Ende waren vier Polizisten im Einsatz und brachten den Mann in die Psychiatrie, wo er abends wieder entlassen wurde. "Ich hab doch nur auf die Pistole geguckt", sagte er nach seinem Prozess und wirkte wie ein kleiner Junge, der etwas verbockt hat. Seit fünf Jahren kassiert er Strafanzeigen: Diebstahl, Drogenbesitz, Körperverletzung, Schwarzfahren. "Mir geht's nicht so gut", sagte er.

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