Borkenkäfer-Alarm in Vogtland-Wäldern

Der Kreis hat 400.000 Euro für ein Monitoring eingeplant. Damit wird neuer Befall der Fichten festgestellt. Entscheidend ist aber: Alle Waldbesitzer müssen rasch handeln.

Plauen.

Diese Bilder gehen nicht mehr aus dem Kopf. Als im Herbst 2018 der Wettlauf gegen den Borkenkäfer für einen Fichtenwald an der Autobahnanschlussstelle Plauen-Ost verloren war, entstand nach dem Abholzen eine surreal wirkende Lichtung. Dünne Laubbäumchen ohne Halt und ohne die Stabilität eines Waldes geraten dort seither schon bei leichtem Wind schwer in Schieflage. Nach einem extrem trockenen Sommer 2018 und einem erneut extrem trockenen Frühjahr 2019 geht der Kampf in den geschwächten Fichtenwäldern nun in die nächste Runde.

Die Borkenkäfer sind bereits wieder ausgeschwärmt, warnt Ines Bimberg vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Die Schädlinge haben bei geschwächten Fichten und in Wäldern voller Schnee- und Windbruch leichtes Spiel. "Das Zeitfenster ist eng", erklärt sie, "nach sechs bis acht Wochen fliegen die Jungkäfer aus und gründen die zweite Generation." Ein einziger mit Borkenkäfern befallener Baum, der jetzt übersehen wird, kann den Borkenkäferbefall weiterer 20 Bäume auslösen. Dementsprechend groß ist die Verantwortung, die auf den Waldbesitzern lastet. Sie sollten jetzt wöchentlich kontrollieren. "Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, haben wir eine Chance, katastrophale Schäden zu verhindern", beschreibt Ines Bimberg den Ernst der Lage.


Auch der Vogtlandkreis ist hierbei gefordert - und die Kreisbehörde legt sich in bisher noch nicht erlebter Weise ins Zeug. Alle Mitarbeiter, die über forstlichen Sachverstand verfügen, sind zurzeit in den vogtländischen Wäldern im Einsatz, um Schädlingsbefall festzustellen und dann erforderliche Schritte zu veranlassen. Acht Fachleute aus der Forstbehörde und weitere fünf aus anderen Fachgebieten hat das Landratsamt für das sogenannte Borkenkäfer-Monitoring aufgeboten. Das sind 13 Fachleute, die jeweils 500 Hektar Wald im Auge haben und bei Borkenkäfer-Sichtung Alarm geben müssen. Doch um alle 20 "Befallserfassungsgebiete" abzudecken, reicht das nicht. Auch fünf Mitarbeiter aus drei Firmen sind im Auftrag der Forstbehörde des Kreises unterwegs. Allerdings ist durch die angespannte Situation in den deutschen Wäldern Fachpersonal äußerst knapp.

Für das Borkenkäfer-Monitoring sind zunächst fünf Kontrollen in jedem der 500 Hektar großen Befallserfassungsgebiete vorgesehen. Je nach Witterungsverlauf sollen die Kontrollen flexibel stattfinden. Nach dem jetzt eingetretenen Erstbefall wird ein erneutes Ausschwärmen der Borkenkäfer im Zeitraum Juli/August erwartet.

Marion Päßler, Chefin im Amt für Wirtschaft und Bildung des Vogtlandkreises, stellt die Zuständigkeiten klar: "Wir helfen, aber handeln müssen die Waldbesitzer." Zum Glück gebe es bei denen viel Einsicht in die Notwendigkeiten. Falls nötig, werde die Kreisbehörde indes auch zügig Anordnungen erlassen. Das sei binnen zweier Tage möglich und ließe den Waldbesitzern vier Wochen Zeit, um befallenes Holz zu entfernen. Bei allem vorausschauenden Vorgehen bleibe aber auf der einen Seite das Verwaltungshandeln und auf der anderen Seite die Biologie der Borkenkäfer, sagt Kay Oertel, Sachgebietsleiter der Forstbehörde des Kreises. Oertel betont: "Wir tun, was möglich ist." Vieles hänge vom Wetter in diesem Jahr ab.

Den außerplanmäßigen Finanzbedarf für das Monitoring beziffert die Kreisbehörde auf 158.000 Euro. "Die Kalkulation liegt am untersten Level", heißt es in einer Beschlussvorlage für den Kreistag. Bewilligt wurden sogar 400.000 Euro, um angemessen reagieren zu können. Wegen der kurzfristig ausgefallenen April-Sitzung des Kreistages hat Landrat Rolf Keil (CDU) die Mittel per Eilentscheidung freigegeben.

Eine Million Kubikmeter Schadholz liegt in Sachsen umher. Die Holzpreise sind im Keller. Nach Aussagen von Kay Oertel liegen sie unterhalb von 50 Prozent des durchschnittlichen Preisniveaus.

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