Brandserie in Alt-Chrieschwitz: Kameras überführen Angeklagten

Mit Spannung war am dritten Prozesstag die Aussage der Ehefrau des mutmaßlichen Brand- stifters erwartet worden. Doch diese erfolgte anders als gedacht.

Plauen/Zwickau.

Die zweite Brandserie von Alt-Chrieschwitz hat großen Schaden angerichtet, Unruhe gestiftet und Menschen in Gefahr gebracht, vor allem aber hat sie einer Bewohnerin Leid zugefügt. Das machte der dritte Verhandlungstag am gestrigen Mittwoch am Landgericht Zwickau deutlich, an dem zahlreiche Zeugen aussagten. Daneben bot er Raum für Fragen und Spekulationen.

Vor dem Gericht muss sich seit vergangener Woche ein Plauener verantworten, der die Feuer gelegt haben soll. Wegen einer früheren Brandserie in dem Stadtteil war er bereits zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nach seiner Freilassung standen erneut mehrfach Gebäude in Flammen. So auch am 19. Oktober 2018. An jenem Tag drang vormittags Qualm aus dem Dach eines Gebäudes an der Möschwitzer Straße. Eine Nachbarin wählte daraufhin die Notruf-Nummer, klingelte zudem bei dem Ehepaar, das dort wohnte. Der Ehemann frühstückte. Er hatte noch nichts bemerkt. "Seine Frau lag im Pflegebett. Sie musste schnell in den Rollstuhl gesetzt und aus dem Haus gebracht werden", berichtete die Zeugin am Mittwoch im Landgericht.


Es brannte im Anbau. Nur eine Wand trennte ihn vom Wohnhaus des Ehepaars. Bereits am Tag der Deutschen Einheit hatte es genau dort ein Feuer gegeben. Einen Monat später waren es gleich mehrere Brände, immer am gleichen Ort, in unmittelbarer Nähe zu den Wohnräumen. "Meine Frau war schwerstens krank. Sie hat unter diesen Umständen schwer gelitten. Rein - raus, rein - raus. Das war furchtbar", sagte der betroffene Nachbar als Zeuge. Wer hinter der Brandserie steckt - dazu wollte er keine Vermutungen anstellen. Er habe keine Feinde. Auch mit dem Angeklagten habe es nie Streitigkeiten gegeben, gab er zu Protokoll. Er könne das alles nicht verstehen, meinte der 73-Jährige später auf dem Gang.

Der Angeklagte ist sein direkter Nachbar. Von seinem Grundstück aus hat er Zugang zu dem Anbau. Nur Stunden nach dem vierten Feuer in diesem Gebäude wurde der Angeklagte festgenommen. Die Kripo hatte zuvor zwei Kameras installiert und das Gelände observiert. Am 3. November 2018 war auf den Bildern zu sehen, dass ein Mann mehrmals den Anbau betrat. Sein Kollege erkannte ihn beim Sichten, sagte ein Kriminalhauptkommissar - es handelte sich um den jetzigen Angeklagten. Doch diesen beeindruckte das anscheinend nicht. Er las während der Verhandlung in den Unterlagen, hörte aufmerksam zu, sagte nichts, äußerte sich nur leise gegenüber seinem Verteidiger, zeigte so gut wie keine Regung. Auch nicht, als seine Bewährungshelferin ihm gratulierte - am Mittwoch war sein 40. Geburtstag. Der Frau gegenüber hatte er ein paar Wochen nach der Festnahme beteuert, dass er es nicht gewesen sei, der die Feuer gelegt hat. Sie konnte sich auch erinnern, dass er in einem früheren Gespräch seinen Bruder ins Spiel gebracht hatte, der ihm nicht wohlgesonnen sei.

Raum für Spekulationen lieferten am jüngsten Verhandlungstag auch zwei Zeugenaussagen hinter verschlossenen Türen. Die Ehefrau des Angeklagten verzichtete auf ihr Recht, die Aussage zu verweigern, verlangte aber, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Dem folgte das Gericht. Schon vorher, nach der Mittagspause, war die Verhandlung längere Zeit nicht öffentlich. Da sagte eine andere Frau aus, die das Gericht extra abholen ließ, nachdem sie beim ersten Termin unentschuldigt gefehlt hatte. Und als sie nun da war, mussten die Zuschauerbänke geräumt werden - weil es um Themen aus dem Intimbereich ging. Am Montag wird der Prozess fortgesetzt.

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