Breitbandausbau ähnelt Schlüsselloch-Chirurgie

Die Stadtwerke Strom wollen 3200 Haushalten schnelles Internet bieten. Beim Ausbau kommt ein besonderes Verfahren zum Einsatz.

Plauen.

In Plauen lassen die Stadtwerke Strom zurzeit jede Menge Glasfaserkabel unterirdisch verlegen, doch die Zahl der Baugruben hält sich in überschaubaren Grenzen. Möglich macht das die Firma Schmidt Bau aus Jößnitz, die mit aufwendiger, aber sehr effizienter Technik das Spül-Bohr-Verfahren anwendet. Am Dienstag haben beide Partner die Bahnstrecke Plauen-Hof am Stadtwald bei normal laufendem Bahnverkehr unterquert.

"Das ist anspruchsvoll, was die Firma hier auch logistisch zu leisten hat", lobte Stadtwerke Geschäftsführer Peter Kober. Der felsige Boden tue sein Übriges. Normalerweise werden die Kabel rund einen Meter tief verlegt, die Bahnstrecke indes wurde sieben Meter tief unterquert, berichtete Jörg Schmidt.

Seine Firma hat sich mehrere Bohrgeräte angeschafft, das größte kostete allein eine halbe Million Euro. "Das ist Stand der Technik", sagt der Chef der Jößnitzer Baufirma. Seine Leute mit Bauleiter Enrico Köhler arbeiten sich wie Chirurgen mit minimalinvasiven Schlüsselloch-Operationen durch Plauen. 250 Meter und wenn's sein muss noch länger lassen sich die lenkbaren Bohrköpfe unterirdisch zur nächsten Stelle führen, wo sie wieder ans Licht kommen. Durch Fels dauert ein Meter Bohrung fünf Minuten. Nur so sind die insgesamt 130 Kilometer Tiefbau möglich, sagte Peter Kober. Mit Bohrtechnik geht es übrigens auch bis zur Hauswand der Kunden.

Bis 2022 sollen 3200 Haushalte und Gewerbeeinheiten Breitbandkabel erhalten, kündigte der Stadtwerke-Chef an. Unterversorgte Gebiete erhalten schnelles Internet von 50 bis 500 Megabit pro Sekunde. Die vom Vogtlandkreis forcierte Förderung macht's möglich. Und wie lange wird es dauern, bis Plauen damit komplett versorgt sind? Peter Kober schätzt noch zehn Jahre.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.