Bürger fürchten Schweinegestank

Einen Schweinestall in Wohnnähe - das wollen viele Neuensalzer nicht. 200 Unterschriften haben auf das Genehmigungsverfahren vorerst keinen Einfluss. Der Chef des Landwirtschaftsbetriebes stellte sich trotzdem den Fragen der Bürger.

Neuensalz.

So richtig konnte der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz, Udo Weymann, die Bedenken von Anwohnern gegen einen neuen Schweinestall an ihrem Ortsrand am Mittwoch während einer Einwohnerversammlung in der Kapelle nicht ausräumen. Die Einwohner hatten Einspruch erhoben und 200 Unterschriften gesammelt. Bürgermeisterin Carmen Künzel übergab diese dem Landratsamt. Von dort lag auch schon eine Antwort vor. Die Bürgermeisterin las das Papier vor. Darin heißt es, dass Einwände der Bürger nach bestehender Gesetzeslage derzeit keine Berücksichtigung finden könnten. Erst, wenn der Antrag genehmigt sei, könnten Einwände vorgebracht werden.

Die Agrargenossenschaft plant den Neubau für 465 Tiere. Der Stall soll 48 mal 17 Meter groß werden. Die Schweine stehen auf Stroh. Durch die luftige Bauweise erfolge der Luftaustausch auf natürliche Weise. Die Schweine seien einzig für die eigene Direktvermarktung bestimmt, so Weymann.

Carmen Künzel, die sich den Vorwurf von Bürgern anhören musste, nicht ordentlich informiert zu haben, stellte klar, dass es aus gesetzlicher Sicht nicht vorgesehen sei, im Genehmigungsverfahren Bürger zu beteiligen: "Es war mein Wille zu informieren, weil ich wusste, dass beim Thema Schweinstallbau schnell Emotionen hochkochen", sagte sie.

Alle Einwände der Bürger drehten sich um möglichen Gestank, der vom Stall ausgehen könnte: "Wir sind alle dagegen. Ich habe mich informiert. So ein Stall stinkt furchtbar", sagte Gerd Sobottka. So mancher Einwohner kennt Schweinestallgerüche aus früherer Zeit. "Das hat zum Himmel gestunken", erinnerte sich eine Einwohnerin. "Ich kenne die Gerüche und die Fliegen von früher. Ich bin voll dagegen", pflichtete ein andere bei. Dem Landwirtschaftsbetrieb warfen andere Bürger vor, schon jetzt die Luft zu belasten. Seit etwa zwei Jahren stinke die Biogasanlage stundenweise. Eine Neuensalzerin zählte die Beeinträchtigungen auf, unter denen der Ort schon jetzt zu leiden habe: der Lärm der Autobahn, Gerüche und Lärm aus dem Kälberstall, Gestank der Biogasanlage. "Man kann der Bevölkerung nicht noch mehr zumuten", sagte die Frau.

Doch nicht alle Gäste des Abends waren gegen das Vorhaben. Eine frühere Mitarbeiterin des Betriebes, die in Stallnähe wohnt, ist sich sicher: "Es wird mit dem neuen Schweinestall nicht mehr und nicht weniger stinken, als bisher. Wer hier gebaut hat, wusste, dass es Ställe gibt." Gunter Hommel, ehemaliger Vorsitzender der Genossenschaft, versicherte: "Niemand will den Neuensalzern die Luft verpesten."

Ein junger Mann stand auf und erklärte: "Ich gehöre nicht zu denen, die unterschrieben haben. Ich wohne seit 30 Jahren auf dem Dorf. Stallgeruch ist mir lieber als andere Belästigungen. Ich kaufe in der Direktvermarktung des Betriebes ein, weil ich weiß, dass das Fleisch von unserem Dorf ist. Wenn man sich in Deutschland einer Sache sicher sein kann, die funktioniert, dann sind es erteilte Auflagen."

Weymann versicherte, dass der geplante Stall neuesten Anforderungen an das Tierwohl, ja sogar Anforderungen an die Bio-Haltung entsprechen werde. Der Stall mit Stroheinstreu mindere Gerüche gegenüber der Haltung auf Spaltenböden um 60 Prozent. Zudem wolle man am äußersten Ende des Grundstückes bauen. Auf einen Auslauf für die Tiere verzichte man zugunsten geringerer Geruchsbelästigung, erklärte Weymann. Er wies darauf hin, dass die Landwirtschaft nur in Außenbereichen bauen dürfe - das sei nun einmal auf dem Land. Die Geruchsemissionen überprüfen unabhängige Gutachter. Letztlich seien Gerüche immer eine emotionale Angelegenheit, da die Grenze, an der sich der Einzelne gestört fühle, sehr unterschiedlich ausfalle, so Weymann.

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