Dank Tarifbindung: Busfahrer kehren ins Vogtland zurück

Positive Nebenwirkungen: Das "Vogtlandnetz 2019+" löst vor dem Startschuss am 13. Oktober einen Bewerberansturm aus.

Plauen.

Der Countdown für den neu aufgestellten Busverkehr im Vogtland läuft. Das "Vogtlandnetz 2019+" geht mit einem komplett erneuerten Angebot am 13. Oktober an den Start und bringt schon jetzt erste wichtige Erkenntnisse. Alles soll übersichtlicher, umfangreicher, moderner und kundenorientierter werden. Der öffentliche Startschuss mit den Nahverkehrs-Beteiligten wurde am Mittwoch am Sitz des Plauener Omnibusbetriebes (POB) vollzogen. Der POB spielt nach dem Sieg bei der europaweiten Ausschreibung der Nahverkehrsleistungen künftig die zentrale Rolle im Busverkehr der Region.

Trotz des allerorten beklagten Fachkräftemangels gingen beim POB sage und schreibe rund 100 Bewerbungen für die ausgeschriebenen Busfahrer-Jobs ein. Geschäftsführer Thomas Schwui hatte einen Marathon von 80 Bewerbungsgesprächen zu absolvieren und zog zufrieden Zwischenbilanz. "Wir haben erfahrene Busfahrer aus anderen Bundesländern gewonnen", berichtete der POB-Chef. Mancher kehre aus anderen Bundesländern in die alte Heimat zurück - und dabei spielte die Tarifzahlung eine entscheidende Rolle. Die anständige Entlohnung habe beim "Schritt nach Hause" eine erhebliche Sogwirkung entfaltet.

"20 Interessenten fangen als Quereinsteiger an", berichtete Thomas Schwui. Sie wurden von den Fahrschulen Albert in Oelsnitz, Scheibner in Plauen und der Verkehrsakademie Plauen zügig fit gemacht, um pünktlich starten zu können. Weitere 15 Bewerber mit Busfahrer-Erfahrungen kehren aus artfremden Berufen wieder zurück ans Lenkrad. Schließlich wechseln 30 Mitarbeiter per Überleitungsvertrag von der Göltzschtal-Verkehr GmbH Rodewisch zum POB.

Noch vor wenigen Jahren hatte der Vogtlandkreis mit seiner Niedriglohn-Werbung versucht, im Wettbewerb der Regionen zu punkten. Diese Position wurde inzwischen als Irrweg erkannt und korrigiert. Ganz bewusst wurde die Ausschreibung dementsprechend zugeschnitten: Mit Tarifbindung für die Mitarbeiter und zehn Jahre Laufzeit, um den beteiligten Unternehmen Planungssicherheit zu bieten, wie Landrat Rolf Keil (CDU) betonte.

Nicht nur personell, auch technisch rüstet der Nahverkehr auf. 50 neue Bushaltestellen sind entstanden. 8,1 Millionen Euro netto fließen in die bedarfsgerecht abgestuften Plusbusse für die übergreifenden Verbindungen, Stadtbusse sowie Rufbusse, sagte der POB-Chef. Die Ausschreibung erbrachte indes nur ein gültiges Angebot von der Daimler-Tochter Setra. Dort wurden 40 neue Fahrzeuge geordert, von denen ein Teil auch an die vom POB eingebundenen Vertragspartner geht. Allein die Bus-Überführung war ein Kraftakt und eine Story für sich, deutete der POB-Geschäftsführer an.

Beim Ortstermin herrschte geradezu eine etwas euphorische Stimmung. Da vieles bisher gut lief, gab es auch viel Lob - insbesondere für Thomas Schwui. "Ich finde kein Haar in der Suppe", meinte Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP). Plauens Straßenbahn-Chefin Barbara Zeuner sieht für die Fahrgäste im Vogtland "ein kundenorientiertes abgestimmtes Angebot", hinter dem eine starke verkehrsplanerische Leistung stehe. Und bei Bedarf seien Nachbesserungen möglich. Hoffnung für ein länderübergreifendes Angebot Plauen-Hof bestehe indes nicht. Landrat Rolf Keil: "Das finanzieren die Hofer nicht mit."

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    0
    Zeitungss
    06.10.2019

    Hätte nicht gedacht, dass die Tariflosigkeit im Vogtland gar nicht vorhanden war und ist, wenn man die Reaktion auf den FP-Beitrag so verfolgt. Nun gut, mich hat es nie betroffen, war nur ein Denkanstoß.

  • 1
    0
    Zeitungss
    05.10.2019

    @Werte...: Vogtland und Tarif ist wie Feuer und Wasser. Möglicherweise erkennen sie einige Befürworter dieses Zustandes auf dem Bild wieder. Diese Aktion ist nur der Not zu verdanken. Erinnern Sie sich noch an die Werbung an der A72 ?

  • 1
    1
    Werterreu53
    05.10.2019

    M. E. eine überaus erfolgreiche Aktion für das sächsische Vogtland! Vielen Dank allen aktiv Beteiligten!



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