"Das Geschenk der Freiheit würdigen"

Herbst '89 Mit einem Festakt in der Hofer Freiheitshalle hat der Freistaat Bayern an die Ankunft der Flüchtlingszüge und die Grenzöffnung erinnert.

Hof/Plauen.

Die Jungen geben Anlass zu Hoffnung: "Wir müssen zum Glück nicht mehr in Ossi und Wessi denken." Mit diesen Worten reagierten Schüler des Lessing- und des Diesterweg-Gymnasiums Plauen sowie der Berufsoberschule Hof am Dienstagabend in der Hofer Freiheitshalle auf eine Frage von Moderatorin Kerstin Grundmann. Den jungen Menschen ging es vielmehr um den Freiheitsgedanken und darum, die jüngste deutsche Geschichte der Region zu verstehen.

Nach Begrüßung durch Landtagspräsidentin Ilse Aigner und den Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner (beide CSU) hatte Grundmann Zeitzeugen interviewt. Unter ihnen war auch der frühere Plauener Stadtrat Hansgünter Fleischer (CDU). Er erinnerte an die Herzlichkeit, die Plauenern damals in der Partnerstadt Hof entgegen gebracht wurde. Auch für den Alt-Oberbürgermeister Rolf Magerkord (CDU) ist die Städtepartnerschaft etwas Besonderes. Der 84-Jährige zählte zu den Ehrengästen. Fichtner begrüßte das erste frei gewählte Stadtoberhaupt Plauens sehr herzlich. Magerkord genoss es sichtlich, viele alte Bekannte zu treffen: "Ich gehe nicht mehr so oft zu solchen Veranstaltungen. Aber heute bin ich da."

350 Helferinnen und Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes hatten am 1. Oktober 1989 tausende DDR-Flüchtlinge versorgt, die nach Wochen der Besetzung der Prager Botschaft in Zügen über Territorium der DDR in Hof ankamen.

Plauener erinnern sich an den abgesperrten oberen Bahnhof und die zum Teil durch Polizei und Kampfgruppe abgesicherte Strecke. Am letzten Halt auf dem Territorium der DDR war die Anspannung der Flüchtlinge im Zug noch einmal besonders groß gewesen, erinnerte sich Markus Rindt. Der heutige Intendant der Dresdner Sinfoniker reiste damals mit seiner Freundin aus: "Ich bin mit dem Gefühl eingestiegen: Jetzt reisen wir in die Freiheit. In Hof dann war es unglaublich", so Rindt.

Werner Mergner, ehemaliger Redaktionsdirektor der Frankenpost, betonte, dass für ihn nicht Leipzig oder Berlin die Heldenstädte der DDR seien, sondern Plauen. Immer wieder gern erzähle er die Geschichte der Plauenerin Rentnerin Annaliese Saupe, die erste Fotos und Berichte der Massendemonstration vom 7. Oktober 1989 in Plauen nach Hof zur Frankenpost geschmuggelt hatte. Nur DDR-Rentner durften damals ohne größere Hindernisse zwischen Ost und West reisen.

Barbara Stamm (CSU), ehemalige Präsidentin des bayerischen Landtages, mahnte: "Wir sollten viel mehr über unsere Gemeinsamkeiten in Deutschland reden und das Geschenk der Freiheit würdigen." Auch Amtsnachfolgerin Ilse Aigner hatte sich dem Thema gewidmet: "Freiheitshalle - da ist der Name schon Programm", sagte sie und rief auf, das Werk der Helfer aus Hof fortzuführen. Zwar sei die Mauer weg, wohl aber Gräben noch da: "Alle, die meinen, Grenzen wieder aufbauen zu müssen, versündigen sich an unserer Zukunft", mahnte Oberbürgermeister Fichtner. Er erinnerte an die Euphorie der Grenzöffnung, aber auch an folgende wirtschaftliche Verwerfungen - sowohl in Folge des Zusammenbruchs der DDR-Wirtschaft als auch des Umzugs großer Firmen, die sich im Vogtland angesiedelt hätten. Fichtner rief dazu auf, die Gesellschaft weiter zusammenzuführen.

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