Das Goldene Buch der Stadt: Was Plauener dazu wissen wollen

"Freie Presse" beantwortet die wichtigsten Fragen - Rund 200 Einträge gibt es bereits - Noch viele leere Seiten

Besucht eine berühmte Person die Stadt, dann folgt oftmals auch ein Eintrag in das Goldene Buch von Plauen. Aber wer entscheidet eigentlich darüber, wer dafür in Frage kommt? Steht immer nur die Unterschrift da? Was haben Politiker, Künstler und andere bekannte Zeitgenossen sonst noch hineingeschrieben? Fragen über Fragen. Um die Antworten hat sich Peter Albrecht gekümmert.

Ist das Buch wirklich golden?

Nein, aber die Ränder der Seiten sind mit Blattgold versehen. Der Umschlag besteht aus echtem Leder und ist im Jugendstil verziert. Zwei Türkise sind in die Eckverzierungen des schweren Deckels eingefasst.

Wie alt ist es, wer hat es angefertigt, und wo wird es verwahrt?

Das Buch wurde 1905 hergestellt. Geschaffen hat es der königliche Hofbuchbindermeister Richard Oesterreich in Dresden nach den Entwürfen des Plauener Kunstschullehrers Richard Schauer. Verwahrt wird es heute in einem Tresor im Stadtarchiv.

Wer entscheidet über einen Eintrag?

Der Oberbürgermeister der Stadt Plauen entscheidet über einen Eintrag. Das steht in der Satzung über die Ehrung verdienter Persönlichkeiten (Ehrungssatzung). In dieser Satzung sind auch Stadtplakette und Ehrenbürgerrecht geregelt.

Was war der erste Eintrag, was ist der bisher letzte Eintrag?

Der erste Eintrag stammt vom sächsischen König Friedrich August III., der am 24. August 1905 zur Einweihung der Friedrich-August-Brücke (Friedensbrücke) in der Stadt weilte. Am selben Tag haben sich Staatsminister von Metzsch-Reichenbach, Kreishauptmann Fraustadt und die früheren Oberbürgermeister Kuntze sowie Bürgermeister Wagner und Schurig eingeschrieben. Der bisher letzte Namenszug ist der von Künstler Wolf Erlbruch, der anlässlich der Verleihung des e.o.plauen-Preises im September 2014 in der Stadt war.

Wie viele Namenszüge sind bereits enthalten?

Genau nachgezählt wurde nicht. Aber es sind mehr als 200 Einträge enthalten.

Was ist mit den Seiten aus der Nazizeit passiert?

Die Seiten aus der Nazizeit sind am 1. Mai 1946 mit einem Einband verschlossen, die Einträge vorher mit einem dünnen Strich diagonal über das Blatt symbolisch ausgestrichen worden. Sie sind aber gut lesbar. Als Grund wurde "tiefste Scham über die Zeit der zwölf Jahre Schande Deutschlands und der Stadt Plauen" angegeben. Auf Veranlassung von Oberbürgermeister Rolf Magerkord (CDU) wurde der Einband 1989 wieder entfernt und die Seiten sind wieder freigegeben worden.

Steht Adolf Hitler wirklich nicht drin, oder wurde die Seite vielleicht herausgerissen?

Nein, Adolf Hitler hat sich nicht eingetragen. Es sei auch keine Seite aus dem Buch herausgerissen worden, versichert Doris Meijler, die Leiterin des Stadtarchivs. Spuren eines herausgerissenen Blattes sind an dem Buch auch nicht zu erkennen. Mit Rudolf Heß ist jedoch der Namenszug eines verurteilten Kriegsverbrechers enthalten. Heß schrieb sich am 22. März 1936 ein. Auch Reichsstatthalter Martin Mutschmann und andere Nazis stehen drin.

Was hat Erich Honecker vor 50 Jahren hineingeschrieben?

SED-ZK-Mitglied Erich Honecker ist samt Delegation im Januar 1967 anlässlich einer Kreisdelegiertenkonferenz der SED in Plauen gewesen. Er hat über seinem Namenszug einen kleinen Text geschrieben, in dem er der Bevölkerung der Stadt Plauen große Erfolge wünscht "in der Periode des umfassenden Aufbaus des Sozialismus".

Welche Zitate haben Johannes R. Becher und Otto Grotewohl hinterlassen?

Schriftsteller Johannes R. Becher war am 18. Oktober 1946 als Präsident des Kulturbundes in Plauen. Unter dem Titel "Kulturbund" schrieb er: "Was ist des Deutschen Vaterland? Wo Deutschland liegt? Leg auf dein Herz die Hand!" Otto Grotewohl zitierte am 1. August 1947 den Dichter Heinrich Heine: "Denk ich an Deutschland in der Nacht ..."

Wie viel Platz ist noch im Buch?

Weil die Seiten des Buches nicht durchgehend nummeriert sind, ist die Anzahl der Blätter nicht genau bekannt. Es sind aber schätzungsweise 500 Seiten. Etwa die Hälfte davon ist mittlerweile beschrieben. Wenn die mehr als 200 Seiten bis jetzt also bereits 112 Jahre ausgereicht haben, dann können sich durchaus auch noch Berühmtheiten des 22. Jahrhunderts eintragen.

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