"Das nächste Ereignis wird kommen"

Der regionale Chef der Landestalsperrenverwaltung verteidigt die Steuerung an der Pirk: "Weischlitz können wir nicht retten"

Gefahr an der Weißen Elster: Gerd Zobel klärt im Gespräch mit Nicole Jähn Fragen zum Thema Hochwasserschutz im Vogtland.

Freie Presse: Vorigen Monat sprachen wir erst über Hochwasserschutz und dass Sie neue Simulationen für Gefahrenkarten planen. Hätten Sie so schnell mit dem Ernstfall gerechnet?


Gerd Zobel: Wir rechnen immer mit Hochwasserereignissen. Es gibt auch bereits die entsprechenden Gefahrenkarten, die liegen Plauen und dem Vogtlandkreis vor. Wir planen nur eine Aktualisierung.

Wann wurde Ihnen bewusst: Das wird böse.

Als Donnerstag die ersten Warnungen vom Deutschen Wetterdienst kamen. Da änderten wir schon unsere Steuerung für die Pirk.

Warum gaben Sie das nicht weiter? Die Bevölkerung reagierte durchaus überrascht.

Das ist nicht unsere Aufgabe. Die Bevölkerung wurde durch das Landeshochwasserzentrum gewarnt.

Das letzte Großereignis liegt nur fünf Jahre zurück. Sollte nicht mehr für den Hochwasserschutz im Vogtland getan werden?

Es gibt keinen 100-prozentigen Hochwasserschutz. Die in Oelsnitz umgesetzten Maßnahmen haben gegriffen, es hat dort wunderbar funktioniert. Plauen ist mit einem blauen Auge davongekommen - auch durch unsere Steuerung. Am Pegel Straßberg wurde die Alarmstufe 4 nicht erreicht.

Aber was ist mit Adorf?

In Adorf wurde nach der Wende in die Flussaue reingebaut. Was soll ich dazu sagen? Das nächste Ereignis wird kommen.

Auch in Weischlitz sieht es so schlimm aus wie 2013.

Für Weischlitz ist von der Pirk aus nichts zu machen. Weischlitz können wir nicht retten.

Warum? Es sammeln sich Kritik und Fragen, was die Pirk betrifft.

Wir werden das gern alles erklären: Das Einzugsgebiet ist für das Volumen der Pirk einfach zu groß.

Sind vor diesem Hintergrund die Tage für das Naherholungsgebiet gezählt? Müsste die Pirk nicht als Hochwasserreservoir fast trocken liegen?

Erstens würde das nicht funktionieren und zweitens keine Auswirkungen haben. Der Ausbaugrad der Pirk ist einfach zu gering für das große Einzugsgebiet bis nach Bad Brambach hinauf. Gestern flossen 145 Kubikmeter pro Sekunde über den Zufluss ein, normal sind etwa 5. Das kann man mit der Pirk nicht lange bis zum Überlauf zurückhalten.

Mit dem Abriss der Halbmond-Brache entsteht wieder Platz in der Elsteraue. Es sind aber neue Gewerbeeinheiten geplant. Was halten Sie davon?

Überflutungsflächen bringen bei einer Größe von nur 5000 Quadratmetern wenig. Aber man muss sich die Sache schon noch einmal angucken.

Alle Beiträge zum Unwetter im Vogtland in unserem Special

 

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Tauchsieder
    26.05.2018

    Recht hat er, wer in die Elsteraue investiert ist selber Schuld. 5000 m³ ist nicht viel für eine Überflutungsfläche, aber der Schaden wird bei einem zukünftigen Hochwasser enorm sein, wenn sich dort Gewerbe ansiedelt. Versicherungen - Pustekuchen! Schäden würden dann wieder vergesellschaftet werden und dies ist dem Steuerzahler nicht mehr zu zumuten. Bei einer Baugenehmigung müssen doch alle Belange berücksichtigt werden. Ob Naturschutz, Emissionsschutz usw. und vor allem die UWB müssen ihr Einverständnis geben. Sitzen dort nur Amateure?
    Vielleicht sollte man den Herrschaften an ihre Bürotür folgendes Schild hängen: - Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser -!



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