Debatte nach tödlichem Unfall: Muss Kreuzung sicherer werden?

Der Abzweig nach Taltitz auf der B 92/Oelsnitzer Umgehungsstraße steht seit dem schlimmen Unfall vorige Woche Donnerstag im Fokus der Behörden. Braucht es hier eine Veränderung?

Weischlitz.

Für manche war es "nur eine Frage der Zeit", andere sprechen von "Abbiegen als Russisches Roulette": Der tödliche Unfall vorige Woche Donnerstag an der Einmündung der Staatsstraße 311 auf die Bundesstraße 92 hat nicht nur in den sozialen Netzwerken zu einer Diskussion um die Sicherheit der Kreuzung geführt. Viele Autofahrer aus dem oberen Vogtland kennen den Bereich aus eigener Erfahrung. Und mancher, der dort hin und wieder unterwegs ist, weiß um ein mulmiges Gefühl.

Das Problem: Wer dort ab- oder einbiegt, muss ordentlich aufs Gaspedal drücken, um nicht mit dem fließenden Verkehr in Konflikt zu geraten. Der Oelsnitzer Oberbürgermeister Mario Horn (CDU) hat deshalb volles Verständnis für eine Debatte um mehr Sicherheit an dieser Stelle. Festlegen will er sich bislang aber nicht. "Ob verkehrsrechtliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, wird derzeit in Zusammenarbeit mit der Polizei und den beteiligten Behörden noch untersucht", erklärt er. Mögliche Veränderungen fallen in den Verantwortungsbereich der Stadt Oelsnitz. Als Große Kreisstadt ist sie verkehrsrechtlich zuständig.

Allerdings orientiert sich die Stadt freilich auch an der Einschätzung der Polizei. Und die stuft den Bereich aktuell nicht als sogenannte Unfallhäufungsstelle, auch Unfallschwerpunkt genannt, ein. Zwar weist die Statistik in den vergangenen dreieinhalb Jahren 20 Unfälle an der Stelle aus - 2015: 7, 2016: 6 2017: 3, 2018: bislang 4. "Dabei untergliedern sich diese Unfälle wieder in verschiedene Unfalltypen beziehungsweise -umstände, sodass die Messlatte für das Vorliegen einer Unfallhäufungsstelle in keinem Fall gerissen wurde", sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak. Dafür bräuchte es "gleichartige Unfälle". Es sei eben nicht so, erklärt Wurdak, dass beispielsweise überhöhte Geschwindigkeit der Hauptgrund für die Unfälle sei. In diesem Fall läge die Lösung mit einer Begrenzung des Tempos auf der Hand.

Was genau die Gründe für den Unfall vorigen Donnerstag sind, werde derzeit ermittelt. Ein Fahrzeug wollte in Richtung Taltitz abbiegen und stieß dabei mit einem Fahrzeug im Gegenverkehr zusammen. Vom Grundsatz her ein Vorfahrtsfehler. Ob auch die Geschwindigkeit des auf der Bundesstraße entgegenkommenden Fahrzeugs eine Rolle gespielt hat, klärt ein Unfallgutachter. "Wir sind dabei noch ganz am Anfang", sagt Wurdak. Die Polizei suche weiterhin Zeugen.


Kommentar: Temporunter!

Die Kreuzung ist gefährlich: 20 Unfälle in dreieinhalb Jahren sprechen eine eindeutige Sprache. Da spielt es keine Rolle, dass der Abzweig im behördlichen Verständnis nicht als Unfallschwerpunkt gilt. Die Verantwortlichen sollten nicht abwarten, bis dieser Status nach Definition erreicht ist und vielleicht erneut Menschen zu Schaden kommen. Wer die Straße kennt, der weiß, was ein Problem ist: Es wird zu schnell gefahren. Die abschüssige und gerade Strecke der noch relativ neuen Straße lässt die Tachonadel leicht auch über die erlaubten 100 rutschen. Als Einbieger aus Richtung Taltitz hat man ruckzuck ein Auto im Rücken, das Sekunden vorher noch gar nicht in Sicht war. Eine Begrenzung auf Tempo 70 oder 80 wäre deshalb ein richtiger Schritt für mehr Sicherheit.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...