Der Soldat, der einen Tumult auslöste

Eine Meldung und die Geschichte dahinter: Letzten Sommer schlichtete die Polizei einen Tumult im Zentrum. Zwei Gruppen hatten Streit, ein Deutscher und ein Syrer wurden verletzt. Die Nacht lief anders, als es klingt.

Plauen.

Da saß er nun. Der junge Zeitsoldat, den die Bundeswehr rausgeworfen hat. Kerzengerade saß er auf dem Polsterstuhl im Amtsgericht Plauen. Neben ihm sein Rechtsanwalt, und hinten auf den Zuschauerplätzen die Großeltern. Der 21-Jährige war angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Er wollte in dieser Nacht damals eine Freundin haben, sagt er. Das war im August vergangenen Jahres. Er ging zur Abi-Veranstaltung ins Malzhaus. Sah ein Mädchen tanzen, das ihm gefiel, ging zu ihr, tanzte dicht neben ihr. "Sie wollte mir ihre Nummer geben". Ihr Freund kam, rief "Hurensohn". Da schlug der Soldat ihm seine Faust ins Gesicht, sodass die Nase brach. Der Freund ging zur Toilette, um das Blut abzuwaschen, das aus seiner Nase lief. An der Treppe vor der Toilette trafen sich die beiden wieder. Der Freund sagt, er habe wieder Schläge abgefangen. Sein Kumpel, ein Syrer, habe ihn verteidigt. Er schubste den Zeitsoldaten weg, die Treppe hinunter.


An dieser Stelle brach das Chaos aus. Man habe ihn mit Flaschen beworfen, erzählt der Soldat. Der Richter: "Haben Sie von einer Massenschlägerei etwas mitbekommen?" Da sei er nicht mehr dort gewesen, sagt der 21-Jährige.

Die Polizei meldete einen Tag nach dieser Nacht einen größeren Einsatz in der Plauener Innenstadt. Ein Mann habe einer Frau Avancen gezeigt, die diese nicht erwiderte. Am Ende hätten sich zwei Gruppen aus etwa 20 Leuten gegenübergestanden, bei dem ein Deutscher und ein Syrer verletzt wurden.

Die Meldung ließ Ausländerhass aufploppen. Die Internet-Diskussionsgemeinden spekulierten. Der Vorfall sei der Flüchtlingspolitik geschuldet, so die These. Vielleicht waren es diese Worte, die ein Kopfkino in Gang setzen: Syrer, Konflikt, zwei Gruppen, Frau. Der Mann, dem der Soldat die Nase kaputt schlug, hat vor Gericht versucht, einen Teil der Geschichte glattzubügeln. Er habe den 21-Jährigen irgendwie auch provoziert, sagt er. Seine Nase musste operiert werden.

Der Soldat muss 250 Euro für einen gemeinnützigen Zweck zahlen. Im Gegenzug stellt das Gericht das Strafverfahren wegen Geringfügigkeit ein und er bekommt keine Vorstrafe. Davon kann seine Zukunft abhängen. Denn die Bundeswehr hatte ihn bereits wegen einer anderen Sache entlassen, bei der es um ein Mädchen gegangen sein soll. Der junge Mann ist seitdem arbeitslos und jobbt nebenbei. Er möchte wieder zur Armee. Fallschirmjäger war er gewesen. Weil er jemandem die Nase gebrochen hatte, sei ihm die Rückkehr verwehrt geblieben.

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2Kommentare
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  • 3
    0
    Hankman
    15.06.2019

    Danke für den Artikel. Manchmal sind die Dinge eben ganz anders, als sie scheinen. Jetzt sollten eigentlich all die Wutbürger, die damals wutschäumende Kommentare im Internet abgelaicht haben, ein "Mea Culpa" posten: "Sorry, ich habe mich geirrt." Aber kann man von dieser Klientel Anstand erwarten?

  • 12
    0
    CPärchen
    14.06.2019

    @FP: Danke, dass Sie nicht nur die Vorfälle schildern, sondern auch, wie das Ganze am Ende ausging. Gerne öfters!



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