Die ganze Erde zu Gast in der Plauener Walkmühle

Hunderte Vogtländer schlenderten gestern am Tag des offenen Denkmals von Station zu Station. Es wurde aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorn geblickt.

Bea Pischulti aus dem Mainthal, Rolf Kretzschmar aus Plauen, Ralf Hermann, Chef des Deutschen Sandmuseums im niedersächsischen Cramme, und Manfred Lohneisen aus Hof (von links) waren dabei: 22 Sand-Sammler trafen sich gestern in Plauen in der Neuen Walkmühle.

Von Peter Albrecht

Die Walkmühle am Mühlgraben kann von sich sagen, am Sonntag die ganze Erde zu Besuch gehabt zu haben. Denn eine kleine Probe Sand hatten die in dem Haus versammelten 22 Sand-Sammler von fast jedem Kontinent dabei. "Australien", "Italien", "Dominikanische Republik", stand auf den kleinen Tütchen mit den in verschiedenen Farben schimmernden Körnern. Die 19 Sand-Experten waren aus Holland, Tschechien und allen Teilen Deutschlands angereist. "Der weiteste hat 800 Kilometer hinter sich", zeigte sich der Plauener Gastgeber Rolf Kretzschmar stolz.

In der Walkmühle herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. In manchem Sand konnte man Kleinlebewesen betrachten. "Da steht ein Mikroskop bereit", zeigte Rolf Kretzschmar auf einen Tisch auf der Veranda. Der Plauener erklärte vieles. So war zu hören, dass Sand aus Florida und solcher von der Ostsee ähnlich aussehen, und dass die begehrtesten Sande jene sind, in denen man Edelsteine findet.

Einen Edelstein hat auch Kerstin Rüffer vom Unikatverein mit Andrej Spet unter ihren Mitarbeitern in den Weberhäusern gefunden: "Der kann alles", zeigte sich die Vereinschefin von dessen Fähigkeiten begeistert. Gestern zeigte er den Besuchern, wie gedrechselt wird. "Das habe ich schon in der 6. Klasse gelernt", berichtete der gebürtige Russe von seiner Kindheit bei Nowosibirsk. "In der 10. Klasse hatte ich schon den Traktorschein", erzählte er.

Was der Unikatverein indes jetzt noch dringend gebrauchen könnte, ist eine Tiefbaufirma. "Wir müssen die Versorgungsleitungen zur Bleichstraße hin verlegen", gewährte Kerstin Rüffer einen Einblick in das Bauvorhaben Handwerkerhäuser neben dem Weisbachschen Garten. Aber es sei schwierig, ein Unternehmen aufzutreiben. Viele Betriebe sind ausgelastet.

In der künftigen Kindergalerie, wo die Jüngsten ihre selbst gefertigten Kunstwerke ausstellen sollen, muss eine neue Stahltreppe eingesetzt werden. Die vorhandene Holztruppe wurde beanstandet. Doch trotz aller Probleme: Zum Weihnachtsmarkt Ende des Jahres sollen Drechslerwerkstatt und Kindergalerie fertig sein.

Im Konventsgebäude am Komturhof ist man indes schon fertig - und zwar mit dem Anbringen von drei neuen Lampen. "Die haben wir heute eingeweiht", freute sich Renate Wünsche vom Komturhofverein. Außen am Gebäude sorgen jetzt zwei Leuchten für die nötige Helligkeit. Am Bogenschießen, das draußen auf der Wiese im Komturhof veranstaltet wurde, nahm auch Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) teil. Er hatte sichtlich Spaß dabei, konnte Pfeil und Bogen kaum aus der Hand legen und traf ins Schwarze.

Ganz so viel Andrang, wie man es aus den Anfängen des Luftschutzmuseums an der Syrastraße gewohnt ist, herrschte am Denkmaltag indes gestern nicht. "So um die 300 Besucher werden es", schätzte Bergknappen-Chef Gert Müller ein. Knapp 1000 Interessierte waren es nach der Eröffnung der Anlage mehrmals gewesen. Aber: "Jetzt, während der Bauarbeiten am Schlosshang, kommen mehr Gäste zu uns als vorher", versicherte er. Die Neugier ist also nach wie vor groß.

Zahlreiche Vogtländer, aber auch Gäste schlenderten zu den Denkmalen. Stadtführerin Andrea Sachs war mit einer Frauengruppe der Soroptimisten unterwegs. "Die Damen kommen aus der Partnerstadt Siegen", berichtete sie. An insgesamt 14 Stationen gab es für sie und die anderen Besucher jede Menge zu entdecken und zu erfahren.

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