Die Lebenshilfe und ihre Standbeine

Menschen mit Behinderung sieht man bei dem gemeinnützigen Verein als gleichberechtigte Partner. Warum Berührung und Gespräche wichtig sind.

Plauen.

Dietrich Kazmierzak liest gerade ein Buch. "Homo hapticus" heißt es und erläutert, weshalb der Mensch ohne Tastsinn nicht leben kann. Kazmierzak weiß, dass Berührung unterschätzt wird. Das ist einer der Gründe dafür, dass der Geschäftsführer des Plauener Lebenshilfevereins seinen Mitarbeitern die Hand zur Begrüßung reicht, ihnen auf die Schulter klopft oder sie, wenn's nötig ist, umarmt und sie tröstet.

Seine 350 Mitarbeiter kennt er beim Namen. Der Mann weiß, was er tut. Kurz vorher noch Berater im Sozialministerium im kubanischen Havanna, war er 1991 Mitbegründer der Lebenshilfe, deren Gesicht er, heute schon längst im Rentenalter, noch immer ist. Frühförderzentren in Plauen und Auerbach sind seither entstanden, ebenso ein Verbund aus Wohnheim, Betreutem Wohnen und Außenwohngruppen. Außerdem gibt es Werkstätten, teils für schwerstbehinderte Menschen, und ein Integratives Bildungswerk. Seit Beginn an arbeitet die Lebenshilfe mit der Aktion Mensch zusammen.

Genauso wichtig wie Berührung ist nach Meinung von Kazmierzak auch Kommunikation. "Auch körperlich, seelisch oder geistig Behinderte wollen ernst genommen werden und brauchen den verbalen Austausch", sagt er. Besonders gut gelinge das oftmals, wenn die Mitarbeiter der Lebenshilfe geschützte Räume verlassen, wenn sie zum Beispiel an sogenannten Außenarbeitsplätzen tätig sind. Immerhin, es gibt das Bundesteilhabegesetz. In "ganz normalen Betrieben" könnten sie zeigen, wie zuverlässig sie sind, wie pünktlich und kreativ. "Die Betriebe arbeiten gern mit uns zusammen", so Kazmierzak.

Als Beispiel nennt der promovierte Pädagoge das Vogtlandmuseum. Dort steht ein Mitarbeiter vor der Festanstellung. Möglich ist das über das Budget für Arbeit des Kommunalen Sächsischen Sozialverbandes. 75 Prozent des Lohns werden übernommen.


"Wir planen einen Wohnpark an der Elsteraue"

Welche neuen Projekte gibt es bei der Plauener Lebenshilfe? Sabine Schott blickt mit Geschäftsführer Dietrich

Kazmierzak in die Zukunft.

Herr Kazmierzak, haben Sie nach 28 Jahren alles erreicht?

Wir haben viel erreicht trotz Rückschlägen, die haben uns nicht entmutigt. Es ist ein Spagat zwischen Alltag und fachlichem Anspruch.

Wie wollen Sie sich weiter für die Integration Behinderter einsetzen?

Aktuell planen wir mit unserem Wohnpark an der Elsteraue eine inklusive Wohngemeinschaft, in der 24 Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben sollen.

Gibt es dafür einen Fahrplan?

Das Planungsbüro Sünderhauf hat seine Arbeit aufgenommen. Der Wohnpark soll neben dem Stadtstrand ent stehen - eine gute Lage!

Hat das Konsequenzen für bisherige Einrichtungen oder Projekte der Lebens hilfe?

Das Betreute Wohnen am Albertplatz wird aufgelöst, weil es Standards nicht mehr genügt. Zum Beispiel ist dort kein Fahrstuhl vor handen.

Und der Neubau in Reißig?

Der wird am 28. September als Tagesförderstätte eröffnet. Er befindet sich in der Jocketaer Straße 102.

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