Dieses Kleeblatt wird gebraucht

Trotz Handicaps haben diese vier Vogtländer über die Lebenshilfe eine Arbeit gefunden, die ihnen Spaß macht. Wo? Bei Globus. Und der Markt will weitere Menschen integrieren.

Weischlitz/Plauen.

So und nicht anders geht Inklusion. Davon ist Dietrich Kazmierzak überzeugt. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe Plauen sagt: "Das heißt ja nichts anderes als zusammen leben." Und zum guten Leben gehört eine erfüllende Arbeit. Für Eico Endler, Theresa Hoyer, Patricia Wiesner und Sebastian Heydeck ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen. Das Kleeblatt im Alter von 25 bis 45 Jahren befindet sich auf dem besten Weg zu einem regulären Arbeitsverhältnis. Die Vier machen sich im Weischlitzer Globus-Marktes derzeit mehr als nützlich.

Darüber dass Eico Endler etwa die Chance ergriffen hat, als Produktionshelfer in der Metzgerei zu arbeiten, ist Bereichsleiter Mario Schön froh. Der Kollege sei, ebenso wie Praktikant Sebastian Heydeck, pünktlich, zuverlässig und motiviert. "Beide arbeiten strukturiert, würzen zum Beispiel Steaks, stecken Fleischspieße, vakuumieren Lenden und Schinken." Niemand käme auf die Idee, so Schön, die Männer mit Handicap als Lückenbüßer einzusetzen. Sie würden gebraucht.

Dieses Gefühle hat auch Patricia Wiesner. Die gebürtige Zittauerin, die seit rund 15 Jahren in Plauen lebt, sagt: "Ich fühle mich wohl und kann meine Kreativität ausleben." Seit Januar 2017 wird die kommunikative junge Frau im Präsentkorbbereich eingesetzt. Erst war es ein Praktikum, das aber in einen sogenannten Außenarbeitsplatz führte. "Am liebsten verpacke ich Zuckertüten. Und 'Ostpakete', darin befinden sich nur Ostprodukte, sind bei mir ein Renner", erzählt Wiesner. Zur Arbeit kommt sie mit dem Bus.

Es existierten aber auch Pkw-Fahrgemeinschaften, berichtet Theresa Hoyer, die begeistert ist vom Zusammenhalt im Team. Es werde viel Rücksicht genommen. Im Bereich Gastronomie hat sie ihr Praktikum erfolgreich absolviert. Der gelernten Beiköchin winkt dort nun ein Außenarbeitsplatz. Hoyer bringe sich mit Ideen ein, lobt Globus-Personalchefin Kristin Vogel. Was die Lieblingsbeschäftigung der aufgeschlossenen Lebenshilfe-Kollegin ist? "An der Salattheke zu stehen." Ihr Favorit sei der Chefsalat.

Auch Gemüse fürs Mittagsgeschäft zu schnippeln und Fischbrötchen zu belegen, gehört zu Hoyers Aufgaben - fünf Tage pro Woche im Schichtdienst. Dafür dass alles reibungslos klappt, sorgen feste Ansprechpartner im Unternehmen - Andrea Jaenicke zum Beispiel, die den Kassenbereich leitet. Ihr Motto: "Fördern und fordern." Nicht von ungefähr sei das auch die Devise bei der beruflichen Integration von behinderten Menschen, so Lebenshilfe-Chef Kazmierzak.

Bei Globus sind insgesamt 14 Menschen mit Behinderung beschäftigt. Der Betrieb arbeitet neben der Lebenshilfe auch mit Menschen der Vogtlandwerkstätten Stelzen zusammen. Diese reinigen die Parkplätze und pflegen die Grünflächen.

Zum Netzwerk der gemeinnützigen Lebenshilfe gehören neben dem Globus neun weitere Partnerbetriebe, in denen die Behinderten seit dem Jahr 2015 zeigen können, was in ihnen steckt.


Das ist der Globus

Fast ein Vierteljahrhundert gibt es den Globus-Markt in Weischlitz bereits. Er wurde im Februar 1994 auf der Grünen Wiese eröffnet.

Insgesamt 300 Mitarbeiter hat das Unternehmen, davon sind zum Beispiel über 70 im Bereich Kasse, Information und Kundendienst angestellt. 30 sorgen in der Gastronomie für Frische und Geschmack. Zusätzlich sind 41 Mitarbeiter in der Metzgerei tätig.

Momentan wird umgebaut. Eine neue Großbäckerei soll weitere 30 Vogtländer in Lohn und Brot bringen.

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