Disput um Lügen-Vorwurf überlagert Gemeinderatssitzung

Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl vereidigte das Gremium. Dann geriet sie mit Gemeinderat Heiko Lang aneinander.

Pöhl.

Der neue Gemeinderat in Pöhl hat seine Tätigkeit aufgenommen. Neun der zwölf Mitglieder des am 26. Mai gewählten Gremiums nahmen am Dienstagabend an der konstituierenden Sitzung im Domizil der TSG Ruppertsgrün am Sportplatz teil und wurden von der ehrenamtlichen Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl (FDP) vereidigt.

Die Wiederwahl des bisherigen stellvertretenden Bürgermeisters Erik Jung (Freie Wählervereinigung) sowie die Besetzung der Ausschüsse und der Gemeindevertreter für den Zweckverband Talsperre Pöhl verliefen reibungslos. Doch obwohl die Ortschefin das erste Treffen des neuen Gemeinderates mit fester Hand leitete, war die Sitzung geprägt vom Wahlkampf um den Posten des Pöhler Bürgermeisters.


Es knisterte im Vereinsheim. Und es kam schließlich zur Kollision. Der alte und neue Gemeinderat Heiko Lang (Verein zum Erhalt des Naturraumes Talsperre Pöhl) sorgte zu Beginn der Sitzung per Antrag dafür, dass der Punkt Anfragen aufgenommen und ans Ende der Tagesordnung gestellt wurde. Die Anfragen nutzte er, um die Bürgermeisterin wegen Äußerungen in einem "Freie Presse"-Interview zur Rede zu stellen. Er forderte sie auf, einen daraufhin an sie gesendeten Brief seiner Fraktion zu beantworten.

Lang bezog sich auf Hommel-Kreißls im Interview geäußerte Vorwürfe an die Adresse politischer Widersacher. Beim Streit um Gewerbegebiets-Pläne für Herlasgrün hatte die Bürgermeisterin von "gezielten Lügen" gesprochen, wie etwa den angeblichen Plänen für eine Müllverbrennungsanlage. Damit seien insbesondere die Herlasgrüner "in Angst und Schrecken versetzt worden", kritisierte die Ortschefin die Urheber der Aussagen. Vertrauen sei dabei nachhaltig zerstört worden.

Natürlich werde sie den Brief nicht beantworten, erwiderte die Bürgermeisterin auf Langs Forderung und berief sich dabei auf die Meinungsfreiheit. "Sie müssen schon aushalten, dass jemand das so sagt." Das lasse sich nicht mit Meinungsfreiheit erklären, hakte Heiko Lang nach. Offensichtlich habe die Bürgermeisterin doch ihn selbst und einen ehemaligen Gemeinderat mit dem Lügen-Vorwurf gemeint. Für ihn seien nunmehr "Zweifel ausgeräumt", was Hommel-Kreißls fachliche und menschliche Eignung zur Führung einer Gemeinde betreffe. Danach herrschte kurz Schweigen: Keiner der Gemeinderäte bezog in dem Konflikt für die eine oder andere Seite offen Position.

Im Wahlkampf um den Pöhler Bürgermeister-Posten ist inzwischen aus dem Bewerber-Trio aus der ersten Runde ein Duo geworden. Der unabhängige Kandidat Andreas Sachse erklärte seinen Rücktritt. Er äußerte sich stolz und erfreut über 20 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung und dankte allen seinen Wählern. Doch er gab ihnen nach seinem Rückzug keine Empfehlung.

Zur entscheidenden Stichwahl am 22. September werden nunmehr die amtierende Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl und ihr Herausforderer Lothar Kramer (Freie Wähler) antreten. Hommel-Kreißl lag nach dem ersten Wahlgang mit 46,6 Prozent der Stimmen vorn, Kramer erreichte 33,5 Prozent. Der Herausforderer ist weiterhin im Wahlkampf engagiert und verfolgte auch als Zuschauer die Gemeinderatssitzung in Ruppertsgrün. Die Amtsinhaberin sagt indes, sie sei seit sieben Jahren mehr oder weniger im Wahlkampf. Jeder wisse, für was sie als Bürgermeisterin steht.

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