Dittesschule: Auch Eltern kapitulieren

Nach dem Aus für die fünfte Klasse werden noch mehr Schüler in Plauens Umland unterrichtet. Wohin das führen kann.

Plauen.

Am Donnerstag war es für Kinder, Eltern und Lehrer vorbei mit dem Bangen und Hoffen. Christian Piwarz (CDU), sächsischer Kultusminister, schlug die Bitte zur Bildung einer fünften Klasse an der Plauener Dittes-Oberschule aus. Damit gibt es zum zweiten Mal hintereinander keinen Nachschub an der Einrichtung. Der Anfang vom Ende?

FDP-Stadtratsfraktionschef Sven Gerbeth jedenfalls nennt die Entwicklung "verhängnisvoll", sagt, es würden zu viele Briefe geschrieben, "anstatt miteinander zu sprechen". Gerbeth kritisiert die Plauener Landtagsabgeordneten Frank Heidan (CDU) und Juliane Pfeil-Zabel (SPD), die dem Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) und der Stadtverwaltung die Verantwortung zuschieben würden. Beide Abgeordnete hätten in Dresden einer Gesetzesänderung zugestimmt, wonach an Oberschulen in Oberzentren - ein solches ist Plauen - mindestens zwei Klassen eines Jahrgangs gebildet werden müssen. Für ihn sei klar, so Gerbeth, dass damit gegen die Interessen der Menschen gehandelt wird - Jonathan Zötzsche etwa.


Der Zehnjährige hatte gern in die Schule an der Dittesstraße gehen wollen, so wie ein Großteil seiner Freunde aus der Dittes-Grundschule. Doch trotz Werbung und über 30 Anmeldungen an der Einrichtung reichte es nicht für eine Klassenbildung. Der Schulstandort wackelt seit Jahren. Für Jonathans Eltern Birgit und Ken Zötzsche hat die Entscheidung fast so etwas wie Kalkül. "Da meldet sich doch nie mehr jemand an", sagen sie. Gemeinsam mit anderen Eltern haben sie für die fünfte Klasse gekämpft, Widersprüche eingelegt, sich mehrfach mit Verantwortlichen getroffen. Nun kapitulierten auch die letzten Kritiker der Elternschaft - wegen der Kinder. "Wir brauchten Klarheit, welche Schule unser Sohn nach den Ferien besuchen wird", so Birgit Zötzsche. In ihrem Fall ist es Weischlitz, auf eigenen Wunsch. Zötzsches freuen sich, dass der Schulweg mit Bus nur 20 Minuten beträgt und der Sohn nicht durch die Stadt tingeln muss, auch wenn dies Kosten von 10 Euro monatlich verursacht.

Mindestens drei potenzielle Dittesschüler gehen jetzt ins Umland, einer an die private Montessori-Schule. "Die Stadt gräbt sich das Wasser ab", sagt Birgit Zötzsche. Und: "Mir tun die Lehrer leid." Was sie meint: Wenn sich immer weniger Schüler an staatlichen Plauener Schulen anmelden, muss eine geschlossen werden. Wie kann dem entgegen gewirkt werden? Vom Kultusministerium heißt es, es bedürfe einer "langfristigen Strategie", um von den "Vorzügen Plauener Schulen zu überzeugen."

Abgeordnete Pfeil-Zabel bekennt sich indes zur Gesetzesnovelle: "Wir haben damit auch auf den Lehrermangel reagiert, das war gut so." Das Problem fehlender Schülerzahlen sei lange bekannt. Die Stadt als Schulträger habe es nicht geschafft, diese Situation zu lösen. "Über Jahre hinweg hat man den Ausbau der Oberschulen vorangetrieben und Fördermittel entgegengenommen, ohne die Realität in den Blick zu nehmen", spielt sie den Ball zurück.

Auch Plauens Schulbürgermeister Steffen Zenner (CDU) meldete sich zu Wort. Er habe Klinken geputzt - erfolgreich, so Zenner. "Die Anmeldezahlen hatten sich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, dafür entschuldige ich mich nicht." Und Petra Rank von den Plauener Linken ist überzeugt: "Es wäre ein gutes Zeichen für Bürgernähe gewesen, hätte sich das Ministerium für die Kinder, Eltern und Lehrer entschieden."

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...