Dornröschenschlaf adé: Syrauer wollen Wahrzeichen wachküssen

Der Wasserturm in dem Rosenbacher Ortsteil ist weithin sichtbar - aber in schlechtem Zustand. Nun wird das Dach erneuert. War's das dann schon mit der Sanierung?

Syrau.

Der Weg nach oben ist eine kitzelige Angelegenheit. Die Holzstufen sind schmal und verdreckt, das Geländer ist wacklig. "Hier kann man unmöglich Besucher reinlassen", sagt Altbürgermeister Achim Schulz im Inneren des Syrauer Wasserturms und erklimmt die letzten Meter Richtung oberste Plattform. Rechts vom ihm sieht man die schmucken Holzbalken des Fachwerks. Von außen erkennt man nichts davon. Das denkmalgeschützte Bauwerk aus dem Jahr 1907 wurde zu DDR-Zeiten oben mit HWL-Platten ummantelt, im Volksmund Sauerkrautplatten genannt.

Ein wahres Schmuckstück steht da im Herzen des Rosenbacher Ortsteils. Aber sein Innerstes bleibt verborgen. Selbst zu Veranstaltungen wie der Nacht des offenen Denkmals wagt es die Gemeinde nicht, Besucher auf die steile Stiege zu lassen. "Ein Jammer", findet Schulz. Aber zumindest im Augenblick sei dies nicht zu ändern.

Immerhin: Zumindest außen tut sich was. Das Dach des markanten Gebäudes wird zurzeit neu gedeckt. Die Arbeiter müssen sich sputen. Denn bis zum Höhlenfest am kommenden Wochenende sollen die Gerüste weg sein - ist doch der Wasserturm keinen Steinwurf vom Festgelände entfernt.

"Eigentlich sollte das Dach schon vergangenes Jahr neu gedeckt werden", sagt Schulz, der seit seiner Pensionierung verstärkt im Dorfclub Syrau aktiv ist. "Die dazu nötigen 10.000Euro standen bereit. Aber die Fachfirma hätte es zeitlich nicht mehr hinbekommen." Ewig warten konnte man aber nicht mehr. "Es sind schon Bleche herabgefallen", so Schulz. "Wenn es windig ist, können sie in einem großen Umkreis herunterkommen. Das ist gefährlich."

Bald ist der Turm wieder sicher. Mehr aber halt auch nicht. Der Ort verkauft sein Wahrzeichen unter Wert, davon ist man beim Dorfclub überzeugt. Der obere, von weither sichtbare Teil ist mit den unansehnlichen Sauerkrautplatten ummantelt. "Wir haben bei der Gemeinde Anträge gestellt, mit der Sanierung des Turms weiterzumachen", sagt Vereinsmitglied Mario Branse. Als nächster Schritt müsste die Fassade hergerichtet werden, damit der Turm wieder so schmuck aussieht wie bei seiner Errichtung im Jahr 1907. Was das kostet, dies wagt Altbürgermeister Schulz nicht einmal grob zu schätzen. "Die Platten müssen weg, damit man das schöne Fachwerk unten drunter wieder sieht", findet er aber. "Doch keiner kann vorhersagen, wie der Zustand ist. Vielleicht denken wir danach: ,Hätten wir die Platten bloß dran gelassen!'"

Endlich stehen der Altbürgermeister und Mario Branse ganz oben, neben dem verrosteten Wasserhälter. Dieser ist sein Jahrzehnten leer. "Vorsicht!", ruft Schulz, als die Bretter unter den Füßen seines Vereinskollegen verdächtig zu knacken beginnen. Bis die Syrauer das Innenleben ihres Wahrzeichen sicheren Fußes erkunden können, bleibt noch viel zu tun.

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