Drama um 46 Chihuahuas in Plauen: Jetzt landet der Fall vor Gericht

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Vor gut sieben Wochen wurden 46 Chihuahuas aus einer Zucht beschlagnahmt, um die sich derzeit das Tierheim kümmert. Die Fronten zwischen Tierheim und Züchter sind verhärtet.

Plauen.

Wenn Tierheimchefin Katrin Soellner von den schönen Momenten mit ihren jüngsten Zöglingen spricht, klingt es oft so, als müsse sie sich damit Mut zusprechen. Ja, es gibt sie auch, die freudigen Augenblicke. Doch sie scheinen noch nicht zu überwiegen.

Seit 25. Juni kümmert sich das Team des Plauener Tierheims nun um eine Hundezucht, Trendrasse Chihuahua. Die Tiere wurden nach dem Hinweis eines Käufers vom Veterinäramt bei einem Plauener Züchterpaar beschlagnahmt. Als "hochgradig unhygienisch" bezeichnete das Amt die vorgefundenen Haltungszustände. Die Hunde waren teilweise so krank, dass Veterinäre und Pfleger des Tierheims nicht mehr helfen konnten. "Insgesamt 16 Hunde sind gestorben, seit die Tiere bei uns sind", sagt die Chefin der Einrichtung. Krankheitssymptome und Befunde geben den Pflegern noch immer Rätsel auf. Fest steht, dass die Hunde an Parasiten litten, die den Magen-Darm-Trakt befallen und vor allem für Jungtiere lebensbedrohlich sein können. Neun Welpen und zwei erwachsene Hunde sind entweder verstorben oder habe man einschläfern müssen, erklärt Katrin Soellner. Eines der Tiere sei zudem vom Rudel totgebissen worden. "Wir opfern uns wirklich auf", so die Chefin. "Wir haben die Tiere in vier Kleingruppen geteilt, trächtige Hündinnen zusätzlich von den Gruppen getrennt. Aber das Sozialverhalten einiger Hunde ist wirklich massiv gestört."

Zwei Hündinnen haben inzwischen Junge zur Welt gebracht. "Fünf Welpen sind entweder missgebildet oder nicht lebensfähig per Notkaiserschnitt auf die Welt geholt worden, sodass wir auch diese Leben nicht retten konnten. Fünf weitere Welpen gedeihen nun nach anfänglichen Startschwierigkeiten", ergänzt Soellner. Doch eines der beiden Muttertiere sei am Ende auch zu schwach gewesen und habe den Kampf verloren.

Mit der Pflege der Tiere wird das Heim voraussichtlich noch eine Weile beschäftigt sein, denn die Zukunft der Hunde ist nach wie vor ungewiss. Nachdem die Züchter Widerspruch gegen die Beschlagnahmung durch die Kreisbehörde eingelegt hatten, ist der Fall eine Sache für das Verwaltungsgericht Chemnitz. "Zum laufenden Verfahren, in dem viele unterschiedliche Vorwürfe zur Sache geklärt werden müssen, kann und darf ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Aussagen treffen", erklärte Amtsärztin Anne Schilder.

Die Züchter, ein Ehepaar, haben inzwischen einen Eilantrag auf die Herausgabe ihrer Bestandshunde gestellt, wie sie auf Nachfrage der "Freien Presse" bestätigen. "Es geht um elf Tiere, die wir so schnell wie möglich zurück haben wollen", so die Plauenerin. Gleichzeitig räumt sie ein, dass sie zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung mit der Situation überfordert gewesen sind. "Das will ich gar nicht abstreiten. Es war ein sehr unglückliches Zusammenspiel vieler Faktoren. Nach den starken Regenfällen im Juni lief auch uns das Wasser in den Keller. Wir haben den Keller räumen müssen und die feuchten Sachen in der Wohnung verstaut. Zusätzlich kamen neue Würfe." Eine Durchfallerkrankung im Rudel habe die Sache dann zum Kippen gebracht. Die Zucht will das Paar nun aufgeben. "Uns ist bewusst, dass es zum Schluss zu viele Hunde waren." Dennoch sei der Verlust aller Hunde auch für die Familie nur schwer tragbar, ergänzt die Züchterin. "Wir haben auch den Kontakt zum Tierheim gesucht, wollten Nahrung für die Hunde vorbeibringen", so die Züchterin. Dort sei man auf taube Ohren gestoßen. "Wir wissen nur vom Hörensagen wie es unseren Hunden geht", sagt die Frau. Auf offiziellem Wege bekomme man keine Auskunft.

Für Tierheimchefin Katrin Soellner ist der Vorwurf nicht nachvollziehbar. "Bei uns haben sich die Besitzer definitiv nicht gemeldet", so die Plauener Tierheimchefin. Inzwischen scheinen die Fronten verhärtet. "Wir hoffen sehr, dass die Hunde nicht dahin zurück müssen, wo sie hergekommen sind", sagt Soellner.

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