Drei Leben am seidenen Faden

Eine Komplikation bei der Geburt ihrer Zwillinge kostete Jana Reinel fast das Leben. Die Rettung will die Familie zum Weltfrühchentag am Freitag im Plauener Klinikum mit den Ärzten feiern.

Plauen.

Als Jana Reinel sich nach der Geburt ihrer Zwillinge müde fühlt, weiß sie nicht, dass sie erst zwei Tage später wieder aufwacht. Da war sie das zweite Mal gerettet. "Ich hatte viel Glück", sagt die gebürtige Heinersgrünerin, die mit ihrer jungen Familie im Plauener Stadtteil Neundorf lebt. Jana Reinel ist dankbar. Dafür, dass sie jetzt ihre Kinder aufwachsen sieht. Das schrieb sie in eine Zeitungs-Anzeige, die sie dem Team um Geburts- und Frühchenstation im Plauener Helios-Klinikum widmete. Ihre beiden fünf Monate alten Mädchen und sie sind wohlauf, weil Ärzte schnell handelten. Zum Treff am Weltfrühchentag am Freitag will die Familie sich noch einmal persönlich im Krankenhaus bedanken.

Jana Reinel hatte eine Schwangerschaftsvergiftung. Der Fachbegriff ist Präeklampsie. Das Leben ihrer ungeborenen Kinder stand auf dem Spiel. Ihr Körper stieß die Babys ab. Das wusste sie aber nicht, als sie sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin in der Praxis ihrer Plauener Frauenärztin zum Routinecheck saß. Erst in fünf Wochen war ein Kaiserschnitt geplant. Ihr Blutdruck war hoch, Wasser in den Beinen, etwas unwohl war der jungen Frau auch. " Ich schob es auf die Hitze und wollte schnell wieder heim", sagt die 32-Jährige. Doch ihre Frauenärztin bestand darauf, dass sie umgehend ins Krankenhaus fuhr. Nicht einmal ein paar Sachen habe sie holen dürfen. Dabei verlief die Schwangerschaft bis zu dem Tag unkompliziert.

Was folgte, waren Stunden, in denen das Glück der jungen Familie am seidenen Faden hing. Ihrem Freund Toni Trabert konnte Jana Reinel nur noch übers Handy Bescheid geben, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der 28-jährige Karosseriebauer fuhr sofort von der Arbeit los. Die Ärzte im Plauener Klinikum entschieden unterdessen, die beiden Kinder per Not-Kaiserschnitt zu holen. Hermine wog um die 1500 Gramm, Johanna brachte nur etwas mehr als 1200 Gramm auf die Waage. Aber sie waren stabil, gerettet. Alle atmeten auf. Am nächsten Tag aber fühlte sich Jana Reinel schwächer, schlief immer wieder ein. Die Ärzte waren alarmiert. "Es hieß, sie schwebe in Lebensgefahr", berichtet Toni Trabert. Für den jungen Zweifachvater begannen bange Stunden. "Ich sagte mir, dass ich mich zusammenreißen muss", sagt er. "Für die Kinder, für alle drei."

Jana Reinels Körper entwickelte das Helpp-Syndrom. Bei nur zwei von 1000 Gebärenden kommt diese schwerwiegende Form der Schwangerschaftsvergiftung vor, erklärt Kosai Eskef. Er ist seit 2018 Chefarzt der Gynäkologie am Plauener Krankenhaus. Bei dieser seltenen Komplikation gibt es Probleme mit der Blutgerinnung. Bei Mehrlingsgeburten ist das Risiko erhöht. "Meistens normalisieren sich die Werte wieder", erklärt der Mediziner. "Aber im schlimmsten Fall kann eine Patientin verbluten." Das Plauener Klinikum ist auf Fälle wie diesen vorbereitet, so Eskef, der zuvor als Oberarzt am Uniklinikum Gießen Erfahrungen sammelte. Die Blutbank am Haus sei in solchen Fällen entscheidend. Ein sechsköpfiges Team kämpfte um das Leben der jungen Frau. Die Geschichte geht gut aus. Als erstes habe sie das Radio gehört, als sie wieder aufwachte, berichtet Jana Reinel. Sie lächelt. Sie war über den Berg, die Erleichterung groß.

Ganz in Rosa und Weiß ist das Zimmer der Zwillinge in der Wohnung in Neundorf eingerichtet. "Ein Mädchentraum", sagt die Mutter. Für sie ist nach der Erfahrung Zeit mit der Familie noch wichtiger geworden, sagt sie. Im Brutkasten auf der Frühchenstation erholten sich die Babys. Die Winzlinge passten nebeneinander in einen Kasten. Die Zweisamkeit half. "Die Ärzte sagten uns, dass sie Vorzeigefrühchen seien, die schnell aufholen", berichtet Jana Reinel. "Das hat uns sehr geholfen und Mut gemacht." Innerhalb einer Woche war die junge Mutter wieder auf den Beinen. Im Juli durften dann die Kinder nach Hause. Wäre Jana Reinel jedoch an jenem Junitag gegen den Rat ihrer Frauenärztin heim gefahren, es hätte für alle drei zu spät sein können. Das weiß sie heute.

Das Plauener Klinikum will zum Treffen am Weltfrühchentag am Freitag alle "kleinen Kämpfer" würdigen, heißt es in der Einladung. Im Fall der Familie aus Neundorf sind es trotz Zwillingen gleich drei Kämpferinnen.

Zum Welt-Frühgeborenen-Tag am

15. November lädt das Helios-Klinikum die im ablaufenden Jahr in Plauen geborenen Frühchen mit ihren Eltern zu einem Treffen ein, ab 14.30 Uhr im Saal des Hauses 15, Raum Helios 1. Die Familien können Wunschballons steigen lassen. Um Anmeldung wird gebeten, Telefon 03741 4913236.

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