Dürre gefährdet bäuerliche Existenzen

Ernteausfälle und niedrige Preise setzen Landwirten teils stark zu. Existenzen sind gefährdet. Warum Betroffene dieses Jahr nicht auf finanzielle Hilfe hoffen können.

Plauen.

Obwohl das Vogtland von Dürreschäden und Ernteausfällen in diesem Jahr weit weniger stark betroffen ist, als andere Regionen, kämpfen auch hier erste Betriebe um ihre Existenz. "Ein größerer Betrieb hat bereits Insolvenz angemeldet. Kleine Familienbetriebe sind genauso betroffen. Die Familienbetriebe sind aber weitaus leidensfähiger, als ein großer Betrieb. Da rücken die Familienmitglieder noch enger zusammen, arbeiten noch mehr als sonst und sparen an allen Ecken, wo sie nur können", schildert Daniel Hirsch, der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Vogtland, die Situation. Das von dieser prekären Situation von Familienbetrieben so wenig an die Öffentlichkeit dringe, liege daran, dass die Betroffenen nicht gern darüber reden. "Niemand will Schwäche zeigen. So ist das in unserer Gesellschaft eben", sagt Hirsch.

Auf Hilfe vom Staat können die Geschädigten dieses Jahr nicht hoffen. Während voriges Jahr die Landwirte Dürrebeihilfen beantragen konnten, gibt es dieses Jahr für Ernteausfälle keine finanzielle Unterstützung durch den Staat. Das teilt Karin Bernhardt mit, Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt Geologie und Landwirtschaft. Voriges Jahr beantragten laut Bernhardt elf vogtländische Betriebe Dürrebeihilfen. Neun Anträge bewilligte das Land. Zwei Betriebe erfüllten die Voraussetzungen für Beihilfen nicht und bekamen kein Geld. An die anderen neun Betriebe zahlte der Freistaat insgesamt 419.000 Euro aus.

Daniel Hirsch ist der Meinung, dass diese Dürrebeihilfen dieses Jahr noch nötiger gewesen wären, als voriges Jahr. "Die Erträge 2019 sind mit den Erträgen 2018 vergleichbar. Der Unterschied besteht aber darin, dass die Bauern voriges Jahr für eine Tonne Getreide zwischen 50 und 80 Euro mehr bekommen haben, als dieses Jahr. Da kann man sich vorstellen, von welchen Einbußen wir reden", so Hirsch.

Der Bauernverbandsvorsitzende sagt aber auch, dass Dürrebeihilfen generell die falsche Lösung seien. "Seit zwei Jahren bemüht sich der Deutsche Bauernverband um eine Mehrgefahrenversicherung, so wie es sie in anderen europäischen Ländern schon längst gibt. Diese Versicherung müsste durch Bund, Land und die Bauern finanziert werden. Jeder Landwirt könnte dann selbst entscheiden, ob er sich versichern will oder nicht. Im Schadensfall bekommen die Versicherten dann eine Entschädigung. Die Nichtversicherten erhalten dann entsprechend keine Unterstützung", so Hirsch.

Den Staat würde diese Lösung aus Sicht Hirschs weit weniger Geld kosten, als für Dürrebeihilfen nötig ist. Es lasse sich der Gesellschaft gegenüber außerdem nur schwer vermitteln, dass die Bauern bei jedem extremen Witterungsverlauf um Hilfe schreien. Das hätte sich dann mit dieser Mehrgefahrenversicherung erledigt.

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