Durch Viren und Trojaner: Plötzlich ist das Konto leer

Die Methoden der Internet-Gangster werden immer raffinierter. Davor warnt ein Auerbacher Computer-Experte. Er will Tipps geben, wie man sich schützen kann.

Auerbach.

Erst vor kurzem brachte ein Kunde seinen Computer nach einem besonders fiesen Angriff in die Auerbacher Werkstatt der Quattronet GmbH: "Er wollte nur irgendeine kleinere Rechnung bezahlen", berichtet Benjamin Ludwig (35). Für die Transaktion habe er sogar ordnungsgemäß eine SMS aufs Handy geschickt bekommen. "Doch mit Eingabe der PIN hat er sein Konto für Betrüger geöffnet. Sein gesamtes Geld war weg - inklusive Dispo-Kredit, mehrere tausend Euro." Der Experte fand auf dem Computer eine Schad-Software, einen sogenannten Trojaner, der sämtliche Daten ausgespäht und an Kriminelle weitergeleitet hatte. Beileibe kein Einzelfall, so Ludwig: "Wir haben mehrere Kunden mit ähnlichen Fällen, das war allerdings der krasseste."

Der Ellefelder arbeitet für die Firma Quattronet, die eine Filiale in der Reumtengrüner Straße 32b betreibt. Der Hauptsitz ist in Kulmbach, aber auch Geschäftsführer Marko Seifarth stammt aus dem Vogtland. Viele Privatanwender gingen leider fahrlässig mit ihren Daten um, gleichzeitig würden die Kriminellen immer raffinierter, sagt Ludwig. Quattronet will der Bedrohung nun etwas entgegensetzen und ab Mitte März in Auerbach erstmals entsprechende Schulungen zum Erkennen von Fallen anbieten. Der notwendige Raum wird gerade hergerichtet. "Wir wollen zum Beispiel darauf hinweisen, dass guter Virenschutz nicht kostenlos zu haben ist", so der Experte. Wobei es für sein Unternehmen durchaus lukrativer sei, wenn durch Viren lahmgelegte Computer wieder flott gemacht werden müssten: "So was wird deutlich teurer, als wenn sich der Kunde gleich ein richtiges Schutzprogramm zulegt. Das ist ähnlich, als würde man beim Auto das Geld für den Ölwechsel sparen, bis irgendwann der Motor kaputt geht."

Erklärt werden soll in den Kursen auch, wie man mit nur drei Klicks herausfindet, ob die Mail tatsächlich vom angegebenen Absender, etwa von der Hausbank oder von Amazon, stammt. "Ich habe selbst gerade eine angebliche Sparkassen-Mail bekommen - die sah absolut echt aus", berichtet Ludwig. Schlecht für die Gangster: Er ist nicht bei der Sparkasse. Doch wer solch eine Phishingmail, etwa zur Terminvereinbarung, arglos beantworte, dem könne umgehend eine falsche Lastschrift abgebucht werden. Professioneller Schutz vor Phishing sei sehr teuer, doch mit ein paar einfachen Kniffen könne man sich schützen.

Beratung für Firmen bietet Quattronet schon länger an, bisher vor Ort, künftig auch im Schulungsraum. Auch einige Firmen handelten "fahrlässig", meint Ludwig, speziell im Bereich der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Wer als Firma mit Mitarbeitern oder Kunden über Facebook oder Whatsapp kommuniziere, könne sich zum Beispiel leicht strafbar machen. Auch auf dieses sensible Thema, welches oft ignoriert werde, wolle man hinweisen.


Internet-Kriminalität

Zwischen 500 und 700 Fälle von Internet-Kriminalität, vor allem Computerbetrug, wurde in den vergangenen Jahren im Bereich der Polizeidirektion Zwickau gemeldet. Die Aufklärungsquote stieg zuletzt, lag aber trotzdem nur bei 29 Prozent (2018). Computerbetrug kann laut Gesetz mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden. (bap/em)

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