Ehefrauen stehen auf Nachnamen der Männer

Früher mussten Frauen nach dem Ja-Wort noch den Namen des Mannes annehmen. In Plauen machen heute viele freiwillig, was damals Gesetz war.

Plauen.

Ob Müller, Meier, Schulze oder Halmackenreuther: Am heutigen Tag ist es genau 25 Jahre her, dass Frauen nach der Eheschließung wie ihr Mann heißen mussten. So wollte es das Gesetz. Doch seit dem 1. April 1994 stehen Ehepartner vor der Qual der Wahl. Der Namens-Trend aus dem Vorjahr in Plauen ist allerdings ganz klar.

298 Ehen wurden hier 2018 geschlossen, erklärt die Leiterin des Standesamtes, Dietberga Zabel. Bei 253 Ehen wurde ein gemeinsamer Familienname gewählt. Die meisten Paare hielten es dabei namensmäßig mit der Tradition: "208 Paare entschieden sich für den Familiennamen des Mannes", so Zabel. 31 Paare tragen künftig den Familiennamen der Gattin. 14 Ehefrauen bevorzugten einen Doppelnamen. Und ihre vorherigen Namen einfach beibehalten haben 45 Ehepaare.

Christoph Ulrich

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Die Gründe sind so verschieden wie die Namen, wie eine Stichprobe unter Paaren - ob seit dem Vorjahr verheiratet oder schon länger - ergeben hat. So erzählt Tino Helbig, Leiter des Kostümfundus' am Theater Plauen-Zwickau und seit acht Jahren offiziell liiert mit Opernsänger Michael Simmen am gleichen Haus: "Wir haben unsere Namen behalten." Für ihn habe es nie zur Diskussion gestanden, den Namen einer anderen Person anzunehmen, ob verheiratet oder nicht - was die beiden seit Ende des Vorjahres sind. Vorher hatten sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft. "Wir sind ja trotzdem eigenständige Personen", findet Helbig.

Verwechslungen ausschließen wollte Ruth Müller-Landauer (89), vogtlandweit als "Neideiteln" bekannt: "Als ich 1956 geheiratet habe, gab es mit mir drei Ruth Müllers an Theatern der Region." 1952 sei sie als Operettensoubrette nach Greiz gegangen, vorher sei sie Tänzerin am Plauener Haus gewesen. Nach ihrer Heirat nannte sie sich Müller-Landauer. "Bis zur Wende war das mein Künstlername", erklärt sie - und danach wurde es ihr fester Name.

Die Pöhler Bürgermeisterin Daniela Hommel-Kreißl (FDP) hatte ebenfalls pragmatische Gründe: "Ich war als Zeitungs-Redakteurin schon als Hommel bekannt, als ich 1994 geheiratet habe", sagt sie. Um ständige Fragen zu vermeiden, habe sie einen weiteren Nachnamen angehängt. "Aber Kreißl ist unser Familienname", schmunzelt sie.

Quasi vom Regen in die Traufe gekommen ist die Plauenerin Jeannette Haase-Pfeuffer. Sie hieß aus früherer Ehe Pfeuffer, wie sie verrät. Als sie ein zweites Mal Ja sagte, stand ihr ein Mann mit dem Nachnamen Haase gegenüber. "Wenn ich aber sage, mein Name ist Haase, klingt es komisch", erklärt sie: Denn es erinnert viele Menschen an die Redewendung: "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts." Nun allerdings machen viele Menschen Haase-Pfeffer aus dem Doppelnamen - vielleicht, weil sie an das Gericht namens Hasenpfeffer denken. Jeannette Haase-Pfeuffer nimmt's mit Humor.

Den Namen seiner Frau Mandy angenommen hat André Wolf. "Warum denn nicht?" fragt er. Sie hätten sich entschieden, dass er mit bürgerlichem Namen Wolf heißt - doch als Künstler weiter André Bretschneider. "Meine Bilder signiere ich weiter mit AB", schmunzelt er.

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