Ein Hauch von Wildnisschule: Er zeigt, wie man Bögen baut

Eines der exotischsten Geschäfte des Vogtlands liegt in einem Eckhaus im Osten Plauens. Dort gibt Jens Hering kleinen und großen Jungs Kurse im Bogenbau.

Plauen.

Das passt: Jens Hering ist bullig, trägt halblanges Haar und Bartstoppeln im Gesicht, weil er sich nicht jeden Tag rasieren möchte. Bloß nichts mit Schlips obenrum. Das stört, wenn man Bögen baut wie Robin Hood.

Er hat einen Laden in der Ostvorstadt, so groß wie ein Durchschnittswohnzimmer. Dort sitzt er, fast im Schaufenster, und schleift und feilt an Ästen herum. Das soll so sein. Wer vorbeiläuft, soll sehen, dass hinter der Scheibe Handwerk passiert. Am liebsten will Jens Hering für immer so sein Geld verdienen. "Ich werde mal hier sitzen und einfach zur Seite kippen", sagt er. Das ist der Plan. Ein Job, der gut ist, ist nicht mit Geld zu bezahlen, sagt er.


Jens Hering, 49, baut Holzbögen, wie sie fast jedes Kind fürs Indianerspielen gebaut hat, früher, als Steve Jobs und Mark Zuckerberg noch Kinder waren und Smartphones Legenden aus Star Trek. Doch wenn er Pfeile einspannt, bleiben sie nicht irgendwo in der Wiese stecken. Mit den Bögen, die er baut, lässt es sich zielen. Hering erzählt die Geschichte, wie die Männer früher jagen mussten mit solchen Bögen: "Da siehst du einmal am Tag ein Wildschwein, und das musst du treffen." Heute gibt es Fleischer. Bögen sind Sportgeräte, mit denen man auf Gummitiere oder auf Zielscheiben schießt. Man braucht sie nicht mehr. Nur zum Spaß.

Über ihm an der Decke schweben Äste, die hat er zum Trocknen aufgehängt. Er hat schon selbst gebaute Bögen nach Paraguay und Polen verschickt, die sich Männer übers Internet bestellt hatten. Aber das ist nur ein Nebengeschäft, sagt er. Eigentlich will er die Leute wieder begeistern für Dinge, die abhanden gekommen sind. Erst hat er sich selbst dafür begeistert. Jetzt gibt er Bogenbau-Kurse. Setzt sich mit Männern und Söhnen in seine Werkstatt, erzählt ihnen vom Holz und davon, wie aus einem Ast ein Bogen wird. Das dauert. Stunden, Tage. "Handy aus, und Auge in Auge am Holz arbeiten", sagt er. Auch Frauen saßen schon in seiner Werkstatt.

Die Natur habe sich zu weit vom Alltag entfernt. Als wäre sie ein Freizeitpark, den man nur bei Bedarf in sein Leben lässt. Jens Hering ist kein guter Bogenschütze. Er baut lieber, nur manchmal geht er schießen. Bei Jena gibt es einen Bogen-Parcours, in dem man auf Gummitiere zielt. "Das Schöne daran ist das Loslassen, der perfekte Moment." Baumaschinist hat er gelernt. Sein Kumpel aus Syrau baute Bögen und fand das gut, also setzte sich Jens Hering auch in seine Garage und fing vor acht Jahren an damit. Es riecht gut, dieses Hobby. Holz riecht nach Kindheit. Nach der Drechselbank seines Vaters und nach dem Platz, auf dem er geschnitzt hat damals.

Vergangenes Jahr fragte ihn jemand, ob er bei der vogtländischen Design- und Erfindermesse mitmachen möchte, der "Schau auf Design". Jens Hering ging hin und baute einen kleinen Stand auf, an dem er testete, wie der Bogenbau ankommt bei den Besuchern. "200 Leute haben mich angesprochen. 200!", sagt er, als hätte er nie geahnt, welcher Funke dieser Leidenschaft von ihm und seinen hölzernen Bögen auf den Messebesucher überspringen könnte. Kurz danach suchte er sich den kleinen Laden mit dem großen Schaufenster.

Die Jahre haben ihn zum Experten gemacht. Januar und Februar erntet er seine Äste in den Wäldern, dann ziehen die Bäume kein Wasser und das Holz ist am besten. Mit den Waldeigentümern hat er das abgesprochen, sagt er. Neun Monate lässt er die Äste trocknen, bis er Bögen aus ihnen macht. "Eibe ist die Königsklasse", sagt Jens Hering. Danach kommt Ulme. Aber der erste, den man baut, soll aus Manau sein.

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