Ein Maulbeerbaum erfreut süße Mäuler

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Garten-Exoten: In einer neuen Serie stellt die "Freie Presse" Hobbygärtner und ihre Liebe für Pflanzen vor, die von Natur aus nicht im Vogtland heimisch sind. Bewerben Sie sich mit ihrem Gartenschatz! Heute geht es um den Maulbeerbaum.

Lengenfeld.

Im Pachtgarten von Denis und Anja Weigel tut sich in diesem Sommer Ungewöhnliches. Der Maulbeerbaum trägt das erste Mal ordentlich Früchte. Die Familie hat die Parzelle vor ein paar Jahren übernommen. "Wir fanden den Garten sehr reizvoll, weil er sehr schön gestaltet ist und viele ungewöhnliche Pflanzen enthält, darunter ein Walnussbaum, eine alte Kiwi, die aber leider den letzten Winter nicht überlebt hat und ein recht großer Pfirsichbaum", sagt Denis Weigel, der in Lengenfeld zu Hause ist.

Seinen großen Auftritt hat in diesem Jahr allerdings der Maulbeerbaum. Bei der Übernahme des Gartens mussten sich Weigels erst einmal schlau machen, was das für ein Gewächs ist, mit den dunklen Beeren. Der Baum trug bisher immer nur wenige Früchte. Aber dieses Jahr hängt er richtig voll. Die Beeren erinnern von ihrer Form her an Brombeeren, schmecken aber total anders. "Wir sind noch am Überlegen, was wir mit den Früchten machen, vermutlich werden sie die Kinder vom Baum naschen", schätzt der Familienvater. Auf jeden Fall erstreckt sich die Ernte der stark färbenden Früchte über einen langen Zeitraum. Fast noch grüne Beeren hängen genauso am Baum, wie reife.

In den zurückliegenden trockenen Jahren war der Zuwachs am Maulbeerbaum eher gering. Dieses Jahr legt sich das seltene Gewächs aber richtig ins Zeug und hat schon bis zu 20 Zentimeter lange Jungtriebe gebildet.

Selten ist der Maulbeerbaum in Lengenfeld erst in den letzten 60 Jahren geworden. Früher muss es sehr viel mehr solcher Bäume gegeben haben. Vor dem Ersten Weltkrieg standen in Lengenfeld sowohl an der heutigen Oberschule auf dem jetzigen Lehrerparkplatz, an der Schule im Ortsteil Grün und auch am privaten Kindergarten in Schönbrunn, der früher ebenfalls Schulgebäude war, Maulbeerbäume. Davon weiß der frühere Leiter des Stadtmuseums Lengenfeld, Thomas Petzoldt aus Weißensand. Er kann sich noch an seine Tätigkeit als Mitglied der Baumschutzkommission vor vielen Jahren erinnern, als die Bäume, die als eine Art Karree in Schönbrunn standen, wegen Astbruchgefahr gefällt wurden. Gegenüber der früheren Grüner Schule kann sich Petzoldt an einen buschig gewachsenen Maulbeerbaum am Göltzschufer erinnern. "Aus den Erzählungen des Heimatforschers Hermann Gerisch weiß ich, dass vor dem Zweiten Weltkrieg die Kinder Seidenraupen mit den Blättern des Maulbeerbaumes gefüttert und die Kokons dann abgeliefert haben. In jeder Schule gab es sogenannte Raupenzuchträume", berichtet Petzold.

Dazu muss man wissen dass sich die Raupe des Seidenspinners, das ist ein Schmetterling, in einen Kokon einspinnt. Dieser Kokon besteht aus dem, was die Chinesen als Seidenfaden für die Herstellung von Textilien vor mehreren tausend Jahren entdeckten. Die Seidenspinnerraupe wickelt sich selbst in diesen seidig glänzenden Faden ein, den sie aus einer Drüse ihres Hinterleibs absondert. Unter Nutzung dieser Schmetterlingsraupen entstand die Seidenproduktion. Die Seidenraupe und der Maulbeerbaum sind untrennbar miteinander verbunden, denn Seidenraupen ernähren sich ausschließlich von den Blättern des Baumes. Beim Anbau dieser Baumart ging es also nicht nur um die Früchte, sondern auch um die Seide.

Maulbeerbäume zählen zu den ältesten Kulturpflanzen. Schon vor 4000 Jahren wurden sie in China angebaut, 2500 Jahre später gelangten sie auch in den Mittelmeerraum und schließlich: In den Vorkriegsjahren forcierte der nationalsozialistische Staat den Anbau solcher Bäume für militärische Zwecke, um Seide für die Fallschirmherstellung selbst produzieren zu können. Auch in der späteren DDR versuchte der Staat noch einmal durch die Anpflanzung von Maulbeerbäumen, eine eigene Seidenherstellung zu etablieren, die sich aber dann doch nicht richtig durchsetzen konnte.


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