Ein Plauener Chamäleon: Zum 80. Geburtstag von Klaus Helbig

Künstler, Formgestalter, Lehrer und Mahner: Der gebürtige Berliner setzt sich unermüdlich für einen Hochschulstandort ein.

Plauen.

Klaus Helbig, einer der bedeutendsten gestaltenden Künstler Plauens, wird heute 80 Jahre alt. Das Vogtlandmuseum ehrt ihn im Jahr seines Jubiläums mit der Ausstellung "Gestaltungsstrukturen", die vom 1. März bis 19. April zu sehen sein wird. Was wohl vielen unbekannt ist: Helbig, dessen Herz mit jeder Faser für die Spitzenstadt schlägt, der seit Jahrzehnten für einen Hochschulstandort Plauen kämpft und der noch Geschichten aus dem "alten Plauen" erzählen kann, erblickte ursprünglich in Berlin das Licht der Welt.

Kurz nach der Geburt verließ seine Mutter mit ihm die Hauptstadt. Beim Großvater, einem Augenarzt, kamen beide unter. "Mein Elternhaus stand in der Syrastraße 37", erzählt Klaus Helbig. 1946 wurde er in die Mosenschule eingeschult. Zehn Jahre später begann er seine Lehre zum Musterzeichner beim VEB Plauener Spitze. In dieser Zeit wurde ihm auch die Bedeutung der 1944 beim Bombenangriff zerstörten Plauener Kunstschule für die Textilindustrie bewusst. Walther Helbig, ein Bruder seines Großvaters, war einst dort Schüler, wanderte aber vor dem 1. Weltkrieg nach Amerika aus. "Seine Nachfahren haben wir zweimal nach der Wende in Kalifornien besucht", erinnert sich Helbig.

Er selbst hatte erste intensive Begegnungen mit der Kunst 1958, als ihn der renommierte Künstler und Kunstpädagogen Fritz Ehrler unter seine Fittiche nahm. Das blieb auch dem damaligen Direktor des VEB Plauener Spitze, Richard Hums, nicht verborgen. Der schickte Helbig 1960 an die Fachschule für angewandte Kunst nach Leipzig, wo er eine Klasse "Entwurfsgestaltung für Maschinenspitze" geschaffen hatte. "Mit der Zerstörung der einzigartigen Kunstschule für Textilindustrie war auch die Ausbildung von Entwurfskräften für die Plauener Stickereiindustrie weggebrochen", so Helbig. Nach Strukturveränderungen ging es in Schneeberg weiter. Dort begegnete Helbig auch seine heutige Frau Karin.

Nach dem Studium erhielt Helbig als einziger der Klasse die Möglichkeit, ein weiterführendes Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein zu absolvieren - mit dem akademischen Grad "Diplom-Formgestalter" 1968. Durch die Begegnung von Helbigs betrieblichem Mentor, dem damaligen Direktor des VEB Plauener Spitze Kurt Stubenrauch, und Willi Sitte, Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR, kam es nicht nur zur Idee der "Salons Plauener Spitze". Helbig ist sich sicher, dass aus dieser Begegnung von Industrie und Wissenschaft schließlich auch das Plauener Spitzenmuseum entstand. Dass es diese besondere museale Einrichtung irgendwann nicht mehr geben soll, kann er nicht fassen. Ebenso unverständlich findet es der 80-Jährige, dass es in Plauen in den vergangenen Jahren nie eine wirkliche Lobby für Hochschulausbildung gegeben hat. Seit 20 Jahren setzte er sich dafür ein: Sommerakademie im Weisbachschen Haus, zeitweise Außenstelle der Universität Pilsen.

Er hat junge Textildesigner in Reichenbach ausgebildet, war an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg aktiv. 1990 initiierte er das Projekt Kunstschule Plauen.

Mit dem Diplom in der Tasche und als Mitgliede im Verband Bildender Künstler der DDR konnte Helbig von Beginn an freiberuflich arbeiten. Werke im öffentlichen Raum, Metallarbeiten an den Säulen der Unterführung am Oberen Bahnhof, das Wandrelief an der Sporthalle Stresemannstraße, tragen ebenso seine Handschrift wie das Tor der Einheit an der Zürnerschule Oelsnitz. Manches verschwand wieder - so eine 1984 entstandene und 2012 entfernte zehn Meter hohe Konstruktion am Stahlbau Plauen.

"Ich bin schon ein Chamäleon", sagt Klaus Helbig. Und wahrlich: Seine Kunst ist mehr als Textil, mehr als Formgestaltung und Metall. Es ist ein wenig von alledem. Schon 1980 erarbeitete er mit seiner Frau Karin die Kunstform "Metalltextil".


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