Ein Rudel Ratten wartet auf Reisende

Berichte über immer dreister werdende Nager am Oberen Bahnhof in Plauen reißen seit Wochen nicht ab. Wer macht dem Treiben ein Ende?

Plauen.

Die Tage der Ratten, die sich auf der städtischen Grünfläche vor dem Oberen Bahnhof in Plauen breit gemacht und jegliche Scheu vor Passanten verloren haben, könnten schon bald gezählt sein. Weil die Tiere Krankheiten übertragen und als Gesundheitsschädlinge gelten, sich zudem rasant vermehren können, werden sie bekämpft. Meistens.

Manchmal dauert das - wie im vorliegenden Fall - etwas länger. Im Februar hatte die "Freie Presse" über Rattensichtungen am Oberen Bahnhof in Plauen berichtet. Damals schoben sich Stadtverwaltung und Landratsamt die Zuständigkeit für das Problem gegenseitig zu. Aus dem Rathaus hieß es, die Stadt sei für das Thema seit der Verwaltungsreform nicht zuständig, sondern das Landratsamt. Die Kreisbehörde informierte, dass sich Bürger bei Rattensichtungen an ihre Gemeinde- oder Stadtverwaltung wenden sollen. Die Ratten tummelten sich weiter, das Rudel wuchs.

In den letzten Wochen häuften sich weitere Beschwerden. Eine ehemalige Plauenerin (Namen der Redaktion bekannt) schrieb per E-Mail: "Wir haben nach langer Zeit unsere Heimatstadt besucht. Ausnahmsweise sind wir per Bahn angereist - wohl mit der größte Fehler. Die Erlebnisse am Oberen Bahnhof: Ratten, besonders im Außengelände, die sich nicht mal mehr durch Menschen gestört fühlen. Die Vierbeiner sind an uns vorbei, als wären wir nicht vorhanden. Bedenklich, allein wegen des Bäckerstandes..."

Auch ein ehemaliger Mitarbeiter der Bahn meldete sich: Bekannte hätten ihn schon auf die Ratten angesprochen. Ein Spaziergänger rief nach seiner Runde zum Bärenstein aufgeregt am Lesertelefon: "Diese Ratten - die haben keinen Respekt mehr!" Gar keine Worte habe er dafür, wie schlimm er es finde, wenn Gäste der Stadt als erstes mit diesem Eindruck konfrontiert sind.

Die "Freie Presse" bat Sachsens Sozial- und Innenministerium um Aufklärung, wer in der Region denn nun zuständig ist, die Plage zu bekämpfen. Die Antwort: Ein Sowohl- als-auch. "Es geht eigentlich nicht, dass keiner zuständig ist", meinte eine Sprecherin und lieferte eine konkretere Antwort nach: Für Hinweise und Gefahrenanzeigen sind Ordnungsämter der Kommunen Ansprechpartner. Geht es um Hygienemängel und Gesundheitsgefährdungen müssen an Landkreise angebundene Behörden tätig werden.

Die "Freie Presse" fragte am vergangenen Mittwoch also erneut bei Stadtverwaltung und Landratsamt an, was sie seit Februar unternommen haben: "Wurden Schritte gegen die Rattenplage eingeleitet? Wenn ja, wann und mit welchem Ergebnis? Wenn nein, warum nicht? Ab wann sieht Ihre Behörde weiteren Handlungsbedarf? Wann und wie wird sie deshalb tätig werden?" Dann ging alles sehr schnell.

"Auf Grund der Meldungen über sich häufende Sichtung von Ratten" habe am Freitag ein Ortstermin der städtischen Ordnungsbehörde mit einem Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung stattgefunden, hieß es aus dem Rathaus. Aufgrund des starken Befalls seien Giftköder ausgelegt. Die Stadtverwaltung bitte alle Hundebesitzer nachdrücklich, ihre Tiere an die Leine zu nehmen. Die Köder befinden sich in versteckt ausgelegten Boxen. Zudem werden Passanten gebeten, Papierkörbe zu nutzen und keine Essensreste wegzuschmeißen.

Das Landratsamt teilt mit, dass am Donnerstag im Gesundheitsamt die Meldung einer verantwortlichen Mitarbeiterin der Bahn über Ratten am Bahnhof eingegangen sei. Man habe "daraufhin das Gelände ... in Augenschein genommen" und bestätige das Vorkommen von Ratten. Laut Infektionsschutzgesetz habe das zur Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen zuständige Amt Maßnahmen anzuordnen, wenn Schädlinge vorhanden sind und begründete Gefahr zur Weiterverbreitung von Krankheitserregern bestehe. Erst, wenn beides zusammentrifft, sei das Amt ermächtigt, die Rattenbekämpfung anzuordnen. Noch sei das nicht der Fall. Man habe der Stadt jetzt aber Hinweise gegeben - zum Beispiel zur Rodung des Gebüschs, das den Ratten Unterschlupf bietet. (mit nij)

5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    0
    MaFe2KMA3
    29.10.2019

    Typisch deutsche Bürokratie. Bevor sofort bei so einem Rattenbefall geeignete Maßnahmen unternommen werden, muss der Amtsschimmel erst noch einmal genau prüfen, was man und wer etwas dazu etwas machen muss. Die Vermehrung der Ratten konnte daher schön weitergehen. Es ist unbegreiflich wie scher es in Deutschland ist einfache PROBLEME zu klären.

  • 8
    1
    FromtheWastelands
    28.10.2019

    "Die Ratten haben keinen Respekt mehr!"

    Brüller des Jahres

  • 6
    5
    ths1
    28.10.2019

    Die flitzende Ratte - einfach süß. Lass dich nicht erwischen, Kleine!

  • 9
    0
    bicicleta
    28.10.2019

    Schöne Fotos :-)

  • 5
    6
    Interessierte
    28.10.2019

    So ist das Leben ……..



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