Ein Stück Industriegeschichte kommt unter den Hammer

Die alte Textilfabrik mit der Adresse Friedrich-Engels-Straße 26 wird nächsten Freitag versteigert. Dabei gibt's ein Rätsel um eine Baugenehmigung.

Plauen.

Wer genau hinschaut, sieht noch Reste der vergangenen Pracht. Zwischen Erdgeschoss und erstem Stock finden sich an der Außenwand des Hauses Friedrich-Engels-Straße 26 einige kleine Mosaike. Bei allen bilden quadratische grüne Steinchen eine Art rechteckige 8. Sonst sind an der Jugendstilfassade der einstigen Stickerei- und Spitzenfabrik Iklé & Reis nicht mehr viele Schmuckelemente vorhanden. Am kommenden Freitag wird das architektonische Zeugnis Plauener Industriegeschichte in Berlin versteigert. Ab 11Uhr schwingt der Auktionator im Hotel Abba den Hammer. Mindestgebot: 49.000Euro.

So trostlos das Haus mittlerweile auch aussehen mag - seine wechselvolle Geschichte macht es allemal zu einem interessanten Objekt. Dies ist vielleicht einer der Gründe, warum es bei Einheimischen und Besuchern ein beliebtes Fotomotiv ist. Errichtet wurde es 1907 durch den Plauener Architekten und Baumeister Paul Gustav Richter. Damals hatte es freilich noch eine andere Adresse: Der Briefträger brachte seine Lieferungen zur Lützowstraße 54.

"Seit den 1920er Jahren wurden Fabrikräume teilweise an andere Textilfirmen vermietet", berichtet Doris Meijler, die Leiterin des Plauener Stadtarchivs. "Beispielsweise an die Firma Blanck & Cie., eine Spitzenfabrik, die Textildruckerei Willy Kripfgans oder die Wäschefabrikation Max Wittig."

Nachdem die Firma Iklé & Reis in den 1930er Jahren erloschen war, wurde die Friedrich Seidel KG Eigentümerin des Immobilienkomplexes. Das Unternehmen produzierte Spitzen, Stickereien und Modewaren. "Seit den 1950er Jahren hatte dort das Großhandelskontor Textilwaren seinen Sitz, anschließend der Sozialistische Großhandelsbetrieb Textilwaren Karl-Marx-Stadt - Betrieb Plauen", berichtet Stadtarchiv-Leiterin Meijler.

Laut Auktionskatalog befindet sich in dem teilweise vermüllten Stahlbetongebäude immerhin ein Aufzug. Dieser wäre sicherlich hilfreich, falls das Haus in ein Wohngebäude umgebaut werden soll. Laut Katalog hatte der jetzige Eigentümer genau dies geplant - und eine Baugenehmigung für mondäne Loft-Wohnungen bekommen. Fragt sich nur: von wem? Laut Plauens Pressesprecherin Silvia Weck ist im Rathaus von so einer Genehmigung nämlich gar nichts bekannt.

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