Eindringling in Schule macht Selfies mit Erstklässlerinnen

Ein Fremder soll in einem Plauener Schulhort Mädchen belästigt haben. Die Polizei fahndet nach ihm, der Hort verschärft seine Sicherheitsvorkehrungen. An die Schultüren könnten jetzt Überwachungskameras kommen.

Plauen.

Ort des Geschehens ist die Grundschule Kuntzehöhe, nachmittags zur Spielzeit im Hort. Zwei Erstklässlerinnen saßen im Speiseraum und machten Vesper, als ein Mann die Kinder in ein Gespräch verwickelte. Er soll Selfies von sich und den Kindern aufgenommen haben. Das bestätigten Polizei und Stadtverwaltung gestern auf Nachfrage der "Freien Presse". Der Vorfall, der jetzt erst bekannt wurde, hatte sich am Mittwochnachmittag ereignet.

Die Ermittler zweifeln nicht an den Aussagen der Kinder. "Wir gehen davon aus, dass sich das so zugetragen hat", sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak. Die Beamten suchen nach einem Mann mit schwarzem Vollbart und lockigen dunklen Haaren. Er spricht Deutsch und soll zwischen 30 und 50 Jahre alt sein. An jenem Nachmittag trug er eine grüne Hose und eine grüne Jacke, die mit weißen Buchstaben bedruckt war. "Vermutlich DIP, DIB oder DIEP", sagt Wurdak. Es könne sich um Arbeitskleidung handeln.

Über Umwege erfuhren die Erzieherinnen von dem Zwischenfall. Die betroffenen Mädchen hatten sich anderen Kindern anvertraut. Die Polizei durchsuchte die Schule und nahm zugleich Ermittlungen auf.

Das Personal von Schule und Hort hat unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Bislang war die Schultür nur während der Schulzeit verschlossen, Besucher mussten klingeln. Schule und Hort teilen sich das Gebäude. Damit die Eltern ihre Kinder nachmittags jederzeit aus dem Hort abholen können, war die Tür nach Schulschluss geöffnet. Jetzt bleibt der Eingang vorläufig abgeschlossen. Die Kinder dürfen niemandem öffnen und nur zu bestimmten Zeiten abgeholt werden. Heute will das Personal den Elternrat aufklären.

"Wir nehmen den Vorfall sehr ernst", sagt Schulbürgermeister Steffen Zenner (CDU). Auf politischer Ebene läuft gerade eine Debatte über Schulsicherheit in Plauen. Es geht um Videoüberwachung an den Eingängen. Plauens Stadtrat soll heute darüber abstimmen, ob das Rathaus Geld dafür ausgeben soll. Zenner sieht sich durch den Vorfall in dem Vorhaben bestätigt, Gegensprechanlagen der Schulen mit Kameras auszurüsten. Aktuell hätten 13 Schulen dafür Bedarf angemeldet. "Ich möchte das schnellstmöglich voranbringen, erst recht nach den jüngsten Ereignissen", sagt Zenner.

Die Polizei kündigt vor der Grundschule Kuntzehöhe verstärkte Streifen an. Bislang handelt es sich um einen Einzelfall, so Wurdak.

Zeugenhinweise nimmt die Polizei unter Ruf 03741 140 entgegen.

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