Eine "Schnitzeljagd" ums Wendedenkmal

Im Vogtland existieren Orte, über die in Führungen Bemerkenswertes erzählt wird - die "Freie Presse" nimmt ihre Leser mit auf Tour. Heute: die GPS-Stadtrallye in Plauens Zentrum, ganz ohne einen Führer.

Plauen.

Ob ich mich noch auskenne? Bestimmt weiß ich nicht mehr alles. Andererseits, Plauen ist meine Heimatstadt. Fällt mir ein, was zur sogenannten Friedlichen Revolution passierte? Ich hab's als 17-jährige Schülerin hautnah miterlebt. Auch, dass es anfangs nicht ganz so harmonisch zugegangen ist. Wasserwerfer wurden eingesetzt, Jugendliche wahllos inhaftiert. War man nicht selbst dabei, kannte man jemanden.

Theoretisch stehen meine Chancen jedenfalls nicht schlecht, bei der GPS-Stadtrallye zum Thema Wende-Demonstrationen. Mein ungewöhnlicher Stadtführer - er ist 7 mal 14 Zentimeter klein, steckt in einer grau-türkisen Hülle und passt in die Hosentasche. Es könnte auch ein Tablet sein, Hauptsache, es ist ein mobiles Endgerät, mit dem man ins Internet kommt und in das man die Startkoordinaten N50°29.775 E 012° 08.115 eingeben kann. Das würde, nebenbei bemerkt, auch bei Google oder bei einer anderen Internet-Suchmaschine funktionieren.

In Plauen hatte erstmals eine Massenkundgebung auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stattgefunden - am 7. Oktober 1989, dem Republikgeburtstag. Mehr als 20-mal wiederholten sich die wöchentlichen Proteste. Ich war damals Schülerin der elften Klasse der Erweiterten Oberschule "Erich Weinert", des heutigen Diesterweg-Gymnasiums.

Dort existiert eine rege Geschichts-AG unter Leitung von Hannelore Schreyer, die mich übrigens auch schon unterrichtete. Die AG-Teilnehmer haben bereits im Jahr 2014 die Plauener GPS-Stadtrallye ausgeklügelt., also eine moderne "Schnitzeljagd" Die Demo-Route von 1989 soll damit nachgezeichnet werden - und vom Wendedenkmal am Tunnel (das gab es allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht) über die Bahnhofstraße, den Albertplatz, die Friedensstraße, den Dittrichplatz und die Neundorfer Straße verlaufen sowie etwas mehr als drei Kilometer lang sein. Nur drei Kilometer? Ich werd's ausprobieren.

Das Herunterladen der kostenlosen App Groundspeaker Geocaching klappt schon mal, obwohl ich zugegebenermaßen kein smartphone-affiner Mensch bin. Auch die Anmeldung ist ein Kinderspiel. Wahlweise hätte ich mich auch für andere Apps entscheiden können, darauf weist ein Flyer der Stadtverwaltung hin, zum Beispiel c:geo oder Looking4cache. Cache? Das heißt doch Versteck. Wäre da nicht der Benutzername Schatzsucherin schön? Leider ist dieser ausgerechnet schon vergeben. Dann nenne ich mich halt: testfreiepresse. Auf den Weg mache ich mich an einem Dienstagvormittag. Die von mir genutzten Lagepunkte kennzeichnen den Standpunkt des von Peter Luban geschaffenen Wendedenkmals.

Schon die erste Frage hat es in sich, finde ich: "Wer verfasste die Aufrufe zu einer ungenehmigten Demonstration am 7. Oktober 1989?" Wählen kann ich zwischen drei Antworten: Pfarrer Andreas Weber, Superintendent Thomas Küttler oder Werkzeugmacher Jörg Schneider? Ich entscheide mich schließlich für C. Denn mir fällt ein, dass ich mich erst zum Jahreswechsel mit einem der Mitstreiter dieses ungewöhnlichen Mannes unterhalten hatte.

Sechs Stationen sind es vom Start bis zum Ziel, bei jeder bekommt man eine Nuss zu knacken. Junge Leute müssen sich wahrscheinlich bei Älteren oder im World Wide Web schlaumachen. Woher sollen sie wissen, wo sich der ehemalige Leninplatz in Plauen befand oder wer zu DDR-Zeiten in der heutigen Industrie- und Handelskammer residierte? Am besten wird der Geschichtsunterricht nach draußen verlegt.

Doch das Rätseln innerhalb von gut eineinhalb Stunden lohnt sich allemal. Dümmer wird man nicht. Außerdem gibt's was zu gewinnen. Unter teilnehmenden Schulklassen werden ein 200-Euro-Gutschein für Sachsens Jugendherbergen und eine kostenlose Mitgliedschaft im Deutschen Jugendherbergswerk für ein Jahr verlost. Einzelteilnehmer können Geschenke der Stadt im Wert von 30 Euro erhalten. Vorher muss man die Lösung ins elektronische Logbuch eintragen.

www.plauen.de/logbuch

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