Eltern und Lehrer in Habachtstellung

Bei der Sanierung der Montessori-Oberschule gibt es Zeitprobleme. Das hat Auswirkungen auf Plauens letztes großes Schulbau-Projekt, die Generalüberholung der Wartberg-Grundschule.

Plauen.

Die einen wollen noch nicht gehen, die anderen stehen symbolisch schon klopfend vor der Tür. Noch ist kein Platz in der ehemaligen Allende-Schule. Das Haus an der Friedrich-Engels-Straße ist Ausweichstandort bei Schulsanierungen. Momentan gewährt die Stadt der privaten Montessori-Oberschule dort Unterschlupf, während deren eigene Schule an der Anton-Kraus-Straße erneuert wird. Dabei sind jedoch massive Zeitprobleme aufgetreten. Und das wiederum hat Auswirkungen auf Plauens letztes großes Schulbau-Projekt, die Generalüberholung der Wartberg-Grundschule. Sie befindet sich seit 30 Jahren in der Warteschleife.

"Wir haben Verständnis für die Montessori-Schule und wollen ihr auch entgegenkommen", so Schulbürgermeister Steffen Zenner (CDU) am Donnerstagabend im Bildungsausschuss des Plauener Stadtrates. Deshalb gebe es eine Galgenfrist. Diese dauert bis 30. April nächsten Jahres. In der Zeit stehen Entscheidungen hinsichtlich der Belegung der Ex-Allende-Schule an. Eines sei jedoch klar: "Die Wartberg-Grundschule hat für uns Priorität, wir sind schließlich der Schulträger", so Zenner. Gleichzeitig schlossen er und Lutz Armbruster von der städtischen Gebäude- und Anlagenverwaltung (Gav) aus, das von offizieller Seite her andere Räume zur Verfügung gestellt werden. Der Grund: Es existierten keine. SPD-Stadträtin Juliane Pfeil-Zabel wagte trotzdem einen Vorstoß: "Was ist denn mit der ehemaligen Dittes-Grundschule?", fragte sie. Diese nutze das benachbarte Diesterweg-Gymnasium, sagte Zenner. Die Zimmer würden derzeit sukzessive mit verschiedener Spezialausstattung ausgerüstet, ergänzte Gav-Mann Armbruster. André Bindl (FDP) gab die Meinung der wohl meisten Ausschussmitglieder wieder: "Ich bin der Auffassung, der Montessori-Verein als Schulträger ist in der Pflicht." Die Bürgervertreter regten aufgrund der erheblichen Verzögerungen eine strukturelle Änderung des Bauablaufs an der Privatschule an: Erst solle drinnen alles fertiggestellt werden, nach dem Rückzug in die ursprüngliche Schule könne es außen weitergehen.

Wann es nun am anderen Standort endlich losgeht, ist das eine. Die Eltern und Lehrer der Wartburg-Grundschule treiben allerdings noch weitere Sorgen um, etwa die Sicherheit auf dem Schulweg. Direktorin Heike Bertram, die mit ihrer Stellvertreterin Uta Richter beim Ausschuss anwesend war, bekam kurzfristig Rederecht eingeräumt. "Wir haben Bauchschmerzen", sagte sie freiheraus. Ja, ihre Schüler - insgesamt 190 an der Zahl - seien selbstständig, dennoch ändere sich für sie der komplette Tagesablauf. "Jetzt purzeln sie aus der Haustür, müssen über keine gefährliche Straße." Während der Bauarbeiten müssen sie zehn Stationen vom Chrieschwitzer Hang bis zum Albertplatz mit der Straßenbahn fahren und am Tunnel umsteigen. Es gehe immerhin um recht kleine Kinder, darunter auch neue Erstklässler. Sie gehe von rund 140 Straßenbahnfahrern aus. "Da müsste es früh um sieben eine Sonderbahn geben", schätzte Bertram.

Bürgermeister Zenner will nun die Möglichkeiten mit Straßenbahn-Chefin Barbara Zeuner abklären. Sie soll zu einem der nächsten Ausschüsse eingeladen werden. Auch aus Fehlern habe man gelernt, so Zenner. Während der Sanierung der Astrid-Lindgren-Grundschule hatte es viel Ärger gegeben, unter anderem wegen der Finanzierung der Straßenbahn-Tickets. Eine Schülerkarte kostet zehn Euro pro Monat - die Stadt will den Posten übernehmen. "Wir haben ja auch Geschwisterkinder, da müssten Eltern dann gleich dreimal zahlen", gab Schulleiterin Bertram zu bedenken. Zur Diskussion wurde gestellt, ob es für Schülerlotsen, welche die Kinder auf den Fahrten begleiten, eine Aufwandsentschädigung geben soll. Steve Lochmann (AFD) erinnerte daran, dass es noch einen Bestand an Warnwesten gibt.

Sanierungsbeginn an der Wartberg-Grundschule soll jetzt frühestens im Mai sein. Geplant sind zwei Jahre Bauzeit, also bis Sommer 2022.

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