Emotionales Gedenken in Mödlareuth

Im einst geteilten Ort hat die Wiedervereinigung augenscheinlich gut geklappt. Länderübergreifend wurde am Montag an die Grenzöffnung von vor 30 Jahren erinnert. Es war ein besonderer Moment.

Mödlareuth.

Es gab einige emotionale Momente bei der Gedenkveranstaltung am Montagabend in Mödlareuth. Die Bernsgrüner Schalmeien hatten ihr originales Schild dabei, so wie sie es vor genau 30 Jahren, am 9. Dezember 1989, mit sich führten. "Der Schalmeienzug FFW Bernsgrün grüßt seine bayrischen Nachbarn" war genauso zu lesen wie schon vor 30 Jahren. Die Bernsgrüner hatten es gut verwahrt, und spielten damals wie jetzt auf ihren Instrumenten.

Zuvor hatte es eine Dankandacht auf dem Freigelände am Eingang des Deutsch-Deutschen Museums gegeben. Diese stellte sich schon bald als Herausforderung heraus, denn neben der Kälte spürten die vielen Teilnehmer auch die Nässe von oben.

Man sei hier, um gemeinsam zu feiern, sich gemeinsam zu besinnen, leitete der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU) die Andacht ein. "Es ist der Tag, an dem die Mödlareuther vor 30 Jahren wieder eins geworden sind. Ein Tag, an dem Sie bewusst ein Zeichen setzen", wandte er sich an die Zuhörer, die aus Thüringen, Oberfranken und Sachsen gekommen waren. "Mödlareuth ist ein Symbol für die Teilung, aber es ist auch Heimat." Von Bedeutung sei, dass der Ort seinen dörflichen Charakter behalten habe. Bär dankte den Mödlareuthern, dass sie sich auch dafür verantwortlich fühlen, dass hier die deutsch-deutsche Teilung erlebbar ist auch für die Generationen, die diese nicht erlebt hatten. Und: "Es ist nicht selbstverständlich, dass in dem Jubelmoment, als die gesamte Mauer platt gemacht wurde, ein Stück erhalten wurde. Das ist etwas Besonderes." Auf die heutige Situation und die Probleme gemünzt, sprach der Hofer Landrat: "Einigkeit und Recht und Freiheit sind das größte Glück, das eine Nation haben kann."

Zeitzeugen kamen zu Wort: "Mein Wunsch war immer, auf der Thüringer Seite ein Bier zu trinken", sprach der damalige Töpener Bürgermeister Arnold Friedrich aus seinen Erinnerungen. Als er damals im Fernsehen die Bilder vom Mauerfall in Berlin sah, habe er zu seiner Frau gesagt, er müsse nach Mödlareuth. "Da tanzen sie bestimmt auch auf der Mauer." Aber es war nicht so, alles war dunkel, die Grenze wie immer und keiner zu sehen. Danach habe er sich mit dafür eingesetzt, dass auch hier die Grenze geöffnet werde. Am Dienstag, 9. Dezember 1989, war es dann soweit, und es kamen Menschen, immer mehr Menschen. Und: "Die Wiedervereinigung hat am besten funktioniert in Mödlareuth, da waren sich sofort alle eins."

Der ehemalige Töpener Pfarrer Schneider erinnerte sich an seine damalige Predigt, als er sagte: "In dieser Stunde loben wir Gott und preisen seinen Namen." Es sei ja alles von der Kirche ausgegangen, die den Menschen Zuflucht gab, zu Friedfertigkeit mahnte und mit Kerzen agierte. Der Geistliche würdigte den verstorbenen Plauener Superintendenten Thomas Küttner. "Er hatte nicht geahnt, welche Rolle auf ihn zukam. 20.000 Menschen waren auf der Straße. Er hatte verhindert, dass es zu Gewalt kam, als er im Plauener Rathaus das Gespräch mit den Verantwortlichen suchte. "Viele von uns sind tief bewegt", sagte der für Hof und Töpen zuständige Pfarrer Thomas Persitzky. Auch Pfarrer Toralf Hopf aus dem thüringischen Gefell und Pfarrerin Sabine Stepper aus Mißlareuth sprachen dankende Worte für dieses geschichtliche Ereignis vor genau 30 Jahren.

Der Landrat dankte sowohl den Posaunenbläsern aus Töpen wie auch den Freiwilligen Feuerwehren, die ehrenamtlich an der Veranstaltung teilnahmen. Begonnen hatte das Gedanken an den 9. Dezember von vor 30 Jahren mit einer Sternwanderung von Gebersreuth, Juchhöh und Töpen nach Mödlareuth.

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