Ende der Stallpflicht: Hühner dürfen wieder raus

Geflügelzüchter können aufatmen. Die flächendeckende Stallpflicht in Sachsen wurde aufgehoben. Vogtländische Züchter beklagen Verluste.

Plauen.

Nach Informationen von Roland Küblböck vom sächsischen Geflügel-Gesundheitsdienst sei das Vogtland in Sachen Geflügelpest vergleichsweise glimpflich weggekommen. "Es gab nur zwei positive Fälle." Deutschlandweit sei bei 1217 Wildvögeln der Virus festgestellt worden. "Das hatten wir noch nie so massiv."

Küblböck war Referent einer Veranstaltung am Donnerstagabend im Landgasthof Zwoschwitz. Der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Plauen hatte Züchter und Halter von Geflügel zum Fachvortrag über Geflügelkrankheiten eingeladen. Die Leiterin des Veterinäramtes des Vogtlandkreises, Anne Mütschard, sagte übrigens ab. Laut Kreisverbandsvorsitzendem Uwe Weiß begründete sie ihr Fehlen damit, dass sie die Einladung zu spät erhielt. Den Züchtern und Haltern war die Anspannung der vergangenen Wochen anzumerken. Aus dem gesamten Vogtland reisten sie zu dieser Veranstaltung an. Unter ihnen Matthias Knoll. Der Theumaer Zuchtwart vom Kreisverband Plauen ist wie viele andere Geflügelfreunde mit der Praxis der Behörden in Sachen Vogelgrippe nicht einverstanden: "Es liegen keinerlei fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse vor, der die Virus-Übertragung von Zugvögeln auf Rassegeflügel belegt." Genau das bringt die Züchter im Vogtland auf die Palme. Für Knoll ist die Verhältnismäßigkeit bei der Bekämpfung der Vogelpest nicht gegeben. "Von den Veterinärmedizinern wünschen wir uns, dass sie künftig mehr praxisbezogene Entscheidungen treffen."

Der Zuchtwart fordert eine zeitlich begrenzte Aufstallungs-Praxis. Seiner Meinung nach sollte die Stallpflicht nur im konkret betroffenen Gebiet und nicht landesweit gelten. In den vorigen Monaten seien die Tiere einem enormen Stress ausgesetzt gewesen. Probleme habe es beispielsweise bei der Stall-Hygiene gegeben. "Durch die Stallpflicht sind mehr Tiere verendet als durch die Vogelgrippe." Aus seiner Sicht sei Rassegeflügel nicht so anfällig wie Wirtschaftsgeflügel. Allerdings sei das Fortpflanzungsverhalten von Rassegeflügel bei Stallpflicht enorm beeinflusst.

Wie auch viele anderen Züchter der vogtländischen Region befürchtet Joachim Prager noch andere Auswirkungen. Der Tirpersdorfer kennt sich in der Materie aus. "Seit meiner Kindheit beschäftige ich mit Rassegeflügel." Die Absagen der Ausstellungen mache vielen Züchtern zu schaffen. Nach 2006 und 2014 war das die dritte Vogelgrippe-Welle. "Geht das so weiter machen viele Schluss." Er habe schon deutliche Signale in dieser Richtung vernommen. Zu befürchten sei das Verschwinden seltener Rassen, die ohnehin schon auf der Roten Liste stehen. Verwunderung gab es am Donnerstag auch darüber, dass die strengen Bestimmungen auch für Tauben galten. "Da gab es noch nie einen Vogelgrippefall."

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