Er will tolerantere Plauener

Wo ein Problem ist, sehen sie berufsbedingt Lösungen: Architekten. "Freie Presse" stellt in loser Folge Plauens Planer und ihre Ideen für die Stadtentwicklung vor. Heute: Chefarchitekt Bernd Müller.

Plauen.

Wohnen, leben und arbeiten - für Bernd Müller gehört das alles zusammen. Dabei will der 1956 im thüringischen Greiz geborene Architekt ein ausgewogenes, realistisches und ganzheitliches Herangehen an städtebauliche Planungen. Und manchmal können diese in seinen Augen auch von unkonventioneller Natur sein. So wie zum Beispiel der moderne Anbau am Plauener Lessing-Gymnasium oder das neue Autohaus in der Elsteraue.

Die innovativen Ideen setzt Müller nicht allein um, sondern zusammen mit dem 50-köpfigen Team der Bauplanung Plauen GmbH, einem der größten Planungsbüros dieser Art im Vogtland. Herzstück sind die 23 Architekten, Ingenieure und Techniker des Bereichs Hochbau/Architektur, so Müller. Er ist ihr Chefarchitekt. Von seinem Büro im 5. Stock des Bürogebäudes am Albertplatz hat Müller eine prima Aussicht auf und über Plauen hinweg. Seit 2003 arbeitet er dort, drei Jahre später wurde er Mitgesellschafter und Prokurist.

Von Görlitz bis Bocholt reichen die Aufträge, von Berlin bis München, vom angrenzenden europäischen Ausland bis nach China. "2011 und 2012 waren wir dort, wir hatten eine Konzeptstudie für eine Industrieanlage in Chongqing angefertigt", erinnert sich Müller an den Aufenthalt in der zirka 30-Millionen-Einwohner-Stadt und einer auf Fläche so groß wie Österreich. Im Auftrag einer deutsch-chinesischen Firma hat sein Unternehmen ein LED-Lampenwerk am Ufer des Jangtsekiang entwickelt - der Beweis für Müllers These: "Wer Architektur studiert, kann überall tätig sein."

In seinem Fall war das in der DDR zunächst die Projektierung des Metall-Leichtbau-Kombinats MLK - bis 1989, was für Müller auch privat zum Schicksalsjahr wurde, und zwar vor der Grenzöffnung: Er verließ Plauen Richtung Nürnberg. Dort besuchte er einen Familiengeburtstag. Das Rückticket hatte Müller jedoch nicht gelöst. Dass er mit der Familie nach fast zehn Jahren wieder zurückkam in die Heimat, sei für ihn dennoch folgerichtig gewesen. Denn er liebt Plauen, die Stadt, in der er seit der Kindheit lebte, die Schule besucht hat. Den Ort mit der noch wahrzunehmenden Gründerzeitprägung.

"Architektur ist ja immer ein Spiegel der Gesellschaft", sagt Müller. Das bewiesen nicht nur die Pyramiden in Ägypten und die gotischen Kathedralen, sondern auch Plauens Stadtquartiere, ein Symbol für die Blütezeit Plauens vor dem Erstem Weltkrieg. Damals war der Ort als Großstadt angelegt mit rund 128.000 Einwohnern. Nach der Wende war vieles heruntergewirtschaftet, aber als Substanz da. Müllers Meinung nach brauche es neue Inhalte. "Denn Gebäude ohne Leben sterben und Städte mit zu wenig Inhalt ebenso", sagt der Planer. Insofern sind nicht nur Stadtplaner sondern auch Politik und Wirtschaft gefordert.

Das Generalplaner-Team erbringt ebenso Leistungen in der Statik, im Tiefbau und der Interieurplanung. "Die interdisziplinäre Aufstellung - sie ist unsere Stärke", so Müller. Deutlich machen das die realisierten Projekte: Krankenhaus-Bauten wie an der Berliner Charité oder an der Uniklinik in Dresden, am Klinikum Obergöltzsch oder die Psychiatrie des Helios Vogtland-Klinikums. Gleichermaßen tragen das Dresdener Rundkino oder allerhand Schul- und Sozialbauten die Handschrift der Büros Bauplanung Plauen. Allein in Plauen sind das zum Beispiel die Karl-Marx-Grundschule oder die Hufeland-Oberschule. "Für Siemens haben wir acht Betriebs-Kitas gebaut, und auch der Sauna-Anbau am Stadtbad an der Hofer Straße stammt von uns", zählt Müller auf. Er könnte beliebig weitermachen: Physiotherm in Treuen, Magna in Meerane, Boysen in Oberlosa. Der aktuelle Großauftrag: das VW-Presswerk in Mosel. Die Investsumme: ein zweistelliger Millionenbetrag.

Bei alledem wendet sich Müller strikt gegen ein Historisieren in der Architektur, wie er es nennt: "Man sollte stets selbstbewusst und modern bauen, unsere Altvorderen haben es schließlich genauso getan." In diesem Zusammenhang wünsche er sich tolerantere Plauener. Seine Vision ist, dass die Bürger moderner Architektur gegenüber aufgeschlossener sind und unkonventionelle Lösungen akzeptieren, dass sie sich zumindest auf ein Gespräch einlassen. "Es muss übrigens nicht immer jedem alles zu 100 Prozent gefallen", sagt der Architekt. Er wünscht sich, dass Plauen zu einer adäquaten Ausstrahlung und städtebaulichen Qualität und damit zu einer "neuen Blütezeit" findet.

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