Erlebnisse eines Grenzgängers

Mario Goldstein schilderte seine Erlebnisse am ehemaligen Eisernen Vorhang. Er kämpfte mit seinen Gefühlen.

Plauen.

Mario Goldstein hat jahrzehntelang die Erinnerungen an seine Fluchtversuche aus der damaligen DDR und die Zeit hinter Gittern verdrängt. Erst als er sich entschloss, die gesamte ehemalige innerdeutsche Grenze abzulaufen, brach in ihm alles wieder auf. Am Donnerstagabend gab es im ausverkauften Vogtland-Theater die Vorpremiere zur Live-Reportage "Abenteuer Grünes Band - Vom Todesstreifen zur Lebenslinie".

Gespannt verfolgten die Besucher wie der Abenteurer auf dem früheren Kolonnenweg der Grenztruppen sich seiner eigenen Geschichte stellte. Mit Rucksack, Wanderstock, Hut und Schäferhündin Sunny nahm er die einzelnen Etappen in Angriff. Er begegnete besonderen Menschen und erlebte eine faszinierende Natur, die es anderswo in Deutschland gar nicht mehr gibt. Mitunter erinnerte ihn nur das Klacken seiner Wanderstockspitze auf dem Betonweg der Grenzer, das dort einmal der Eiserne Vorhang die Landschaft durchschnitten hat. Zwischendurch: Sequenzen von Streckmetallzäunen, Stacheldraht und Wachtürmen. Schüsse waren zu hören. Das Treffen mit einem ehemaligen politischen Gefangenen ging genauso unter die Haut wie das Gespräch mit einer alten Frau, deren Heimatdorf aufgrund des Grenzverlaufs einst dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Torsten Kleditzsch

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Bei seiner Reise zu sich selbst ließ Goldstein die Theaterbesucher teilhaben. Er horchte in sich hinein und schlug an einer Hütte "Zum schönsten Wiesengrunde" sein Nachtquartier auf. Trotz der ihn umgebenden Idylle wurde der Freiträumer von seiner Vergangenheit eingeholt. So haben ihn seine Fans noch nie gesehen. Mit Tränen in den Augen kauerte er am Boden und kämpfte mit seinen Gefühlen.

Nach der Pause ging es von Thüringen über den Harz weiter in Richtung Ostsee. Die Landschaft veränderte sich. Goldsteins Mission nicht. Er traf sich mit Politikern, Naturschützern und Querdenkern. Es ging ums Grüne Band als nationales Naturmonument. Eingewebt in die Reportage waren feinfühlige Musiktitel vom Chemnitzer Liedermacher Maik Müller, der an diesem Abend vor und nach der Pause live sang.

Gerlinde Richter aus Reuth bereute ihr Kommen nicht: "Auf mich hat das Ganze sehr authentisch gewirkt." Manfred Lemke aus Gera war tief beeindruckt: "Mir sind die Tränen gekommen. Es ist gut, die Geschichte des Grünen Bandes wach zu halten."

Das Buch zum Abenteuer erscheint im September erfuhren die Gäste von Goldstein. Für den 21. April (15 Uhr) am selben Ort wird zur zweiten Vorpremiere eingeladen. Für danach (18 Uhr) lädt Goldstein zum Weltgeschichten-Abend mit Dylan Wickrama und Live-Musik von Peter von der Straße ein.

Karten für beide Veranstaltungen sind im Shop der "Freien Presse" erhältlich.

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