Erneut Wildtierverbot in Zirkussen gefordert

Zirkus Probst gastiert ab heute in Plauen. Für den sächsischen Chef der Tierschutzpartei ist es ein Skandal, dass noch immer exotische Dressuren zu sehen sind. Doch was sagen die Stadträte dazu?

Plauen.

Jürgen Wunderlich ist sächsischer Landesvorsitzender der Tierschutzpartei. Er wohnt in Plauen. Dass ab heute der Zirkus Probst bei seinem Gastspiel in der Vogtlandstadt unter anderem mit der preisgekrönten Dressur einer gemischten Raubtiergruppe wirbt, ist für Wunderlich ein Skandal.

"Auch Tiere haben ein Recht auf Freiheit, möchten in einer Familie oder Herde in freier, ihr angestammter Natur leben", schrieb er gestern an die "Freie Presse". Wer auch nur ein Fünkchen Tierliebe in seinem Herzen trage, könne sehr leicht nachempfinden, was es für diese Tiere für eine Qual sei, ständig in Gefangenschaft zu leben und durch die Lande gekarrt zu werden, meint Wunderlich. Hinzu komme die derzeit extreme Hitze. Bei den Stadtvätern sei "leider noch nicht angekommen, dass es mittlerweile schon viele Städte gibt, die aus Vernunft Auftritte von Zirkussen mit Wildtieren verbieten", so der Tierschützer. Wirklich nicht?

Fakt ist: Im Plauener Stadtrat ist ein Wildtierverbot in Zirkussen umstritten. Zu den Befürwortern gehören beispielsweise Mitglieder der Linken. Petra Rank sagte auf Anfrage: "Mir gefällt nicht, dass Wildtiere im Zirkus auftreten, und damit bin ich nicht allein." Rank erinnert sich, dass schon 2015 ihr Parteimitglied André Hegel einen entsprechenden Antrag im Stadtrat stellte. Das Ansinnen sei damals abgeschmettert worden. Diese Frage stehe nicht im Zuständigkeitsbereich des Plauener Stadtrates, hieß es.

Dieter Rappenhöner (Grüne) ist der Meinung, dass jede Stadt selbst darüber befinden kann, ob sie den Zirkus mit Wildtieren auftreten lässt. "Wenn der betreffende Grund und Boden der Stadt gehört, darf auch die Stadt entscheiden, ob sie einen Zirkus reinlässt." Im Übrigen stünden alle seine Parteifreunde in diesem Punkt hinter ihm: Wildtiere gehören nicht in den Zirkus.

Für SPD-Fraktionschef Benjamin Zabel ist es keine leichte Entscheidung: "Bei der Frage komme ich stark in Bedrängnis. Kinder wollen nun mal gern in den Zirkus gehen, und ich kann nachvollziehen, dass Eltern dann nachgeben. Man gerät in einen Gewissenskonflikt. Doch die Haltung der Tiere ist fragwürdig. Ein Zirkus reist ständig, das ist Stress für die Tiere. Dürfte ich abstimmen, würde ich zur Wildtierhaltung nein sagen."

Der Zirkus sei nun mal ein Stück Kultur, sagt Jörg Schmidt (CDU). "Ich habe als Kind den Zirkus sehr geliebt. Hält er Tiere, ist es wichtig, dass sie genügend Bewegung, Futter und Wasser haben und sich die Pfleger mit ihnen beschäftigt", so Schmidt. Das Veterinäramt müsse alles gründlich und regelmäßig kontrollieren, dann sei gegen die Haltung von Wildtieren im Zirkus nichts einzuwenden.

Stadträtin Alexandra Glied (FDP/Initiative Plauen) hat eine klare Meinung zum Problem: "Ich bin selbst Tierfreund. Die Bedürfnisse der Vierbeiner müssen in jedem Fall gewährleistet sein. Tierquälerei darf es nicht geben." Es müsse in Deutschland eine Behörde geben, die ständig kontrolliert. Der Amtstierarzt bei einem Gastspiel allein reiche nicht. Im Tierpark oder Zoo seien die Tiere auf alle Fälle besser aufgehoben als im Zirkus. Glied fügt hinzu: "Treten beim Zirkus schwierige Umstände ein, der Umsatz geht zurück oder Tiere werden krank, dann dürfen sie auf keinen Fall getötet werden."

Die Stadt Chemnitz wollte auf ihrem Terrain Zirkusse dieser Art verbieten und wehrte sich lange Zeit. Schließlich wurde sie von der Landesdirektion in die Schranken gewiesen. Seitdem treten Zirkusse in Chemnitz wieder auf. Die Zwickauer Stadträte stimmten am 3. März 2017 für den Zirkus. "Es gibt in Zwickau kein Wildtierverbot", sagt Pressesprecher Mathias Merz.

Jürgen Wunderlich will sich damit nicht abfinden. Er ruft die Zirkusbesucher auf, sich über das Thema Gedanken zu machen, bevor man mit Kindern die Manege besucht.

Was meinen Sie zu diesem Thema? Wildtierverbot in Zirkussen - ja oder nein? Was spricht dafür, was dagegen? Besuchen Sie noch einen Zirkus? Schreiben Sie uns Ihre Meinung als Leserpost an "Freie Presse" Plauen, Postplatz 7, 08523 Plauen. E-Mail: red.plauen@freiepresse.de. Bitte denken Sie daran, dass Leserbriefe die vollständige Adresse und eine Telefonnummer enthalten müssen. Veröffentlicht wird nur der Name und Wohnort des Leserbriefschreibers.

Bewertung des Artikels: Ø 1 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...