"Es hilft, allen reinen Wein einzuschenken"

Rosenbachs Bürgermeister Michael Frisch im "Freie Presse"-Interview über Verkaufskultur, Welpenschutz, Tourismus und die Rolle der Vereine

Er ist Diplomingenieur und hat im Verkauf gearbeitet. Er ist Familienvater und streift als Hobby-Jäger durch Wald und Flur. Seit einem Jahr ist der Syrauer Michael Frisch Bürgermeister der Gemeinde Rosenbach/Vogtland. Ulrich Riedel sprach mit dem 36-Jährigen.

Freie Presse: Im Frühjahr 2018 waren Sie der Überraschungskandidat, den die wenigsten als neuen Bürgermeister auf dem Zettel hatten. Wie war das noch mit Ihrem Wahlsieg?


Michael Frisch: Der erste Wahlgang war nicht so schlecht. Danach bin ich von Haustür zu Haustür gezogen. Dann der knappe Sieg mit zehn Stimmen Vorsprung - ohne diese Art Wahlkampf hätte ich es nicht geschafft. Es sind dann einige Leute wählen gegangen, die das eigentlich gar nicht vorhatten.

Sie sind also ein guter Verkäufer.

Meine frühere Arbeit im Außendienst hat mir dabei wesentlich geholfen. Dort hatte ich gelernt zu sagen, was geht und was nicht geht. Als Problemlöser sozusagen. Das hat Parallelen zum Bürgermeister-Job.

Es gab doch sicher für Sie als Neuling nicht nur Rückenwind.

Es gab auch Warnungen: Du kannst doch eh nichts bewegen und nichts erreichen, haben manche gesagt. Das ist aber falsch: Wir haben Spielraum und sollten den nutzen.

Im Mai haben Sie zur Kreistagswahl aus dem Stand das zweitbeste Ergebnis für die FDP erreicht. Nur Plauens OB Ralf Oberdorfer war für die Liberalen erfolgreicher.

Das war ein kleiner Stimmungstest. Ich war positiv überrascht.

Wie wurden Sie vor einem Jahr als frisch gewählter Ortschef von den altgedienten Verwaltungshaudegen empfangen?

Anfangs wusste ich nicht, worauf ich mich eingelassen hatte. Da steht man vor Leuten, die 30 Jahre im Amt sind und ihr Metier genau kennen. Zuerst habe ich alle an einen Tisch gerufen, dann sind wir langsam in die Geschicke gekommen. Die erfahrenen Kollegen haben mir sehr geholfen. Einer wie Bauamtsleiter Luz Woratsch betet jeden Gesetzestext her. Das ist beeindruckend.

Und im Gemeinderat? Auch dort gibt es sehr erfahrene Leute.

Grundsätzlich ist meine Herangehensweise: zuhören, lernen, den Menschen das Gefühl geben, dass sie einbezogen werden. Im Gemeinderat habe ich mir Respekt erarbeitet. Die Räte sind recht zufrieden. Vielleicht habe ich nur Welpenschutz. Aber meines Erachtens hilft es, allen reinen Wein einzuschenken.

Gab es im Jahr 1 als Bürgermeister grenzwertige Situationen?

Die gab es auch. Das Thema Wohnungsbaugesellschaft Plauen Land hätten wir erst einmal öffentlich behandeln müssen und im Anschluss nichtöffentlich. Nicht, um den Bürgern Wissen vorzuenthalten, aber es ging um Interna einer Gesellschaft.

Rosenbach besteht aus 13 Ortsteilen. Da gibt es unterschiedliche Interessen und Befindlichkeiten. Wie geht man damit um?

Es geht nicht um die Frage, hat Syrau, Leubnitz oder Mehltheuer von Millioneninvestitionen profitiert, sondern es geht um die Gemeinde Rosenbach. Trotzdem will keiner zu kurz kommen. Als der ehemalige Landrat erhebliche Mittel ins Leubnitzer Schloss gesteckt hat, haben andere Ortsteile gezweifelt. Da ist Fingerspitzengefühl nötig.

Um welche Themen wird denn hart gerungen?

Rosenbach hatte acht Kläranlagen-Maßnahmen in den letzten Jahren. Da gibt es Streitpunkte. Oder auch bei holprigen Straßen. In Fasendorf, Rößnitz, Fröbersgrün sind die Leute zufrieden, Demeusel kommt jetzt dran. Wir müssen auch an zwei, drei Bürgerhäusern etwas tun. Beim Sportplatz Leubnitz stellt der Sportverein den Förderantrag, wir sind als Gemeinde auch nicht unerheblich dabei. Und wir geben im Waldbad Rodau mehr als 100.000 Euro aus, bei 80 Prozent Förderung, und erneuern die Dosieranlage und sanieren Zaun und Wege.

Geld ist knapp. Wie wollen Sie weiterhin investieren?

Wir müssen die Augen offenhalten, um Fördermittel zu holen. Wir wollen aus wenig Geld mit hohen Förderquoten viel machen. Die Möglichkeiten sind in der Vergangenheit zu wenig genutzt worden.

Es gibt in Rosenbach hoffnungsvolle Ansätze für den Tourismus, aber: Ist da mehr drin? Heutzutage fahren viele auf solche Landschaften ab. Sie kommen aber nur, wenn der Rahmen passt.

Unser Zugpferd ist die Drachenhöhle. Meines Erachtens ist die Drachenhöhle attraktiver als die Feengrotten in Saalfeld. Irgendwie haben sie es dort trotzdem geschafft und sind ein bekannter Touristenmagnet. In der Drachenhöhle läuft es recht gut, wir müssen aber am Bekanntheitsgrad arbeiten. Das ist hier nicht so einfach.

Es gibt doch mehr als die Höhle.

Das Schloss Leubnitz liegt im Dornröschenschlaf. Wir hatten kürzlich einen Brandschutzgutachter da, der sagte: Was für ein Schatz. Doch mit einem schönen und wenig bekannten Schloss ist schwer anzukämpfen gegen die Großen.

Immerhin hat Rosenbach Schätze. Wie lassen die sich besser in Szene setzen? Wie lässt sich das Drumherum aufpeppen?

Wir teilen uns mit Pausa-Mühltroff und Weischlitz eine Tourismus-Stelle. Da sind die Möglichkeiten begrenzt. Wichtig ist das Gastgewerbe. Gerade bei den Lokalen wird es immer schwieriger, Personal zu finden.

Wie sieht es beim Restaurant "Zum Holzfäller" in Mehltheuer nach dem Betreiberwechsel aus?

Es läuft gut an. Wir müssen sehen, wie es klappt für die Wirtsleute und die SG Grün-Weiß Mehltheuer mit ihrer Wettkampf-Kegelanlage.

Es gibt Chancen und Hemmnisse. Wie wollen Sie Rosenbach voranbringen?

Wir tun viel für die Infrastruktur. Baugebiete gibt es bald in Syrau und Schneckengrün - und damit kommen junge Menschen zu uns. Auch unsere Schulen und Kitas können sich sehen lassen. Ganz entscheidend für den Erhalt der Strukturen werden die Vereine sein. Sie sind die Träger des öffentlichen Lebens.

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