Escape-Room-Boom: Plauenerin tourt mit rollendem Rätsel-Camper durchs Land

Marie Rothe und Rudi, ein alter Rettungswagen, verliebten sich vor einem Jahr in Berlin. Heute sorgen sie im ganzen Land für Nervenkitzel und die Frage: Wie kommt man bloß aus Rudi wieder raus?

Plauen.

Alles scheint perfekt. Selbst die Wiese für die erste Übernachtung im liebevoll selbst ausgebauten Reise-Camper. Die Lider werden schwer. Plötzlich ein Klopfen am Fenster: Ein fremder Jäger will, dass Camper und Bewohner verschwinden. Hektisches Kramen nach Hab und Gut setzt ein. Da fällt die Autotür zu - und der Schlüssel scheint verschwunden. Was nun?

"Logisch denken, die Augen offen halten und miteinander reden", schmunzelt Marie Rothe (24) aus Plauen. Alles, was Rätselfreunde brauchen, um den Ausweg zu finden, ist in Camper Rudi versteckt. Er ist ein Flucht-Spiel, auf Englisch auch Escape Game genannt, auf Rädern. Mit dem Kennzeichen "V-MR". "Ein echter Vogtländer also ", lacht Rothe. Der Ford Transit, im früheren Leben ein Krankentransporter, ist mit seinen 27 Jahren zwar schon ein alter Herr. Sie verliebte sich vor einem guten Jahr trotzdem auf den ersten Blick in ihn.

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"Ich wollte schon immer gern einen Bus ausbauen und darin wohnen", verrät die Finanzplanerin, die in Plauen und Thiergarten aufgewachsen ist und darauf steht, möglichst wenig zu besitzen. "Weniger haben, mehr sein", begründet sie das. Mithilfe eines Freundes ihres Vaters entdeckte sie Rudi in Berlin. "Er heißt nach meinem Uropa", erklärt sie. Ihr Vater, Tischlermeister und Rallye-Copilot, half ihr, Rudi auszubauen: Blaulicht ab, Johanniter-Aufkleber runter, Liegen raus.

Im vorigen Mai war es dann so weit: Rothe und ihr damaliger bester Freund, heute ihr Ehemann, starteten mit Rudi in die Dolomiten. Was sie in der ersten Nacht erlebten, gab den Ausschlag für die Geschichte, die heute das Rätsel im Camper bildet. Im Sommer kam Rothe dann die Idee, aus Rudi ein mobiles Escape Game zu machen. In Magdeburg hatte die Plauenerin selbst ein solches Spiel getestet - und war begeistert. "Ich habe als Kind schon Schnitzeljagden geliebt", sagt die 24-Jährige. Das Geschäft mit Escape Games boomt: Quer durch Deutschland sind die Möglichkeiten dafür aus dem Boden geschossen. Ob als fest installierter Raum, als mobiles Spiel auf Bestellung vor Ort oder auch in einem Bus oder Truck. Rudi allerdings ist laut Rothe der erste Camper seiner Rätsel-Art.

Nach weiteren Umbauten und vielen eifrigen Testspielern steht seit Januar fest: Alle Tüftler, die auf einen Adrenalinkick stehen, können künftig mit Rudi losrätseln. Entweder an mehreren Tagen pro Woche in Berlin - oder als gebuchtes Erlebnis im ganzen Land: auf Hochzeiten, zu Geburtstagen oder bei Stadtfesten, wie Rothe erklärt. Das Rätsel kann als lange Version (75 Minuten) oder kurze Version (25 Minuten) je zu zweit angepackt werden. 75 Minuten Tüfteln zu zweit kosten 45Euro, 25 Minuten auf Veranstaltungen liegen bei 16 Euro.

Damit alles sicher zugeht, bekommen Spieler ein Walkie-Talkie für Fragen. "Es gibt einen Notausgang und einen Feuerlöscher", so die Plauenerin, die mit Rudi gern öfter in ihre Heimat kommen möchte. Bis jetzt hat sie hier keine Konkurrenz. Konrad Brand vom Event Center Playhouse in Plauen möchte zwar bald zusätzlich zu seinem Lasertag einen Escape Room anbieten. "Wir sind noch dran", erklärte er jedoch auf Nachfrage, wann es losgeht. Zuvor hatte Brand in Aussicht gestellt, dass der Spiel-Raum im Frühjahr fertig wird. Ein Teil der Ausrüstung sei schon da, so Brand: "Aber das Startdatum ist noch völlig offen."

Mehr Informationen zu Escape-Camper Rudi im Internet unter www.camperescape.de

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