Europapolitiker im Theumaer Kuhstall

Bauern sollen wie Unternehmer handeln, die natürlichen Ressourcen schützen und die Bevölkerung ernähren. Welche Probleme dieser Spagat mit sich bringt, erklärten vogtländische Landwirte CDU-Politikern.

Theuma.

Um die Sorgen und Nöte der Landbevölkerung, speziell der Landwirte aufzuspüren, bereisten am Freitag Vertreter der Land-Union Sachsen das Vogtland. Dabei handelt es sich um eine Sonderorganisation der sächsischen CDU, die sich mit Belangen des ländlichen Raumes beschäftigt. Eine Station war die Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz, ein mittelgroßer Agrarbetrieb mit 2000 Hektar Fläche und 75 Beschäftigten. Den Landwirten brannten drei wichtige Themen auf den Nägeln: der Fachkräftemangel, das Image der Landwirtschaft in der Bevölkerung und die Förderpolitik der Europäischen Union.

Fachkräftemangel: Genossenschaftschef Udo Weymann gibt zu, immer ins Schwitzen zu kommen, wenn von der Erhöhung des Mindestlohnes die Rede ist. Finanziellen Spielraum habe man nicht. Kein Wirtschaftszweig sei in seinem unternehmerischen Handeln so eingeschränkt wie die Landwirtschaft. "Wir produzieren erst und reden dann über den Preis, den uns andere diktieren. Das gibt es in keinem anderen Bereich der Wirtschaft", sagte Weymann. "Doch wie soll man qualifiziertes Fachpersonal akquirieren, wenn man nur Mindestlöhne zahlen kann?", fragte Weymann. Es gebe in Sachen Nachwuchs aber auch Lichtblicke. Dafür sorgte der junge Landwirtschaftsmechatroniker Sven Strobel, der eher zufällig zur Diskussionsrunde stieß: "Mein Beruf ist sehr komplex. Das war für mich eine echte Überraschung, als ich hier angefangen habe. Ich mache meine Arbeit sehr gern, auch wenn die Landwirtschaft leider nicht so gut angesehen ist."


Imageproblem: Dieses schlechte Ansehen macht den Landwirten oft sehr zu schaffen. Der pauschale Vorwurf laute, so Weymann: Großer Betrieb ist gleich Massentierhaltung, ist gleich schlechte Haltungsbedingungen. "Wir binden unsere Kühe schon seit Jahrzehnten nicht mehr an, während das in vielen Kleinstbetrieben durchaus noch üblich ist", nannte Weymann ein Beispiel, dass groß nicht gleich schlecht sein müsse. Peter Jahr, der Vorsitzende der Land-Union und EU-Parlamentarier, erklärte das Warum: "Die Durchschnittsgröße eines Landwirtschaftsbetriebes in der EU beträgt sieben Hektar. Die Betriebsgröße hat aber nichts mit dem Tierwohl zu tun", so Jahr. Weymann ärgert sich, dass sich viele Mitbürger ungefragt in die Arbeit der Landwirte einmischen und meinen, alles besser zu wissen. "Deshalb müssen Sie jede Gelegenheit nutzen, dem Bürger zu erklären, wie Sie arbeiten, welche Gesetze Sie einzuhalten haben und dass es Fördermittel nicht ohne Konditionen als Geschenk gibt, wie vielfach geglaubt", forderte der Europaabgeordnete den Landwirt zur Diskussion mit dem Verbraucher auf.

Förderpolitik: Mit Spannung blicken derzeit viele Bauern Richtung Brüssel. Dort diskutieren die Politiker, wie sie die neue, 2021 beginnende Förderperiode gestalten wollen. Die Entscheidungen sollen dieses Jahr fallen. Von Kürzungen ist die Rede. "Das will natürlich kein Landwirt. Wenn aber die Mitgliedsländer weniger in den europäischen Topf einzahlen, kann dieser weniger Gelder ausreichen", erklärte Jahr die Zusammenhänge. Er plädierte dafür, dass die Landwirte, statt in Notfällen auf europäische Hilfe zu warten, Geld in eine Mehrgefahrenversicherung einzahlen, die dann in Fällen - wie der Dürre 2018 - für Verluste aufkommt. Weymann wünscht sich insgesamt eine besser gesteuerte Förderpolitik. Er musste feststellen: "Erst haben wir Fördergelder erhalten, um eine Direktvermarktung aufzubauen und in Biogas zu investieren. Jetzt sind es genau diese Betriebszweige, die verhindern, dass wir Dürrebeihilfen bekommen, weil Biogas und Direktvermarktung als Handel und nicht als landwirtschaftliche Produktion gesehen werden", kritisierte der Vorsitzende.

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