Falkner ins Pfaffengut: Stadt will Nägel mit Köpfen machen

Der Stadtrat beschließt Dienstag über einen Pachtvertrag für den Falkner. Einer der Pächter im Gut ist nun sauer - und droht mit rechtlichen Schritten.

Plauen.

Nach monatelanger Debatte soll Falkner Hans-Peter Herrmann nun wohl doch ins Pfaffengut ziehen dürfen. Zur nächsten Stadtratsitzung steht eine Entscheidung an, die ihm den Einzug in das nahe Umwelt- und Naturschutzzentrum ebnen kann.

Der von Stadtrat und Falkner gewünschte Umzug hatte in den vergangenen Monaten laute Debatten ausgelöst. Heftig gewehrt gegen den Falkner und seine gut 50 Greifvögel als Mitbewohner hatten sich die beiden Pächter im Gut, der Pfaffengut-Förderverein und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Durch ihr Nein hatten sie eine Änderung des Pachtvertrags zugunsten Herrmanns Touristen-Attraktion geblockt.

Allerdings nur vorerst. Denn der Pachtvertrag läuft nicht ewig, sondern bis Ende des Jahres 2021. Nun will die Stadt, dass Herrmann jetzt schon einen eigenen Vertrag kriegt und frühestens ab 2022 vom Gewerbegebiet Reißig ins alte Guts-Jagdhaus sowie auf die östlich daran grenzende Fläche zieht. Verlängern BUND und Verein ihren Vertrag mit der Stadt, wäre ein Umzug aber erst ab 2027 drin. In jedem Fall soll der Falkner im Gewerbegebiet bleiben dürfen, bis er ins Gut umsiedelt.

Der Druck hinter dem Stadtrats-Beschluss geht vom Falkner aus: "Ich habe mir eine Frist bis Juli gesetzt, ob ich bleibe oder woanders hingehe", sagte er. Die Stadt habe versprochen, ihm Ende Juni ein Angebot vorzulegen, um ihn hier zu halten. Doch er habe nun ein Grundstück außerhalb Plauens in Aussicht verrät Herrmann: "Das könnte ich kaufen." Dort könne er die Falknerei erweitern. Er tendiere zu 80 Prozent zum Weggehen. Bevor er aber vom Rathaus nichts schwarz auf weiß vorliegen hat, entscheide er nichts.

Der BUND fühlt sich indes von der Hau-Ruck-Aktion des Rathauses vor den Kopf gestoßen: "Von dieser Entwicklung wussten wir nichts", sagte Landesgeschäftsführer David Greve auf Anfrage. "Das kommt mir wie eine Retourkutsche vor." Der BUND wolle in der Einrichtung bleiben, aber nicht auf Jaghaus und Wiese verzichten, und behalte sich vor, rechtliche Schritte einzuleiten.

Davon, das Rathaus vor Gericht zu zerren, hält der Pfaffengut-Förderverein gar nichts: "Es besteht rechtlich überhaupt kein Ansatzpunkt gegen diesen Willen vorzugehen", erklärte Vereins-Vorsitzende Ilona Gogsch auf Anfrage. Immerhin: Im Gegensatz zum BUND hat die Stadt zuvor mit ihr über ihre Absichten geredet. In die Karten schauen, wie der Verein zu dem Ganzen steht, ließ sie sich nicht. Auf dem Kriegspfad scheint Gogsch jedoch nicht zu sein: "Die Stadt hat sich immer zu ihrem Pfaffengut bekannt und wir gehen davon aus, dass wir diese wichtigen Aufgaben auch nach dem Auslaufen des jetzigen Pachtvertrages fortsetzen können."

Nach Angaben von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) haben BUND und Verein gemeinsam Jagdhaus und angrenzende Fläche gepachtet. Er gebe die Hoffnung nicht auf, dass eine Einigung möglich ist, sagte der OB "Freie Presse". Zu dem von ihm im Februar erwähnten "kurzfristigen Investor" für das Grundstück direkt neben der Falknerei erklärte er: "Wir verkaufen der Firma Karow Aromen eine Fläche für eine Betriebserweiterung."

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