Falscher Gitterdraht - Tauben tricksen in Plauen die Bahn aus

Jetzt macht die DB Netz AG ernst. Engmaschiger Draht soll das nervige Getier von der Bahnbrücke Pausaer Straße vertreiben. Stadt und Kreis schieben sich die Verantwortung zu.

Plauen.

Neue Wendung beim Plauener Dauerproblem Taubendreck: Nachdem in der Bahnunterführung an der Pausaer Straße einige Maßnahmen zur "Vergrämung" der Tauben nicht die gewünschte Wirkung gebracht haben, will die Deutsche Bahn AG jetzt Nägel mit Köpfen machen. "Noch 2019 werden wir Gitter mit 20 Millimeter Maschenweite anbringen", erklärt der für Sachsen zuständige Bahnsprecher Jörg Böhnisch auf Anfrage der "Freien Presse". Denn bisher, das sieht die DB AG ein, konnten sich die Tauben immer wieder einnisten, obwohl auf der gesamten Länge der Bahnunterführung Gitter installiert worden sind. Ein hundertprozentiger Schutz sei indes trotz anerkannter Präventivmaßnahmen nie zu gewährleisten, sagt Böhnisch.

Aus Sicht der Plauener Stadtverwaltung ein löbliches Vorhaben. Im Rathaus landen immer wieder Beschwerden zur Bahnbrücke, die am Oberen Bahnhof über die Pausaer Straße hinweg führt. Die Stadt verweist beim Taubenschutz auf die Zuständigkeit der DB Netz AG als Baulastträger der Brücke. Plauen hat an den Straßenlampen ebenfalls derartige Vergrämungsmaßnahmen vorgenommen: Stachel und scharfe Spitzen sollen die Tauben vertreiben. "Nach unseren Beobachtungen zeigen sie Wirkung", erklärt Pressesprecherin Silvia Weck. Bei Fragen zu drohender Gesundheitsgefährdung sei das Landratsamt, Hygiene und Umweltmedizin, zuständig.

Im Gesundheitsamt des Vogtlandkreises ist das Taubendreck-Problem erst durch Anfrage der "Freien Presse" angekommen. Die Behörde habe eine Ortsbesichtigung vorgenommen und im beschriebenen Bereich keinen Taubenkot festgestellt, heißt es, dafür gebe es aber auf der anderen Straßenseite Verschmutzungen. Dort wiederum sei die Stadt zuständig. Das Gesundheitsamt kündigte an, den Fall ans Plauener Ordnungsamt weiterzureichen.

Das Taubendreck-Problem im Bereich der Bahnunterführung ist ein Dauerbrenner. Erst kürzlich beklagte die Plauenerin Heidi Oltzscher am Lesertelefon der "Freien Presse" diesen Missstand. Oft liege der Taubenkot bis über die Mitte des Fußweges hinaus, sodass Passanten dicht an der Fahrbahn der vierspurigen Hauptstraße entlang gehen müssen. Bei den nicht immer eingehaltenen Höchstgeschwindigkeiten sei das dort ein erhebliches Risiko.

Das Gesundheitsamt stützt seine Risikobewertung auf Aussagen des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV). Das Institut verwendet bei Stadttauben die Begriffe "Gesundheitsschädling" und "Siedlungsungeziefer", da Tauben und besonders deren Kot Krankheitserreger auf Menschen übertragen können. Verwilderte Tauben seien insbesondere dort eine konkret begründete Gefahr, wo Lebensmittel im Spiel sind. Die Tötung von Tauben lasse sich nur bei "Gefahr im Verzug" rechtfertigen. Das BGVV verweist auf die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen und rät zu Vertreibung und Vergrämung.

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