Feuerwehr übt Rettung vom Plauener Riesenrad

Die Höhenretter der Plauener Berufsfeuerwehr haben am Mittwoch einen nichtalltäglichen Einsatz auf dem Osterrummel absolviert - Bauchkribbeln inklusive.

Plauen.

Einer muss unten bleiben. Für den Notfall. "Wenn etwas passiert, ist schnelles Reagieren lebenswichtig", erklärt am gestrigen Mittwochfrüh Einsatzleiter Jörg Stöckl. Er steht der Abteilung Höhenrettung der Plauener Berufsfeuerwehr vor. Drei Kameraden seines Teams probten jetzt den Ernstfall - mit Hilfe der 38 Meter hohen Attraktion "Schieck's Europarad" des thüringischen Schaustellers Patrick Plaenert. Er macht damit derzeit beim Ostervolksfest auf dem Festplatz Station.

Der 30-Jährige habe sein Fahrgeschäft schon ab und zu für ähnliche Übungen zur Verfügung gestellt, berichtet er. Bereits in 4. Generation in seinem Familienbetrieb tätig, weiß der Riesenrad-Betreiber eines genau: "Das ist heute wirklich nur ein Training. Bei uns würde zum Beispiel bei Stromausfall oder Mechanikblockaden nichts Dramatisches passieren." Der Betrieb sei nicht nur mit einer Notfallbatterie ausgestattet, im Zweifel sei man schneller als die Feuerwehr", lacht Plaenert. Er besitzt eines der letzten wirklich großen Riesenräder in Ostdeutschland.

Christoph Ulrich

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Einer der Retter, die es jetzt mit schwerem Klettergurt, Helm und Rettungsseil über Leitern, Pfosten oder Querstreben bis ganz oben erklommen haben, ist Boris Rahn. Es dauerte etwas mehr als eine Viertelstunde, bis er eine der 24 schwankenden Gondeln erreichte. "Ein Bauchkribbeln verspüre ich durchaus", gibt er nach der Einsatzübung zu. Zuvor mag keiner der Männer viel reden. Steve Hertel zündet sich eine Zigarette an, legt gedankenversunken den Kopf in den Nacken und blickt hoch. Er war bei vielen Rettungen aus großer Höhe oder der Tiefe dabei. Ebenso wie Bernhard Hermsdorf, Höhenretter seit 1994.

Die Erfahrung hat die Profis gelehrt, dass es Situationen gibt, in denen man nicht mit der Drehleiter oder dem Sprungtuch anrücken kann. Beim Riesenrad wäre das unmöglich. "Wir sind immer auf der Suche nach spannenden Übungsobjekten", so Einsatzleiter Stöckl. Er schaut auf die Uhr. "Bei einem Hängetrauma bleiben höchstens 20 Minuten Zeit", mahnt er. Sei das Blut erst einmal in die Beine gesackt, werde das Gehirn nicht durchblutet, Bewusstlosigkeit sei die Folge.

Nachmittags drehte sich das Rad wieder für Besucher. Nach Ostern wird es in Zwickau aufgestellt.

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