Flüchtlinge als Lehrlinge? Es gibt keine

Jeweils zu Jahresbeginn lädt die Handwerkskammer zum Tag der Bildung. Im Vorjahr wurde angeregt, die Einrichtung für die Flüchtlingsausbildung zu nutzen. Das erscheint nach wie vor schwierig.

Plauen.

Nachdem es beim Rundgang auch um Asylbewerber gegangen war, stellte Landtagsabgeordneter Stephan Hösl (CDU) eine Frage: "Wie viele Flüchtlinge wurden eingestellt?" Die Antwort von Bildungskoordinator Thomas Porst vom Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) an der Plauener Rähnisstraße kam prompt: "Fast null." Es fehlten vor allem mathematische und physikalische Kenntnisse, zudem mangele es an ausreichenden Deutsch-Kenntnissen, so Porsts Begründung.

In der Metallhalle des BTZ finden regelmäßig Kurse zur Ausbildung von Schweißern statt. An dieser Station kamen die Flüchtlinge erneut zur Sprache. Es fehle an qualifiziertem Nachwuchs, so Porst. "Wie viele Aktive hatten Sie hier?", fragte CDU-Bundestagsabgeordneter Robert Hochbaum. "Einen", antwortete der Bildungskoordinator. Auch hier fehlten die Voraussetzungen.

Im Vorjahr hatten sich sowohl CDU-Landtagsabgeordneter Frank Heidan als auch Juliane Pfeil, die für die SPD im Landtag sitzt, dafür ausgesprochen, die Einrichtung auch für die berufliche Ausbildung von Flüchtlingen zu nutzen. Vize-Kreishandwerksmeister Peter Seidel hatte schon damals klargemacht, dass zunächst die Voraussetzungen vorhanden sein und das Ganze organisiert und vorbereitet werden müsse. "Wir hätten kein Problem damit", sagte Matthias Wolf von der Firma Weska Kälteservice Netzschkau. Er nannte die Sprachbarriere als Hauptgrund dafür, dass es noch keine Lehrlinge aus dem Kreis der Flüchtlinge in dem Unternehmen gibt. Den Tag der Bildung am BTZ Vogtland lobte er. "Wir sind zum zweiten Mal dabei", sagte er. Denn im Vorjahr habe der Auftritt in dem Gebäudekomplex an der Rähnisstraße etwas gebracht. "Es kamen dadurch Rückfragen zustande und daraufhin Praktika in den Ferien", ließ er wissen. Nachdem sich Jugendliche im Betrieb ausprobiert hatten, kamen ein oder zwei Bewerbungen. Das werte man als Erfolg. Die Bewerbungen würden jetzt geprüft. Der Netzschkauer Hersteller von Kühlhäusern, Schockfrostanlagen und anderer Kältetechnik beschäftigt 54 Mitarbeiter und hat sechs Auszubildende. Für das im September beginnende Ausbildungsjahr werden drei Jugendliche gesucht, die Mechatroniker für Kältetechnik werden wollen.

36 Handwerksbetriebe stellten sich am Samstag vor, um mit Schulabgängern über Zugangsvoraussetzungen für eine Lehre und Berufsmöglichkeiten zu sprechen. "Wir sind optimistisch", zeigte sich der Vize-Kreishandwerksmeister guter Dinge, was die wirtschaftliche Situation der Firmen angeht.

Das Bildungs- und Technologiezentrum in Plauen ist eine von zwei Einrichtungen im Kammerbezirk Chemnitz. Es stehen 16 Lehrwerkstätten mit rund 300 praktischen Ausbildungsplätzen sowie eine vielfältige technische Ausstattung für 20 Berufe zur Verfügung. Außerdem gibt es sechs Unterrichtsräume mit rund 120 theoretischen Ausbildungsplätzen und zwei EDV-Kabinette mit einer modernen Multimedia-Ausstattung. Täglich besuchen etwa 150 Lehrlinge das Zentrum.

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2Kommentare
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  • 3
    0
    aussaugerges
    16.01.2017

    Unsere Beamten werden wohl bald den Beitrag von 60 Milliarden an die Kran.-Kasse zahlen müssen.
    Hoffentlich recht bald.

  • 4
    0
    voigtsberger
    16.01.2017

    Zu den fehlenden Lehrlingen, kommt noch die Mär von den Facharbeitern, Ärzten und Ingenieuren um unseren demografischen
    Wandel der Gesellschaft zu stoppen! Nur das dies nicht so ist, diese Erkenntnisse kommen für die Politik und Wirtschaft zu spät und wie lang werden dass die Sozialsysteme noch alles stemmen?



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