Flutopfer kritisieren die Talsperrenverwaltung

"Freie Presse" startet heute eine Spendenaktion für die Opfer des Hochwassers. Nach der Flut bleiben viele Fragen. Hätten die Schäden, die durch Überschwemmungen entstanden, verhindert werden können? Warum wurden die Bewohner der Risikogebiete nicht gewarnt?

Plauen.

Zweimal Hochwasser binnen fünf Jahren: Den privaten Opfern entlang der Weißen Elster fällt es schwer zu glauben, dass daran das Klima schuld sein soll. Die Talsperre Pirk sei zugunsten des Tourismus zu voll gehalten worden, so ihre Theorie. In der Kritik steht die Landestalsperrenverwaltung. "Zum Bersten voll war die Pirk vorher. Man hätte früher was ablassen müssen, das Unwetter war angekündigt", sagt Feuerwehrmann Hans-Jürgen Mothes aus Elsterberg, und: "Wenn Rafting auf der Elster ist, wird schließlich auch aufgedreht." Wochenlang habe die Elster vor seiner Haustür kaum Wasser geführt.

Geschädigte aus Kürbitz und Weischlitz machen das Öffnen der sogenannten Fischbauchklappen für das Dilemma verantwortlich. Zu ihnen gehört Lothar Reuschel. Er arbeitete bis 2016 in der Forellenanlage Weischlitz, deren Fische in der Nacht zum Freitag weggespült wurden. Seit Mitte der 1980er-Jahre habe er viele kritische Hochwassersituationen erlebt, aber nie sei etwas passiert in den mehr als 30 Jahren - bis 2013. "Weischlitz ist zu retten, wenn an der Pirk etwas geändert wird", sagt Reuschel.

Gerd Zobel, der zuständige Chef bei der Talsperrenverwaltung für den Bereich Obere Weiße Elster, verweist auf Nachfrage auf den Hochwassersteuerungsplan für die Pirk. An den habe man sich gehalten. Zur Öffnung der Fischbauchklappen bestand aus seiner Sicht keine Alternative, allenfalls eine zeitliche Verschiebung des Ereignisses. "Bei diesen Kräften, dieser Menge an Zufluss innerhalb von nur sechs Stunden, hätte es andernfalls extreme Schäden am Stauwerk gegeben", sagt er. "Wir haben die Pirk hervorragend gesteuert, es wurde weniger abgegeben als einlief." Ohne die Talsperre wäre weit mehr Wasser die Elster hinabgeflossen, sagt er. "Die Talsperre verbessert grundsätzlich die Hochwassersituation." Das Problem sei nicht die Pirk, sondern die Bebauung im Überschwemmungsgebiet und Bescheide, die eine Bebauung dort erlaubten. Seit 90 Jahren seien die Flächen in Weischlitz, wo Sportplatz und Garagen stehen, als Überschwemmungsgebiet bekannt. Auch der Streit um die touristische Nutzung der Talsperre Pirk existiere seit vielen Jahren. "Es gibt immer jemanden, der sagt, er würde es ganz anders machen", sagt der Verantwortliche. Zobel will sich den Fragen von Bürgern vor Ort stellen, möglicherweise im nächsten Gemeinderat. "Ich verstehe auch die Betroffenen und habe das schon am Freitag dort angeboten", sagt er.

Die Bewohner der Risikogebiete sind nach eigenen Aussagen nicht vor dem Wasser gewarnt worden. Kurz vor der Flut am Donnerstagabend, nachdem die Fischbauchklappen geöffnet waren, veröffentlichte das Landratsamt im Internet eine Information. Kernaussage: "Es besteht keine Gefahr." Die "Freie Presse" hat der Kreisverwaltung gestern eine schriftliche Anfrage geschickt, wie es zu dieser Einschätzung kam. Man werde die Anfrage umgehend beantworten, hieß es.


Die "Freie Presse" startet Spendenaktion "Hochwasser im Vogtland"

Bei dem jüngsten Hochwasser sind Schäden entstanden, die für Privatleute und Vereine in die Millionen gehen. Nicht jeder hat eine Versicherung, die für die Schäden aufkommt. "Freie Presse" will Betroffenen unter die Arme greifen. Ab sofort läuft die Aktion "Leser helfen" mit der Möglichkeit, den Opfern des Hochwassers Geld zu spenden. Bereits dreimal konnten die Leser auf diese Weise unbürokratisch Not lindern: in den Jahren 2002, 2010 und 2013.

So können Sie spenden: Die Spendenaktion heißt "Hochwasser im Vogtland". Das Konto ist ab sofort verfügbar.

Das Spendenkonto lautet:

IBAN: DE47870962140224422440

Verein "Leser helfen", Stichwort "Hochwasser im Vogtland".

Sind Ihnen Betroffene bekannt, die Hilfe benötigen? Hinweise bitte per E-Mail: red.plauen@freiepresse.de

Ein Spendenformular gibt es online:

www.freiepresse.de/spendenformular

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
10Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    Tauchsieder
    30.05.2018

    Hätte ich`s doch glatt weg beinahe vergessen. Plauen arbeitet gerade an diesem Problem, will Oelsnitz in den Schatten stellen. Das kann sich doch der Stadtrat von Oelsnitz und Hr. Horn nicht bieten lassen.

  • 1
    0
    voigtsberger
    30.05.2018

    #Tauchsieder: Ich weis nicht welche persönliche Probleme sie mit Hr. Horn haben, denn all das was sie an Beispiele aufführen hat doch unsere so gelobte Stadtbaumeisterin, der Bauausschuss und die Stadträte zu verantworten und bei der Sparvariante am Steg, da sind doch ihre "Quertreiber" im Stadtrat federführend!
    Wenn sie ein Problem mit dem OB haben, als "Verflossene" oder deren Partner, dann lassen sie ihren Unmut bitte nicht mit Beleidigung und Verunglimpfungen, an den Kommentierenden im Forum aus. Denn ihre Kommentare schreien gerade zu vor Halbwissen, Ahnungslosigkeit und persönlichen Frust!
    Auf den Sachverhalt des extremen Anstauen der Pirk vor dem Unwetter und der Monokulturen auf landwirtschaftlichen Flächen, die immer und ewig als Grünflächen genutzt wurden und nun zum "Teufel komm raus" beackert werden, mit dem Ergebnis, das die zerstörten Tranigen das Wasser in die Felder ablässt und nicht nur Wasser durch die Dörfer fließt, nein auch jede Menge Schlamm und Geröll und das hat etwas mit der Öko-Bilanz und der Subvention von Bioöl und Biogasanlagen zu tun und dem Anbau von Monokulturen, dazu haben sie keine sinnvolle Meinung!
    TS, viel Spas jedes Jahr beim gelben Blütenstaub und welche Pflanze wird nächstes Jahr als Schuldiger präsentiert, denn Fichten blühen erst in 5 Jahren wieder!

  • 2
    2
    Tauchsieder
    30.05.2018

    Danke, dass sie meine Meinung teilen, "voig....". Ein unrühmliches Beispiel, dass sie hier aufführen, stellte Oelsnitz dar. Gerade die Elsteraue im Bereich Oelsnitz wurde mit den von ihnen aufgelisteten Versieglungen, Bebauungen, fehlenden Überflutungsflächen usw. zugepflastert. Dort wo früher Grünfläche war befinden sich Geschäfte und Firmen, ein Bad, ein Bäcker etc. . Dies alles mit Zustimmung der Stadt Oelsnitz. Hier rum zu "motzen" ist der falsche Ort. Ihr Ansprechpartner ist Hr. Horn. Und was die Melioration angeht nur so viel. Nicht einen Meter dieser Entwässerung wurde aus dem Boden entfernt, bewusst zerstört, oder was auch immer.
    Ihnen "voi...." kann ich nur zu rufen: - Schwimmen sie weiter -.

  • 2
    3
    aussaugerges
    30.05.2018

    Das mit der Meloration ist ja Schwachsinn,es ist Topografische gar nicht möglich das Wasser in Flüsse abzuleiten.
    Es ging nur um die Oberflächen Entwässerung (((Senken)))und die Rohre waren alle durchlöchert, so haben sie in der tiefe das Wasser aufgenommen.

    Ist ja auch alles vergammelt in 30 Jahren.

  • 3
    2
    voigtsberger
    29.05.2018

    #Tauchsieder: Ihre Weisheiten sind ja immer schön mit Halbwahrheiten gespickt, da fehlen mir fast die Worte.
    Ein besonderer Aufreger ist da bei ihnen der Steg in Oelsnitz, denn sie bestimmt nie nutzten und nie nutzen werden und damit in ihren Augen eine unnötige Investition ist! Aber haben sie sich schon einmal die Frage gestellt, wer im Rathaus und im Stadtrat erst den Hochwasserschutz in den Vordergrund stellte, um die Erneuerung zu torpedieren und dann diese Sparvariante mit getragen hat, mit dem Ergebnis, das die Länge der freien Fläche durch Aufschüttung verkürzt wurde und somit sich der Durchfluss der Fläche bei Hochwasser nun eingeengt ist. Das ist doch der Aufreger und nicht die Erneuerung eines Jahrhundert alten Übergangs über die Elster und die damit verbundene kürzere Wegstrecke für Schüler, Rentner und Anwohner in der Siedlung. Auch müssten sie bei ihren "Weisheiten" doch wissen, das die zu DDR-Zeiten eingebrachte Melioration, schon längst auf vielen Feldern und Wiesen, nicht mehr funktioniert, da die schwere Technik nach der Wende in der Landwirtschaft diese schon längst zerstört hat und das Wasser nun unkontrolliert aus den Ackerflächen zu Tage tritt und bei Starkregen die Felder ausspült.
    Auch die ungezügelte Versieglung von Flächen ist doch offensichtlich, man muss nur all die Zufahrten, Terrassen und Vorplätze der Eigenheime ansehen und wohin das Wasser abgeleitet wird und die versiegelten die Außenflächen der Autohäuser und Discounter usw., da ist der Verweis auf den Steg in Oelsnitz, das falsche "Feindbild" oder doch nur ihr persönlicher Frust?
    Denn die Planung und die Bewilligung der abgespeckten Bauvariante greifen sie ja nicht an und sind sie vielleicht einer der "Quertreiber" einer fachgerechten Erneuerung? Weil nicht der Steg das Problem ist und nie war, sondern die jetzigen Baumaßnahmen und der damit verbundene Einschnitt in den Überflutungsschutzraum. Also immer erst einmal Nachdenken und die Sachlage hinterfragen, wenn das Wissen für der Materie fehlt!

  • 1
    3
    kgruenler
    29.05.2018

    Was ich mich frage, bei soviel geballter Fachkompetenz hier in der Kommentarspalte: "Warum haben Sie eigentlich keinen Posten bei den entsprechenden Behörden, wenn Sie alles besser können und wissen?!"
    Und das meine ich nicht ironisch, sarkastisch sondern vollkommen ernst!

  • 2
    1
    Tauchsieder
    29.05.2018

    Monokultur hin oder her, mag sein das dies ein gewisse Auswirkung hat. Der eigentliche Grund liegt in der Meloration der Flächen. Diese flächendeckende Meloration, die noch bis in die DDR zurückzuführen ist, hat Auswirkung auf die Entwässerung der Flächen. Das Wasser kann in der Fläche nicht mehr zurück gehalten werden und fließt fast 1:1 direkt ab.
    Schäden vorprogrammiert? Natürlich!
    Auch heute gibt es noch Kommunen und Städte die in das Überschwemmungsgebiet eines Flusses Bauwerke setzen. Ob Gebäude, Brücken oder Stege, wie in Oelsnitz. Abflusshindernisse, die die Auswirkungen eines ungehinderten Abflusses erschweren und die Schäden potenzieren. Ich sag mal ohne Hirn und Verstand.

  • 5
    2
    voigtsberger
    29.05.2018

    Was mich schon vor Pfingsten gewundert hat, warum wurde da so sehr angestaut, das sogar mein sonst immer trockener Angelplatz unter Wasser stand. Weis man in der Talsperrenverwaltung nicht, das nach Sonne immer Regen kommt und was voll ist, läuft dann über!
    Wer zieht da die Fäden und was sind da die Hintergründe? Die verantwortlichen der Talsperre, sind da bestimmt auch nur Befehlsempfänger, aber von wem!
    Auch ist die Strecke von Adorf bis Unterhermsgrün, doch nicht nur vom Wasser betroffen, der Schlamm und das Geröll ist da das Hauptproblem und am Ende liegt das Problem doch bei den Monokulturen und der Anbau in jeder Lage. Wo einst Grünland war, wird jetzt Biomasse angebaut, zum "Teufel komm raus" und die Folgen werden nicht benannt, da muss dann das Klima für alles herhalten!

  • 9
    1
    BuboBubo
    29.05.2018

    Zitat: " Zweimal Hochwasser binnen fünf Jahren: Den privaten Opfern entlang der Weißen Elster fällt es schwer zu glauben, dass daran das Klima schuld sein soll."

    Aha. Nicht das Klima, sondern die Landestalsperrenverwaltung ist also schuld. Besonders in der Region um Adorf, in der die Hochwasserschäden ungleich größer sind als unterhalb der Talsperre Pirk.
    Wie die LTV das dort oben wohl angestellt haben mag?

  • 3
    3
    Tauchsieder
    29.05.2018

    Na dann LTV, Hr. Zobel, lassen sie die Talsperre kontrolliert ab. Anschlie0end haben sie ein großes Regenrückhaltebecken, müssen nicht mehr in den Einlaufbereich eingreifen und investieren. Vorher müssen sie lediglich noch den Campern an der Talsperre dies vermitteln und schon haben sie eine Sorge weniger. Die Talsperre ist entbehrlich, erfüllt ihren eigentlichen Zweck schon lange nicht mehr und ein Genehmigungsverfahren ist auch nicht von Nöten. Was will man mehr?
    Vor allem haben sie mit den Unterliegern endlich Ruhe, obwohl die dann immer noch im Überschwemmungsgebiet des Flusses wohnen.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...