Frank Heidan: "Ich sollte in ein Internierungslager"

Wahlen 2019 Als Politik-Professor Werner Patzelt kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung in Plauen weilte, hatte er für eines keine Zeit: einen Stadtrundgang. Den holte er nun nach. Das Interesse an der Tour auf den Spuren der Friedlichen Revolution war groß - und die Berichte von Zeitzeugen wühlten auf.

Plauen.

Die Stadtführung mit CDU-Landtagsabgeordnetem Frank Heidan und dem von ihm dazu eingeladenen Politik-Professor Werner Patzelt aus Dresden am Samstagmittag war schon fast zu Ende, als die Teilnehmer an der ehemaligen Justizvollzugsanstalt auf dem Schlossberg Halt machten. Heidan berichtete von den willkürlichen und widerrechtlichen Verhaftungen in der Innenstadt am Abend des 7. Oktober 1989. Es war der Tag des 40. Republikgeburtstages, an dem in Plauen Tausende Menschen auf die Straße gegangen waren.

Am Samstag kamen die Erinnerungen zurück: Viele der mehr als 50 Teilnehmer an dem besonderen Stadtrundgang berichteten von ihren Erlebnissen. "Die haben Leute auf die Lkws geschmissen, die nichts getan haben", berichtete ein Zeitzeuge. In der Zeitung habe davon später nichts gestanden, ärgerte er sich. Die Verantwortlichen im Rathaus, bei der Polizei und der Staatssicherheit hätten am Nachmittag des 7. Oktobers 1989 wohl weit weniger Demonstranten am Tunnel erwartet. "Die haben mit ein paar Hundert gerechnet", sagte der Mann. Doch es kamen tausende Einwohner, die das System endgültig satthatten.


Eine Plauenerin berichtete, dass ihr Ehemann damals am Abend nach der Demo in die Stadt gegangen war und ebenfalls festgenommen wurde - ohne jeden Grund.

Auch Frank Heidan erinnerte sich. "Es wurden 60 Leute verhaftet", sagte er. Der Vorsitzende des Plauener CDU-Stadtverbandes war damals eines von 25 Mitgliedern der oppositionellen "Gruppe der Zwanzig" in Plauen, bei der Demonstration am DDR-Republikgeburtstag dabei und auch Mitglied des Runden Tisches, der die Ereignisse aufzuarbeiten versuchte und die Forderungen der Bürger im Rathaus vertrat.

Was die Sicherheitsorgane damals mit aufmüpfigen Andersdenkenden vorhatten, hat der 61-Jährige vor einiger Zeit in seiner Stasi-Akte am eigenen Beispiel nachvollziehen können: "Ich sollte in ein Internierungslager nach Hohenleuben." Das habe mit Bleistift geschrieben auf seiner Akte gestanden.

Die Zeitzeugenberichte machten Eindruck bei Werner Patzelt, der aus Passau stammt und den es nach der Wende an die TU Dresden verschlug. Zuletzt schrieb er als Co-Autor am Wahlprogramm der Sachsen-Union mit. "Ich bin dankbar, dass ich die Gelegenheit bekomme, hier mitzugehen", sagte Patzelt. In Plauen hätten die damaligen Veränderungen einen Anfang genommen.

Auf dem Schlossberg äußerte sich der Politik-Professor indes auch zur Berufsakademie, die sich jetzt anstelle des Gerichts und des benachbarten Gefängnisses getreten ist. "Da rennen Sie bei mir offene Türen ein", reagierte der Dresdener auf Frank Heidans Schilderungen zum Studium an der Studienakademie mit einer Vermittlungsquote der Absolventen von mehr als 90 Prozent. Es bräuchte wirklich mehr handwerklich und beruflich gebildete Menschen, sagte er.

Frank Heidan zeigte sich in rund 90 Minuten als gut informierter Stadtführer, der den Teilnehmern als gebürtiger Plauener viel aus eigenem Erleben und aus Erinnerungen schildern konnte. Mit den Sowjettruppen in Neundorf, der Offiziershochschule im Westend und den Grenztruppen an der Schöpsdrehe sei die Stadt damals ziemlich hochgerüstet gewesen. Viel weiteres Interessantes war zu hören. Etwa, dass der Schöpfer des Wendedenkmals, der Künstler Peter Luban, auch zur "Gruppe der Zwanzig" gehörte, und dass man bei McDonald's am Klostermarkt anfangs sogar noch mit DDR-Geld bezahlen konnte. "Die haben tatsächlich gleich angefangen zu bauen", erinnerte sich der Plauener an das damalige Erstaunen vieler DDR-Bürger. Denn: "So was kannten wir ja nicht."

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